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Es soll kein leiser Abschied werden

Es soll kein leiser Abschied werden

Monika Heigermoser ist Wuppertals Kulturbüroleiterin und als solche in der Szene zu Hause. 2018 geht sie in den Ruhestand.

Wer in Wuppertal wissen will, was in der freien Kulturszene los und wer dort angesagt ist, der geht zu ihr. Monika Heigermoser ist seit zehn Jahren Leiterin des Kulturbüros. Jahre, in denen sie das Kulturgeschehen in der Stadt stark mitgeprägt hat. Nun neigt sich ihre Zeit dem Ende zu. Mitte 2018 geht die 64-jährige gebürtige Chiemseerin in den Ruhestand. Anlass für einen Rückblick.

Was hat Sie nach Wuppertal verschlagen?

Heigermoser (lächelt): Private Gründe.

Wollten Sie schon immer im Kulturbereich arbeiten?

Heigermoser: Nein, selbst das Studium war nicht vorherbestimmt. Ich komme aus einem kleinen Dorf am Chiemsee, war die erste Frau dort, die überhaupt studiert hat. In Regensburg habe ich zunächst auf Lehramt studiert und an der Uni entdeckt, dass mich Pädagogik interessiert. Fertig studiert habe ich dann in Wuppertal, bin also Diplompädagogin. Danach habe ich zunächst als freie Kurleisterin bei der VHS gearbeitet, war in der Frauenbildung, der Alphabetisierung tätig. Ich weiß, wie sich prekäre Lebensverhältnisse anfühlen. Später habe ich als feste Fachbereichsleiterin die Alphabetisierung aufgebaut.

1995 war ein wichtiges Jahr für Sie.

Heigermoser: Ja, ich bekam den Anerkennungspreis der Unesco für Alphabetisierung und wechselte in die gerade umstrukturierte Stadtverwaltung, wo ich die Leitung der kommunalen, internen Fortbildung übernahm, hier Standards und Verbindlichkeit schuf. Mit Anfang 50 wollte ich dann noch mal einen neuen Bereich kennenlernen und bewarb mich um die Leitung des Kulturbüros, da Monika Bistram in den Ruhestand ging.

Das war 2007. Seither sind zehn Jahre vergangen. Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?

Heigermoser: „Viertelklang“, weil es das erste große und neue Projekt war, das Synergien schuf. Vorher wurden viele kleine Projekte nebeneinander unterstützt. Wir und damit meine ich das Team, brachten Chor und Jazz, Rock und Klassik zusammen. Jeder Künstler brachte sein Publikum mit, das dann, ohne Schwellenängste, auch andere Kulturbereiche für sich entdeckte. Außerdem haben wir so (neue) Drittmittelspenden einwerben können, die man erst kriegt, wenn man etwas Besonderes macht. Das Rezept ging auf: Das Kulturbüro finanziert und organisiert, die Künstler geben ihre Kunst. So geht es auch bei der Literaturbiennale, der Performancenacht, der Kunst- und Museumsnacht und natürlich bei der Kulturtrasse.

Die Kulturtrasse fand 2017 erstmals statt und hat Ihnen viel Lob gebracht:

Heigermoser: Die war wirklich sehr innovativ. Da gab es fast zu viele gute Ideen. Ganz besonders hat mir die Lichtkunst im Tunnel gefallen. Ich würde dem Kulturbüro sehr empfehlen, das Projekt zu wiederholen, aber man muss wissen, dass es sehr ambitioniert und anstrengend ist und lange vorbereitet werden muss.

Geld für Kultur ist gerade in Zeiten klammer kommunaler Kassen sehr schwierig.

Heigermoser: Ja, um 2010 kamen die Riesensparmaßnahmen, geriet die Kulturfinanzierung unter massiven Druck. Gleichzeitig kamen immer mehr junge Künstler mit neuen Konzepten. Damals schlug mir Ralf Putsch von der Firma Knipex vor, eine bestimmte Summe zur Verfügung zu stellen, und ich sollte ihm junge Künstler nennen, die es schwer haben. Diese Idee wurde strukturiert, mit einem Auswahl- und Überprüfungsverfahren und dem Namen Kulturfonds versehen. Vor drei Jahren wurde daraus der Bergische Kulturfonds, da Remscheid eingestiegen ist.

Welcher Kulturbereich interessiert Sie am meisten?

Heigermoser: Ich mag Musik und die bildende Kunst, aber bin nicht auf einen Bereich fixiert. Durch meine Arbeit habe ich einen guten Überblick.

Der 1. September 2018 ist Ihr letzter offizieller Arbeitstag. Wie wollen Sie ihn gestalten?

Heigermoser: Ich möchte mich mit einer Feier verabschieden. Mich für die gute Zusammenarbeit bedanken und nicht hinausschleichen. Ich habe einen großen Respekt vor den Künstlern in Wuppertal. Sie sind mir sehr wichtig, weshalb wir jedes Jahr Fachgespräche führen, die ihre berufliche Situation tangieren. So kriegen sie Infos und können Kontakte knüpfen.

Was wünschen Sie Ihrem/Ihrer Nachfolger/in?

Heigermoser: Mut, Fähigkeit sich mit vielen unterschiedlichen Leuten auseinanderzusetzen und zu verständigen, gute Ideen und viele Unterstützer. Ich helfe natürlich auch gerne bei der Übergabe.

Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand?

Heigermoser: Erst mal muss ich diese Phase gut abschließen. Dann warte ich mal ab, was passiert. Es wird sich sicherlich etwas ergeben. (Sie überlegt:) Vielleicht gehe ich auch noch mal an die Uni.