Elberfeld: Es fehlt das Konzept für den Wall

Elberfeld : Es fehlt das Konzept für den Wall

Bei der Neugestaltung der Elberfelder Innenstadt sind noch viele Fragen offen. Das gilt besonders für die Achse zwischen dem Döppersberg und dem Neumarkt.

Im ständigen Wandel befindet sich seit Jahren der Elberfelder Wall. Konkrete Pläne, wie die Straße nach der Eröffnung des Döppersbergs und der Einweihung des neuen Busbahnhofs am Hauptbahnhof ab 2019 aussehen wird, gibt es allerdings noch nicht. „Werden am Wall wieder Bäume gepflanzt?“, möchte ein Leser und Anwohner wissen.

Eine Frage, die die WZ an Stadtplaner Mathis Günther weitergegeben hat. Der verweist darauf, dass zunächst grundlegende Fragen geklärt werden müssen, welche Funktionen der Wall erfüllen soll. Die Frage sei zum Beispiel, ob eine großstädtische Straße oder eher ein beruhigtes Straßenbild mit Bäumen am Rande gewünscht ist. Zumindest einige Varianten sind den Wuppertalern aus den vergangenen Jahren schon bekannt.

Markus Rathke, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten in Wuppertal

Während der Teilsperrung der B 7 entdeckten die Wuppertaler diese Straße neu, weil sie nun auf der ganzen Länge vom Neumarkt bis zur Schloßbleiche ohne Ampeln und Zebrastreifen überquert werden konnte. Zuvor wirkte der Wall stärker als ein trennender Faktor in der Fußgängerzone. Allerdings musste dafür die Straße verbreitert werden, einige Straßenbäume wurden gefällt.

Die WSW-Busse passierten den Wall in beide Richtungen mit Tempo 20. Befürchtungen, die Fußgänger könnten beim Zwei-Richtungsverkehr unter die Räder kommen, bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Dazu trugen zeitliche Einschränkungen wie Duchfahrtverbote für den Liefer- und Individualverkehr bei, die sich bewährt haben und zu einer dauerhaften Lösung werden könnten.

Für diese Veränderungen gab es viel Lob — der Wall entwickelte eine gewisse Weitläufigkeit und großstädtisches Flair. Zur Wiedereröffnung der B 7 mussten die Stadtwerke ab Ende Mai dieses Jahres den provisorischen Busbahnhof an der Ohligsmühle zurückbauen. Bis zur Eröffnung des Busbahnhofs Ende 2018 werden nun die Morianstraße und der Wall als zentrale Haltestellen in Elberfeld angefahren — der Wall in Richtung Neumarkt.

Da sich die WSW-Busse bei der Anfahrt zu den Haltestellen häufiger stauen, und es damit für die Fußgänger aufgrund von Überholmanövern unübersichtlicher wird, ist diese Variante ein eher ungeliebtes Provisorium.

Besserung ist in Sicht, wenn sich ab Ende 2018 ein großer Teil des Busverkehrs zum Döppersberg auf den neuen Busbahnhof am Hauptbahnhof verlagern wird. Spätestens dann müsste ein Konzept vorliegen, welche Funktionen der Wall als Verkehrsstraße und Einkaufsmeile auf Dauer erfüllen soll. Die Zeit, um ein solches Konzept zu erstellen, ist relativ knapp, denn der neue Döppersberg wird schon bald Passantenströme binden und Fakten schaffen.

Die Qualitätsoffensive Innenstadt Elberfeld soll dazu beitragen, ein attraktives Gegengewicht in der Elberfelder Fußgängerzone zum Döppersberg zu schaffen. Intensiv wurde in den Innenstadtkonferenzen bereits über den Neumarkt oder den von der Heydt-Platz diskutiert. Doch während es bereits konkrete Pläne für eine Neugestaltung des von der Heydt-Platzes gibt, ist der Wall, als eines der wichtigsten Elemente, bisher noch kein zentrales Thema.

Der Bund Deutscher Architekten in Wuppertal hatte die Qualitätsoffensive für Elberfeld und Barmen 2015 gestartet. Deren Vorsitzender Markus Rathke sieht den Zeitpunkt gekommen, dass aus der Vielzahl der Vorschläge und Ideen, die in den vergangenen eineinhalb Jahren gesammelt wurden, nun Konzepte abgeleitet werden. „Das kann nicht der Job der Moderatoren sein“, sagt Rathke. „Ein Konzept für den Wall in Abstimmung mit dem Busverkehrskonzept der WSW ist dringend erforderlich.“ Ob der Wall wieder begrünt werden kann, da sind sich Marlus Rathke und Stadtplaner Mathis Günther einig, sei eben nur in einem schlüssigen Gesamtkonzept zu beantworten.

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