Corona Reaktionen aus Wuppertal zur Lockdown-Verlängerung: „Das wird eine Neiddebatte geben“

Wuppertal · Die neuen Beschlüsse zu Corona-Maßnahmen sind raus - Friseure sollen als erste wieder öffnen dürfen. Wie reagieren Schulen, Gastronomie und Händler aus Wuppertal auf den verlängerten Lockdown?

 Ab dem 1. März sollen Friseure wieder öffnen dürfen.

Ab dem 1. März sollen Friseure wieder öffnen dürfen.

Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Nach dem Beschluss des Bundes und der Länder wird der Lockdown zwar grundsätzlich verlängert, aber nicht in allen Bereichen. So sollen Friseure ab dem 1. März öffnen können und die Öffnung von Schulen und Kitas wieder in die Hände der Länder gelegt werden.

Friseurmeisterin Martina-Susanna Allouche findet es „wunderbar“ eine Perspektive zu haben. Sie habe eine Warteliste mit Kunden, die einen Termin haben möchten. „Wenn das Datum jetzt feststeht, rufe ich die Kunden an und mache Termine“, sagt Allouche. Sie sagt, man hätte Friseure generell nicht schließen müssen. Die Hygienestandards seien schon vorher hoch gewesen und viele Menschen auf die Dienste angewiesen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht es im Grunde als richtig, dass die Länder wieder über Öffnungen der Schulen entscheiden. Richard Voss (GEW-Team Wuppertal) sagte am frühen Mittwochnachmittag, man wünsche sich aber klarere Linien für den Betrieb bis zum Sommer. Etwa mit mehr Schnelltests, um schulscharf entscheiden zu können, welche öffnen können. „Die Konzepte liegen in der Schublade.“ Er befürchtet, dass es wieder Entscheidungen zwei Tage vor der Umsetzung geben werde, was Schulen wie Familien stark herausfordere. Im Grundsatz sei es aber richtig: „Es wird Zeit, dass die Schulen wieder öffnen.“

Weitere Geduld verlangt die Bundesregierung von Handel und Gastronomie. Wuppertals Dehoga-Vorsitzende Marie Haus hat die Lockdown-Verlängerung wenig überrascht. „Meinen Kollegen geht langsam die Puste aus.“ Die Gastronomie sei nicht unbedingt die Branche, in der große Rücklagen gebildet werden können. „Und in manchen Fällen wurden gerade erst die Novemberhilfen überwiesen.“ Der Dehoga-Verband dränge auf baldige Öffnungen. Denn so Marie Haus: „Gastro kann Hygiene.“

Matthias Zenker aus dem Vorstand der Elberfelder IG 1 war auf eine Verlängerung des Lockdowns eingestellt. Viele Kollegen aus dem stationären Geschäft gehe es „wirklich nicht gut“. Er höre von vielen, dass man das erste Quartal noch überstehen könne, aber danach werde es „richtig eng“. Kritisch sieht Zenker die vorzeitige Öffnung der Friseure. Er ist sich sicher: „Das wird eine Neiddebatte geben.“ Es sei für Händler schwer nachvollziehbar, warum sie nicht öffnen dürfen, wenn nebenan ein Friseur mit seinen engen Kunden-Kontakten loslegen darf. Zenker sagt: „Wir sollten den Lockdown jetzt konsequent durchziehen.“

Johannes Slawig, Leiter des Wuppertaler Krisenstabes: „Hätte ich die Wahl, würde ich die Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. März dem Ende eine Woche früher vorziehen. Bedauerlich ist, dass sich die Länder wieder einmal nicht auf eine Linie bei den Schulen verständigen konnten.“ Slawig hofft, dass das Land NRW mit großer Vorsicht beim Thema Schulöffnungen entscheidet. „Die Begegnungen in den Schulen und in den Schulbussen sind Kontakte. Die wollen wir eigentlich vermeiden. Daher sollte es flexible Lösungen mit Wechselunterricht geben und es sollte möglichst den Schulen freigestellt werden, wie sie verfahren wollen.“