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Erinnerung an „vergessene Opfer“

Erinnerung an „vergessene Opfer“

Verein richtet Gedenkveranstaltungen für deportierte Sinti und Roma aus.

Vor 75 Jahren wurden in Wuppertal Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert. Daran möchte der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung in Wuppertal erinnern. Am Freitag, 2. März, richtet er drei Gedenkveranstaltungen an verschiedenen Stellen in der Stadt aus. Zusätzlich legt Stephan Stracke ein Buch über „Vergessene Opfer. Die NS-Vergangenheit der Wuppertaler Kriminalpolizei“ vor.

Ein Jahr lang haben Stracke und Lieselotte Bhatia über Sinti und Roma während der Nazi-Herrschaft geforscht. „Die Juden wurden von der Gestapo deportiert, die Kriminalpolizei war für den Rest zuständig“, räumt Stracke mit der Vorstellung von der sauberen Polizei auf. In den Akten fand er bisher unbekannte Zeitzeugenberichte - etwa darüber, wie die Deportation abgelaufen ist und welche Wiedergutmachung die Opfer nach dem Krieg bekamen. „Vieles müssen wir aus der Perspektive der Täter schildern, weil es anders nicht geht“, bedauert Stracke. Denn von den Sinti und Roma gibt es wenig schriftliche Zeugnisse.

Eine weitere Erkenntnis: „Die Vorurteile gegen Sinti und Roma gehen nach 1945 bruchlos weiter.“ Wichtige Akten zum Thema seien in den 1960er und 70er Jahren vernichtet worden. „Wir vermuten im Keller des Polizeipräsidiums umfangreiche Akten“, sagt Stracke. Ein ehemaliger Polizist aus Solingen-Burg habe jedoch einiges zum Thema gesammelt und den Historikern zur Verfügung gestellt.

Bisher sind nur 69 Wuppertaler Sinti und Roma namentlich bekannt, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Ab 1940 wurden sie auf dem Klingholzberg in einem „Zigeunerlager“ zusammengepfercht. Am 3.3.1943 wurden dann 202 Sinti und Roma vom Unterbarmer Bahnhof aus nach Auschwitz gebracht. Stracke konnte von den betroffenen Familien Meinhardt, Paßquali und Franz Angehörige ausfindig machen.

Bei seinen Recherchen stieß Stracke auch auf widersprüchliche Details: So habe Paul Kreber einerseits eine Roma-Familie versteckt und gerettet; auf der anderen Seite war er SS-Mitglied und führte Sinti und Roma zur Deportation.

Der Gedenktag am 3. März beginnt um 11.30 Uhr mit einer Gedenkfeier mit der Christian Morgenstern-Schule am Unterbarmer Bahnhof. Dazu spielt das niederländische Ensemble Romeny Jag - mit der Tochter eines der Wuppertaler Opfer. Um 15 Uhr weiht der Verein am Jugendzentrum Heinrich-Böll-Straße 136 eine Gedenktafel ein. Unter dem Bild steht „In Erinnerung an die Wuppertaler Sinti und Roma, die am 3. März 1943 vom Klingholzberg nach Auschwitz deportiert wurden. In Erinnerung an die Bewohner vom Klingholzberg, die von den Nationalsozialisten verhaftet, misshandelt, zwangssterilisiert und ermordet wurden.“ Dazu reisen Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbands deutscher Sinti und Roma, und Angehörige der Familien Paßquali und Franz an.

Um 19.30 Uhr stellt Stracke in der Citykirche in Elberfeld, Kirchplatz, sein Buch vor. Dazu musizieren wieder Romeny Jag, diesmal mit Marvin Dillmann. Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 3. März, führt eine Bustour zu Orten auf den Spuren der Sinti und Roma im Bergischen Land. Sie endet um 17 Uhr mit einer Gedenkfeier am Solinger Denkmal für deportierte Sinti und Roma. Die Bustour kostet fünf Euro. Anmeldung unter info@wuppertal-widerstand.de. Gleichzeitig sammelt der Verein Spenden, die bis 20. März von der Bethe-Stiftung verdoppelt werden.