Überblick Europawahl in Wuppertal: „Erschreckender Erfolg der Extremen“

Wuppertal · Wo ist in Wuppertal wie gewählt worden bei der Europawahl 2024? Ein Überblick.

Europawahl Wuppertal 2024: "Erschreckender Erfolg der Extremen"
Foto: dpa/Sebastian Gollnow

„Bundesweit ist die Union die mit Abstand stärkste Kraft geworden“, freut sich Johannes Slawig einen Tag nach der Europawahl vom Sonntag über das Abschneiden seiner Partei. Der Vorsitzende des Wuppertaler CDU-Kreisverbands hat eine eindeutige Interpretation der Wahlergebnisse parat: „Die Parteien der Ampel sind abgestraft worden, vor allem die Grünen haben massiv verloren. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist fertig mit dieser Bundesregierung.“

Auch in Wuppertal hat die CDU (24,8 Prozent) die meisten Stimmen bei der Wahl für das EU-Parlament erhalten. „Erschreckend sind allerdings die Erfolge der Extremen von Rechts und Links: AfD und BSW haben in unserer Stadt fast 20 Prozent erreicht, bundesweit noch mehr und in Ostdeutschland sind sie sogar stärkste Partei geworden“, so Slawig. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit beiden Parteien sei also notwendiger denn je. Durch konkrete Sacharbeit und konstruktive Lösungen wolle die CDU Vertrauen zurückgewinnen. Ihr bestes Ergebnis in Wuppertal hat die CDU mit 31,4 Prozent der Stimmen im Stadtbezirk Uellendahl-Katernberg erzielt. Bei der Europawahl 2019 war dies ebenfalls der stärkste Bezirk für die Union, die damals dort 28,6 Prozent erreichte. In den einzelnen Wuppertaler Kommunalwahlbezirken errang die CDU ihre besten Ergebnisse in Cronenberg-Süd (31,1 Prozent) sowie mit jeweils 30,4 Prozent in Langerfeld-Süd-Beyenburg und in Nächstebreck.

Die SPD landete am Sonntag auf Platz zwei im Stadtgebiet. Sie errang 17,6 Prozent der Stimmen (2019: 18,6 Prozent). Der für sie stimmenträchtigste Stadtbezirk war Heckinghausen mit 19,0 Prozent. Die besten Wahlbezirke für die Sozialdemokraten waren mit jeweils 19,3 Prozent Sedansberg-Rott und Heckinghausen-Ost sowie Clausen-Hatzfeld (20,1 Prozent) und Vohwinkel-Nord (20,6 Prozent). „Mit dem Wahlergebnis können wir nicht zufrieden sein. Positiv betrachtet haben wir gegen den Bundestrend ein Prozent verloren und liegen insgesamt über dem Bundesdurchschnitt“, versucht die Wuppertaler SPD-Vorsitzende Miriam Scherff, dem Ergebnis einen versöhnlichen Dreh zu verleihen.

Sie unterstreicht „die erfolgreiche und engagierte Arbeit unserer Genossinnen und Genossen vor allem in den einzelnen Stadtteilen“. Scherff: „Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen sind wir fest davon überzeugt, dass wir bei der kommenden Bundestags- und Kommunalwahl viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler mit unseren Inhalten überzeugen werden.“

Grüne schneiden im Osten
der Stadt sehr schwach ab

Die Grünen büßten am Sonntag auch in Wuppertal besonders arg ein. Konnten sie sich 2019 noch über das stadtweit beste Stimmergebnis aller Parteien von 25,4 Prozent freuen, so gaben ihnen diesmal deutlich weniger, nämlich 14,8 Prozent der Wahlberechtigten, ihre Stimme. Elberfeld war für sie mit 19,5 Prozent wieder der stärkste Stadtbezirk. 2019 waren es noch 30,2 Prozent der Stimmen, die sie dort auf sich vereinen konnten. In den Kommunalwahlbezirken Hombüchel (26,0), Brill-Arrenberg (24,1) und Höchsten (23,6 Prozent) schneiden sie traditionell gut ab. Die Vorstandssprecherin Franziska Truse tröstet, dass „wir hier in Wuppertal glücklicherweise noch über dem Ergebnis auf Bundesebene liegen und immerhin auch noch mit Blick auf die Stadt insgesamt knapp vor der AfD“. Sie bekennt aber auch: „Wir haben seit der letzten Europawahl dramatisch an Zustimmung verloren.“ Interessant sei allerdings auch das sehr unterschiedliche Abschneiden in den verschiedenen Stadtbezirken, so Truse: „Im Wuppertaler Westen haben wir zum Teil durchaus gute Ergebnisse. Insbesondere in Elberfeld sind wir weiterhin stärkste Kraft.“ Das Abschneiden in den Bezirken im Osten der Stadt sei dagegen wirklich besorgniserregend. Truse: „Wir werden intensiv in die Analyse gehen müssen, um zu schauen, welche Fehler wir gemacht haben und was wir auf Kreisverbandsebene in Zukunft besser machen können und müssen.“

Die neu gegründete Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) konnte aus dem Stand 5,9 Prozent der Stimmen in Wuppertal erringen. Im Stadtbezirk Barmen wurde sie von 6,9 Prozent der Wahlberechtigten gewählt. In Langerfeld-Beyenburg (6,5), in Heckinghausen (6,4) und Vohwinkel (6,2 Prozent) lag das Bündnis nur wenige Prozentpunkte darunter. „Im Stimmbezirk 1 in Elberfeld haben wir über neun Prozent geholt“, freut sich Susanne Herhaus. Sie und Kai Merkel sind die BSW-Mitglieder in Wuppertal und haben „das beste Ergebnis von ganz NRW“ eingefahren. Mit den Themen Frieden und Gerechtigkeit habe das neue Bündnis offenkundig und insbesondere bei Frauen punkten können, so Herhaus.

Mit 13,9 Prozent der Stimmen in Wuppertal liegt die AfD unter ihrem Bundesdurchschnitt, aber deutlich über dem Ergebnis von 2019 (9,8 Prozent). Ihre Hochburg ist der Stadtteil Oberbarmen mit 20,7 Prozent. Die stimmträchtigsten Kommunalwahlbezirke der AfD waren am Sonntag Oberbarmen (23,9), Langerfeld-Nord (23,4) und Wichlinghausen-Süd (22,2 Prozent).

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