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Eulen-Show beim großen Potter-Finale

Eulen-Show beim großen Potter-Finale

Zur Premiere der deutschen Fassung des letzten Teils wurde das Rex zur Freiflugbühne. Uhu Theo bewies dabei magisches Zeitgefühl.

Wuppertal. "Was ist die Höchstgeschwindigkeit einer Schwalbe?" Nachdem die legendären "Ritter der Kokosnuss" auf der Kinoleinwand an aberwitzigen Rätseln verzweifelt sind, wurde es für die vier Kandidaten beim kniffligen Harry-Potter-Quiz ebenso eng. "Echte Profi-Fragen", befand die Wuppertalerin Marieke Jaspers, die den Hauptgewinn - eine Ballonfahrt übers Bergische - nur knapp verfehlte. Ihr Lohn besteht dann auch eher in ideellen Werten. Sie sei durch Harry Potter eine Leseratte geworden und habe Band sieben schon längst in englischer Sprache verschlungen.

In der Nacht zum Samstag packte Bücher Köndgen im Rex-Theater "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" aus. Damit liegt der siebte und letzte Teil des Dauerbrenners auch in deutscher Fassung vor. Mit der Veröffentlichung an der Schwelle zu Halloween war ein mystischer Termin gewählt, dem Köndgen einen zauberhaften Rahmen verlieh. Und darin besteht gewiss ein Verdienst des Buch-Septetts: Harry Potter hat Buchhändler in Entertainer verwandelt, die mit Freude und gänzlich neuem Ansatz ihre Ware präsentierten. Er hat aber noch mehr bewirkt. "Eine Milliarde Menschen haben sich von den Büchern zum Lesen animieren lassen, das ist der größte Erfolg", so Köndgen-Geschäftsführer Thomas Helbig.

Die lange Nacht ließ dennoch keinen Zweifel, dass Potter nach zehn Jahren Fieber die Grenzen seiner Belastbarkeit erreicht hat. Im Forum Maximum blieben manche Plätze unbesetzt, von kultiger Verkleidung wollten viele Leser schon nichts mehr wissen. Dennoch waren auch jüngste Besucher mucksmäuschenstill, als Catherine Walker und Colin Fosket mit Passagen aus Band sechs dem großen Helden der Bücherregale eine Lese-Hommage widmeten.

Tap Dance vom Zentrum für Tanz und Bewegung stimmte optisch in die Welt der Britischen Inseln ein, aber die ungeschlagenen Größen dieser Potter-Nacht kamen weitaus beschwingter daher. Falkner Karl Fischer, Frohnatur aus der Eifel, ließ "jewaltigste Eulen" durch das Rex schwirren. Einen saftigen Happen in der Hand, rief Fischer: "Du musst zu mir kommen, Schatzimaus", doch Uhu Theo nahm im Gleitflug Kurs aufs Lüftungsrohr, wo er dann in hoher Warte über das Treiben im Saal wachte. "So ein Vogel hat die Ruhe weg, das kann dauern", tröstete Fischer.

Mit magischem Zeitgefühl fand Theo dann aber doch pünktlich die fütternde Hand, so dass Fosket die ersten Sätze des letzten Potter-Bandes vortragen konnte: "Snape und Yaxley eilten über knirschenden Knies zur Haustür". Über knirschenden Knies? Nun ja, das war live und ohne Probe, denn nach alter Sitte durfte der Buchdeckel nicht vor Mitternacht aufgeschlagen werden.