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Begrabt mein Herz in Wuppertal: Es kommt kein Zug aus Nirgendwo

Begrabt mein Herz in Wuppertal : Es kommt kein Zug aus Nirgendwo

Die Bahn hat uns abgekoppelt. Kolumnist Uwe Becker hätte eine Idee für eine Lösung.

Wuppertal. Am Freitag wurde Wuppertal für die gesamten Osterferien vom Schienennetz der Deutschen Bahn genommen. Sozusagen von der Außenwelt abgekoppelt. Gott sei Dank wird das Internet nicht auch noch abgeschaltet. 94 000 Pendler sind davon betroffen. Es kommt kein Zug aus Nirgendwo, es fährt kein Zug nach Düsseldorf. 47 000 Wuppertaler fahren jeden Morgen in eine angrenzende Gemeinde, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Exakt dieselbe Anzahl von Arbeitnehmern, nämlich 47 000, fahren aber auch täglich in unsere wunderschöne Stadt, ins Herz des Bergischen Landes, um hier ihrem Broterwerb nachzugehen.

Warum bleiben die 47 000 Wuppertaler nicht einfach hier und belegen die Arbeitsplätze derer, die extra aus anderen Städten anreisen müssen? Das hätte den Vorteil, dass alle länger schlafen könnten und man den Schienennahverkehr nur geringfügig einsetzen müsste. Und über Verspätungen oder gar Zugausfälle könnte man nur müde lächeln. Hätte man sich da bei der Industrie- und Handelskammer und den betreffenden Unternehmen nicht besser absprechen können?

Ich bin heilfroh, dass ich in meinen eigenen vier Wänden arbeiten kann, zumal ich auch überhaupt kein Reisetyp bin. Aber vielleicht brauchen viele Menschen auch dieses tägliche Pendeln. Im Zug noch ein bisschen am Smartphone spielen, Zeitung lesen, Menschen beobachten und vor der Arbeit noch schnell ein Bütterchen mit Harzer Käse essen, weil daheim die Zeit zu knapp war. Wer weiß das schon genau.

Im Grunde wäre ich viel zu heimatverbunden, um jeden Tag zu reisen. Es gibt ja auch Menschen, die noch schlimmer sind, als alle Pendler zusammen, das sind die, die ständig das Fernweh packt. Ein Bekannter von mir ist nur noch unterwegs, kaum war er in Indien und hat mir seine Dias gezeigt, packt er auch schon wieder seinen Rucksack und düst nach Argentinien, Bolivien oder sonst wo hin.

Ich frage mich persönlich immer, was treibt diese Menschen an? Ist das eine Art Flucht? Ist die eigene Wohnung nicht schön genug und ungemütlich? Also die Wohnung meines Bekannten, die ist wirklich ungemütlich, einmal durfte ich sie kurz sehen, als er letztes Jahr mal für acht Stunden in Wuppertal weilte. Wenn ich so eine Wohnung hätte, dann würde ich auch, trotz aller Bedenken, lieber verreisen oder in Düsseldorf arbeiten, damit ich sie zehn Stunden am Tag nicht sehen müsste.

Okay, fremde Kulturen und Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, ist ja eine prima Sache, keine Frage, aber fast das ganze Jahr dafür auf Achse zu sein, das erscheint mir schon fragwürdig. Aber wie schon erwähnt, ich bin ja kein Reisetyp. Wenn ich mich als heimatverbundenen Menschen beschreibe, dann ist bei mir natürlich auch das Gefühl des Heimwehs stark ausgeprägt und in meiner Persönlichkeit tief verwurzelt.

Daher habe ich immer sehr große Vorräte in meiner Speisekammer: Rotwein, Spaghetti, Parmesankäse, Tomatenmark und Dosentomaten. Alles in unüberschaubarer Menge. So muss ich nicht zu oft mein Haus verlassen. Ganz ehrlich? Wenn ich mehr als 20 Minuten im Aldi bin, packt mich das Heimweh - aber hart.