Erst Au-pair, jetzt Promotion

Erst Au-pair, jetzt Promotion

Mariam Muwanga kam 2006 aus Uganda nach Wuppertal.

Die deutsche Sprache hat Mariam Muwanga in der Schule kennen- und lieben gelernt. In der für sie „exotischen“ und spannenden Sprache gewann sie mehrfach einen Gedichtwettbewerb der Deutschen Botschaft. An der Makerere-Universität studierte sie Geografie und Germanistik auf Lehramt und verbesserte ihre Sprachfähigkeiten während eines Auslandsaufenthaltes an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Im Anschluss arbeitete sie bei einem deutschen Schulförderungsprojekt in Uganda und ging später als Au-pair nach Wuppertal. Ihr Studium hier war nicht von Anfang an geplant: „Mein Freundeskreis hat mich davon überzeugt“, sagt sie.

Muwanga schrieb sich in Anglistik und Germanistik ein. Finanziert hat sie Studium und Leben durch Nebenjobs, etwa als Englisch-Kursleiterin an der Volkshochschule. Seit dem Masterstudium, das sie 2012 begann, wurde sie Stipendiatin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Einstieg ins Studium fiel aber zunächst schwer: „Es gab nicht viele internationale Studierende. Alle anderen blieben eher unter sich, was erste Kontakte schwierig machte.“ Gerade beim Mensabesuch fühlte sie sich einsam: „Wenn man in Uganda alleine gegessen hat, ist immer jemand dazugekommen. Das ist hier nicht so — zum Teil auch, weil man aus Höflichkeit niemanden beim Essen stören möchte.“ Doch nach einigen Uni-Veranstaltungen und dem Besuch des Hochschulsportes brach das Eis zu ihren Kommilitonen.

Anders hat sie die Lehrenden kennengelernt: „Die Dozenten waren von Anfang an sehr offen und freundlich. Das Besondere hier ist, dass man in den Sprechstunden auch tatsächlich mit dem Professor oder der Professorin reden kann. In Uganda trifft man meist nur auf die Sekretärin.“

Sie machte 2014 den Master of Education, „damit ich mir die Option offen halten kann, in die Schule zu gehen.“ Es folgte die Promotion in der Anglistik. Sie forscht zur „Afrikanischen Diaspora“ und wie diese beispielsweise in Romanen inszeniert wird. Daneben berät sie beim Zentrum für Graduiertenstudien internationale Promovierende an der Wuppertaler Uni.

An Wuppertal mag sie die kurzen Wege in die Natur. Oft joggt sie auf der Nordbahntrasse oder fährt Fahrrad. Ihre Familie begeistert vor allem die Schwebebahn: „Als meine Mutter mich vor zwei Jahren besucht hat, fuhren wir einmal entlang der Wupper.“ Ihre Begeisterung für verschiedene Kulturen schlägt sich auch in ihrer Experimentierfreude für die internationale Küche nieder: „Ich mag Sushi und Burger genauso wie Sauerbraten mit Rotkohl und Knödeln.“

Gerade zur kalten Jahreszeit packt sie immer noch das Heimweh: „In Uganda ist es im Dezember, pünktlich zu Weihnachten, am heißesten und man feiert im Freien.“ Doch sobald der Frühling kommt und die Sonne scheint, verfliegen diese Gedanken.

Was sie nach der Promotion machen möchte, weiß sie noch nicht genau: „Es gibt viele Möglichkeiten. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.“

“ Der Text erschien in einer längeren Fassung zuerst im Campus-Magazin Blickfeld

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