Erstis auf Orientierungskurs

Erstis auf Orientierungskurs

Die Bergische Universität begrüßt 2600 neue Studierende mit einer Welcome Week.

Wuppertal. Ars longa, vita brevis. Wenn Klosprüche so tief schürfen, dürfte die Toilette zu einer Uni gehören. Und richtig, in diesem Fall ist es die Bergische Universität, eine Institution in Hanglage, verteilt über drei Campi: Haspel, Griff-lenberg und hoch oben Freudenberg.

Mit 2600 Erst- und Neueinschreibern war die Uni-Halle am Montag so gut gefüllt wie bei einem Konzert der Flippers. Doch auf der Bühne standen keine Schlagerstars, sondern Rektor Lambert T. Koch und die Dekane, die mit Zahlen, Fakten und einem Markt der Möglichkeiten dem Nachwuchs die Türen öffneten.

Sechs, acht oder zehn Semester liegen vor den "Erstis", wie man die neuen Studierenden im Jargon nennt. Hinter ihnen liegt die Schule, ein geschützter Bereich mit klaren Aufgaben und Zielen. Um "mehr Eigenverantwortung" werde es in Zukunft gehen, darum, sich selbst zu organisieren, sagt Koch und lässt gleich einige Informationen herabrieseln, die einem Eben-Noch-Gymnasiasten Rätsel aufgeben.

Studienplanberatung ist dann auch der Schwerpunkt einer "Welcome Week", die am kommenden Freitag mit einer "Semesteropening-Party" enden wird. Der Einstieg ins Uni-Leben verheißt nun mal beste Feierstimmung.

Katharina Weiß aus Wuppertal kennt das schon - sie hat den Studiengang IT-Computing abgebrochen und startet nun mit Mediendesign durch. Dafür sei Wuppertal eine ausgezeichnete Adresse. Auch Natalie Pospiech aus Bottrop betritt kein Neuland. Sie hat in Essen Wirtschaftswissenschaften bis zum Bachelor hinter sich gebracht und legt nun in Wuppertal den Master nach. Die Stadt kennt sie nicht und denkt auch nicht daran, hierher zu ziehen. Sie bleibt Pendlerin.

Mangelnde Ortskenntnis erfordert ein Leitsystem, das an den Alltag von Fremdenführern erinnert. Birte Fritsch, gewählte Studentenvertreterin, reckt ein Schild in die Höhe, um einen Tross Neu-Romanisten sicher in Haus O Ebene 10 zu leiten. Dort oben bremst sie erst einmal die Nervosität der Erstis aus: "Macht euch keine Sorgen, echt nicht. Wir sind ja unter uns."

"Unter uns", das bedeutet fast auch "unter uns Frauen", denn Romanistik ist - wie vieles im Fachbereich Geisteswissenschaften - inzwischen eine weibliche Domäne, stark geprägt von angehenden Lehrerinnen. 32 Frauen und zwei Männern erklärt Birte dann den Sinn des Einstufungstests. "Die Sprachkurse erfordern ein bestimmtes Niveau. Deshalb werden zunächst die Kenntnisse geprüft und gegebenenfalls Vorkurse empfohlen."

Solche Infos gibt es auch auf der Website der Uni bei "Wusel". Das System aber sei zu Studienbeginn überlastet, sagt Birte und ist nicht erstaunt, dass sich eine Studierende "noch nicht eingewuselt" habe. "Noch Fragen?" Vorerst nicht, denn den Erstis klingelt es allzu sehr in den Ohren.

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