Eurasians Unity spielte im Skulpturenpark.

Konzert : Weltmusik mit Temperament

Die Formation Eurasians Unity spielte in der Reihe Klangart im Skulpturenpark Waldfrieden.

Wenn nicht über das Wetter gemeckert wird, würde etwas mit uns Menschen nicht stimmen. Erst war es über Wochen zu heiß. Nun gab es einen Temperatursturz. Aber auch das passte zumindest im Skulpturenpark nicht jedem. Immerhin waren es etwa 13 Grad, eine Temperatur also wahrlich jenseits von Eiszeitbedingungen. Wasserscheue gab es auch. Obwohl nur ein paar Tropfen vom Himmel herabtaumelten, wurde der Regenschirm ruckzuck aktiviert. Ja, ja, Petrus: Du kannst es wirklich nicht allen Recht machen.

Dennoch blieben sämtliche Gäste auf der großen Wiese vor der Villa. Denn auf der Open-Air Bühne hatte sich im Rahmen der Konzertreihe „Klangart“ die Formation „Eurasians Unity“ angekündigt. Dabei handelt es sich um eine vor vier Jahren gegründete achtköpfige Weltmusik-Band, die folkloristische Elemente aus den Ländern wie Bulgarien, Usbekistan, Aserbaidschan, Ukraine und Iran mit dem Jazz verbindet. Ethnische Musik aus Osteuropa und Zentralasien trifft also auf eine Musikrichtung, die seit ihren Ursprüngen in den USA in Mitteleuropa längst Fuß gefasst hat.

Solch eine Interaktion kann nur gelingen, wenn sich professionelle Musiker auf beiden Gebieten sicher bewegen. Das war an diesem Abend der Fall. Geboten wurden Eigenkompositionen und von anderen Bandmitgliedern arrangierte Stücke. Die Verquickung der mannigfaltigen Musikstile klappte überwiegend perfekt. Intensiv und dicht - mal balladesk, mal temperamentvoll – kam die exotische Musik von der Bühne. Der tradierte Jazz groovte richtig gut, der kunstfertig hin zu freien Improvisationen weitergeführt wurde. Manchmal aber wirkten dann die musikalischen Linien ein wenig brüchig, wenn zu abrupt die folkloristischen Elemente mit dem Jazz changierten. Die roten Fäden beziehungsweise die Spannungsbögen rissen deshalb mitunter.

Das Publikum klatschte sich warm und wollte noch eine Zugabe

Jedenfalls präsentierten sich fünf Frauen und drei Männer, die Meister an ihren Instrumenten sind und über erstklassige Stimmen verfügen. Sopran- und Altsaxophonistin Caroline Thon aus Köln bot tolle Jazzimprovisationen. Polin Veronika Todorova ging sehr energiegeladen mit ihrem Akkordeon um. Negar Bouban aus Teheran ließ mit ihrer Oud keine Wünsche offen. Sängerische Qualitäten auf ganz hohem Niveau gab es von Tamara Lukasheva aus der Ukraine und Feruza Ochilova aus Aserbaidschan. Pianist Salman Gambarov aus Aserbaidschan, Kontrabassist und Tubist Alex Morsey aus Essen sowie der polnische Schlagzeuger Bodek Janke waren die verlässliche Rhythm-Section, die außerdem solistisch brillierten.

Allerdings können ein paar Worte zur Tontechnik nicht außer Acht gelassen werden. Der hochwertige Flügel klang eher wie ein billiges E-Piano. Das lag vor allem an der dilettantischen Platzierung der beiden Mikrofone über den Saiten. Ein Anfängerfehler war auch die Rückkopplung während mancher Anmoderationen. Wofür gibt es Regelverstärker, die bei einem ordentlichen Umgang damit für Abhilfe sorgen? Die Gesangsmikrofone waren gerade bei lauteren Stellen zu leise ausgesteuert. Auch mit der Person, die am Monitorpult für den Bühnenklang zuständig war, waren die Musiker nicht immer zufrieden. Denn sie gaben ihr zwischendurch Anweisungen, wenn sie Probleme mit der Akustik hatten.

Das Publikum ließ sich von diesen Mängeln jedoch wenig beeinflussen, zeigte sich begeistert ob der Darbietungen. Schließlich hatte es sich warm geklatscht und erwirkte so noch eine Zugabe.