Erziehermangel beschäftigt die Wuppertaler Politik

Kinderbetreuung : Erziehermangel beschäftigt die Politik

Unternimmt die Stadt genug gegen den Fachkräftemangel in Kitas? Dazu gab es zwei Anträge im Jugendhilfeausschuss.

Der Kita-Ausbau wird in Wuppertal weiter vorangetrieben – und doch stockt der Ausbau des Kita-Angebots, weil Erzieher und Erzieherinnen fehlen. Es gibt nicht genügend Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Das Problem ist der Stadt Wuppertal bekannt. Sie hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um den Beruf der Erzieher attraktiver zu machen, unter anderem die praxisintegrierte Erzieherausbildung (PIA), bei der die Azubis eine Vergütung erhalten. Die Stadt schaltet zudem Anzeigen in Tageszeitungen, um Kindergärtner anzuwerben. In Schulen und auf Berufsbörsen will sie Jugendlichen das Berufsbild früh schmackhaft machen. Mit einem Imagefilm sollen Fachkräfte, darunter auch Erzieher, angeworben werden. Dass die Stadt darin mit Kitaplätzen wirbt, ist ein interessanter Nebenaspekt.

Grüne und Linke
hatten Anträge gestellt

Doch die Maßnahmen reichen der Opposition im Stadtrat nicht. In der vergangenen Sitzung des Jugendhilfeausschusses war der Erziehermangel Thema eines Antrags der Linken sowie einer großen Anfrage der Grünen. Darin ging es unter anderem darum, wie viele Stellen in städtischen Kitas seit mehr als drei Monaten vakant sind, welche Auswirkungen der Fachkräftemangel auf städtische Kitas hat und ob wie in Hamm, Geldern und Grevenbroich geplant ist, die Öffnungszeiten zu reduzieren.

„Die Anfrage der Grünen ist nicht fristgerecht eingereicht worden, so dass die Fragen erst in der nächsten Ausschusssitzung beantwortet werden“, sagt Stadtbetriebsleiter Michael Neumann. Grundsätzlich stellt er klar: „Es gibt einen großen Mangel am Arbeitsmarkt.“ Die Stadt wolle Erzieher nicht von anderen Trägern abwerben, sondern setze vor allem auf die Ausbildung des Nachwuchses.

Dem Antrag der Linken wurde nicht zugestimmt. Damit sollten Anreize für Erzieher geschaffen werden, in Wuppertal zu arbeiten. Ein Vorschlag war, Kindern einen Kita-Platz in der Einrichtung zuzusichern, in der die Erzieherin arbeitet. Das lehnt Neumann ab. „Es gibt einen großen Run auf die Betreuungsplätze und es gibt feste Regeln, nach denen diese Plätze vergeben werden“, so Neumann. Die Altersstruktur und die Gruppenform müssten schon passen, und das Kind müsse dann auch noch an der richtigen Stelle der Warteliste stehen. „Es würde nicht ohne Diskussion bei den Eltern bleiben, die keinen Platz bekommen“, sagt Neumann über die Bevorzugung von Erzieher-Kindern.

Erzieher bei der Wohnungssuche zu unterstützen und Ihnen ein Jobticket zur Verfügung zu stellen, kommt für Neumann nicht in Frage. „Das ist ein gesamtstädtisches Thema und müsste dann für alle Mitarbeiter der Stadt gelten.“

Im Jugendhilfeausschuss wurde beschlossen, eine interfraktionelle Kommission zu bilden, in der Maßnahmen gegen Personalmangel erarbeitet werden sollen.

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