Beruf: Ermittler im Auftrag der Weltbank

Beruf : Ermittler im Auftrag der Weltbank

Fabian Clausen arbeitet in Washington und deckt Fälle von Korruption auf.

An längere Aufenthalte im Ausland ist Fabian Clausen schon von klein auf gewöhnt. Bereits als Kind war er mit seiner Familie nach Südwales gereist und hatte dort einige Jahre gelebt, weil sein Vater an einem internationalen College gelehrt hatte. 1988 zog die Familie dann nach Wuppertal, doch das Interesse am Ausland und an internationalen Themen blieb bestehen. Mittlerweile arbeitet der Volljurist für die Weltbank in Washington D.C. und ermittelt in einer Anti-Korruptionsabteilung, die Hinweise auf Bestechung oder Betrug bei Projekten nachgeht, die von der Weltbank finanziert werden. Die Arbeit an dieser Schnittstelle von Entwicklungsarbeit und juristischen Ermittlungen finde er „unheimlich spannend“, erzählt Clausen der WZ während einer Stippvisite in seiner alten Heimat.

Derzeit ist der 37-Jährige mit seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter für einige Tage in Wuppertal, um seine Eltern zu besuchen. Zugleich nutzt er die Gelegenheit, um über seine Arbeit zu berichten: Am Dienstagabend informiert er ab 19.30 Uhr in der „Kulturschmiede“, An der Hütte 3 in Cronenberg, über die Anti-Korruptionsarbeit der Integrity Vice Presidency der Weltbank, einer rund 100 Personen starken Abteilung, die es seit den 1990er Jahre gibt. Die Arbeit dort sei sehr interdisziplinär angelegt, erzählt Clausen. Neben Juristen arbeiten dort auch ehemalige Ermittler etwa des FBI oder Buchprüfer, um mögliche Korruptionsverstöße bei den Projekten der Weltbank zu ermitteln.

Wo sehr viel Geld im Spiel ist,
kommt es zu Unregelmäßigkeiten

Etliche auch mehrstellige Millionen-Dollar-Summen können bei den Projekten im Raum stehen – und so kann es in Staaten und bei Unternehmen, die es mit der Regeltreue im Geschäftsgebaren (Fachbegriff: „Compliance“) nicht so eng sehen, immer wieder zu Verstößen kommen. In solchen Fälle muss die Abteilung Integrity Vice Presidency die Arbeit aufnehmen. Ist bei der Auftragsvergabe alles mit rechten Dingen zugegangen, sind die avisierten Summen für die Projekte realistisch? „Wo viel Geld im Spiel ist, wird so was immer wieder passieren“, sagt Clausen. Seine Abteilung kann dann in Rücksprache mit den beschuldigten Unternehmen den Sachverhalt klären und empfehlen, die unlauter arbeitenden Firmen auf eine Schwarze Liste zu setzen – damit wären sie dann für eine bestimmte Zeit für weitere von der Weltbank unterstützte Projekte gesperrt.

Sein Interesse an einer Tätigkeit in einer internationalen Organisation hatte Clausen schon in seinem Studium an der Uni Münster bewiesen. So studierte der Abiturient des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums von 2002 bis 2008 Jura mit dem Schwerpunkt Völkerrecht und belegte auch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung. Ab 2009 folgte ein Master-Studium an der Universität im kanadischen Ottawa, in dem sich Clausen mit internationalem Recht und Entwicklungsarbeit befasste. In seiner Masterarbeit widmete sich der Jura-Student einem Projekt der Weltbank und untersuchte dabei, warum das Vorhaben die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht hatte. Während eines Rechtsreferendariats in Berlin arbeitete Clausen auch für drei Monate in der Weltbank und konnte erste Erfahrungen in der Institution sammeln.

Im Sommer geht es regelmäßig
zurück nach Wuppertal

Nach einer zweijährigen Tätigkeit in einer Wirtschaftskanzlei mit dem Schwerpunkt „Erneuerbare Energien“ gelang dann die Bewerbung für einen dauerhaften Job in der Weltbank – über ein Programm des Auswärtigen Amtes und der Bundesagentur für Arbeit, das den Berufseinstieg von Deutschen in internationalen Organisationen fördert. Im Mai 2014 begann Clausen seinen Job in Washington.

Der Kontakt nach Wuppertal ist in all den Jahren etwas lockerer geworden – zumal Clausen in Washington seine jetzige Frau kennengelernt hat. Zudem hat die Familie ein Haus in Washington gekauft. Clausen sieht zumindest mittelfristig seinen Lebensmittelpunkt in der US-Hauptstadt. Was freilich nicht heißt, dass man nicht regelmäßig nach Wuppertal zurückkehrt. „Im Sommer kommen wir stets zwei Wochen nach Deutschland“, sagt der 37-Jährige. Hierzulande ist es dann eben nicht so schwül-warm wie in Washington – außerdem freuen sich die Großeltern, wenn sie die Enkeltochter mal live sehen können. Und das Mädchen kann dann ein wenig seine Deutschkenntnisse erproben.

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