„Es geht immer um Männer und Frauen“

„Es geht immer um Männer und Frauen“

Mechthild Großmann las am Donnerstagabend in der Unibibliothek.

„In manchen Stücken gibt es so einige Frauenrollen, die vor allem darauf achten, wie man die Beine übereinander schlägt. Das ist die Koketterie.“ Wer so entspannt über Pina Bauschs Kunst reden kann, war wahrscheinlich selbst Teil ihrer Truppe. In der Tat: Mechthild Großmann kam zu einer aufregenden Lesung in die Unibibliothek und beeindruckte mit mehr als einer Facette. Kein Zweifel blieb, dass ihre lange Zeit im Ensemble ihr besonders wichtig ist. Aber: „Um Männer und Frauen geht es eigentlich überhaupt immer.“

Der Saal am Grifflenberg war voll, als Großmann einen Text der amerikanischen Autorin Dorothy Parker präsentierte. Lang und herzlich schon vorab der Applaus für die Schauspielerin, die sie ja ist, obwohl viele Wuppertaler sie besonders fürs Tanztheater schätzen, das sie diesen Sommer verlassen hat. Das war natürlich ein Grund für den Empfang wie auch Thema beim Gespräch mit Germanistin Christine Hummel.

Parkers „Eine starke Blondine“ ist zwar kein eigentlicher Krimi, obwohl die Autorin dafür bekannt ist; aber die Geschichte um die unglückliche Hazel zwischen Sex und Alkohol ist spannend aufgebaut und hintergründig geschrieben. Mal kühl und unerbittlich: „Sie lebte in einem Nebel aus Sprit. Nichts war mehr verwunderlich.“ Mal reglos trotz komischer Bosheiten: „Die Damen hatten Gesichter aus dicken, weichen, lebhaft getönten Fleischschichten.“ Ironisch allerdings wollte die Schauspielerin ihren Vortrag nicht genannt wissen, als Dr. Hummel ihre zuweilen weniger ernste als quenglige Lesart nachher so bezeichnete: „Das hieße, ich würde mich darüber erheben. Ich kann nur sagen: Ich trinke auch gern.“

Souveränität vielleicht ist ein Merkmal, das den Gast den ganzen Abend prägte. Nicht jeder Schauspieler ist ja gut darin, gleich nach dem Spiel klug über Figuren zu reden - Großmann schon: „Hazel kann immer nur reagieren, und das ist ja nie eine starke Haltung.“ Oder später, als die Rede auf ihre Tatort-Rolle als Staatsanwältin kam: „Sie läuft ja nur ein paarmal durchs Bild und hat die Funktion, zu stören.“ Auch dafür, für die populäre „Wilhelmine Klemm“, waren sicher viele der Zuschauer da, die bunt gemischt auf den Grifflenberg gepilgert waren.

Ernst antwortete sie auf die Zuschauerfrage, warum sie das Tanztheater verlassen hat: „Früher war das Wetter besser und die Eier runder.“ Was Pina Bauschs Tod ebenso meinte wie die wachsende körperliche Belastung. Spürbar war bei allem, wie voll sie ist mit Erinnerungen; man ahnte manches Auf, auch Ab in all den Jahren mit „Pinchen“, wenn sie halb schmunzelnd die Haltung der verehrten Prinzipalin lobte.

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