Entwicklung am Döppersberg in Wuppertal oder grüner Beton

Offen gesagt : Grüner Beton

Warum der Kampf um den Erhalt von drei erkrankten Platanen am Döppersberg übertrieben ist.

Erwin Grosche kommt aus dem Sauerland. Er ist der vielleicht unbekannteste beste Kabarettist Deutschlands. Sein Rhythmussong „Rettet die Kartoffel“, geht jedem nicht mehr aus dem Kopf, der ihn auch nur ein einziges Mal gehört hat. Selbstverständlich ist der Appell im Kampf gegen die Reis-Vorliebe internationaler Spitzenköche nichts als Satire, benötigt, um absurdes Singspiel aufzuführen. Insofern könnten Wuppertals Grüne mit „Rettet die Platanen“ hochwertiges Kulturgut schaffen, ganz in der Tradition Erwin Grosches.

Aber leider meinen die Grünen es ernst. Ihnen geht es wirklich und unerbittlich um drei Platanen im sogenannten Wupperpark Ost. Dort, wo eigentlich längst Maurer damit beschäftigt sein sollten, neben dem Infopavillon für das Stadtmarketing einen vernünftig betreuten Treffpunkt für Drogensüchtige zu errichten, harren insgesamt sechs Platanen ihres Schicksals. Drei davon sind bereits der Säge versprochen, eine soll auf jeden Fall stehen bleiben, wenn die Stadt den Entwurf für den Wupperpark Ost umsetzt, der von den Politikern im Rat als der richtige identifiziert worden ist. Doch ausgerechnet diesem Plan stehen drei Platanen im Weg,

Die Platane an sich hat es in Wuppertal nicht leicht. Häufig klagt sie über Pilzbefall, was regelmäßige Behandlung nach sich zieht. Bäumen in der Großstadt geht es grundsätzlich schlechter als den Verwandten auf dem Land. Die Exemplare am Brausenwerth haben neben Pilz möglicherweise aber noch ein weiteres Gebrechen. Sie leiden unter Platanenkrebs, was in der Regel eine eher geringe Aussicht auf Zukunft bedeutet. Aber die Grünen lassen keinen Baum zurück. Statt dem traurigen Spiel ein Ende zu setzen, soll sich nun mindestens die Baubegleitkommission für das Jahrhundertprojekt Döppersberg noch einmal mit den Patienten beschäftigen. Bis dahin schreitet im Wupperpark Ost nur der Bau des Party-Bunkers der Gebrüder Riedel voran. Für die Drogensüchtigen und fürs Stadtmarketing heißt es abwarten.

Um nicht missverstanden zu werden: es ist gut, richtig und höchste Zeit, dass die Politik in Deutschland sich endlich ernsthaft um Klima- und Umweltschutz kümmert. Den Tausenden von Schülerinnen und Schülern, die dafür freitags auf die Straße gehen, gebühren Lob und Anerkennung, nicht Tadel und Nachsitzen dafür, dass sie ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen. Und den Grünen dürfen deren politische Mitbewerber ruhig zur Professionalität gratulieren, mit der sie sich binnen kürzester Zeit wieder ganz und gar auf ihr Kernthema konzentriert haben. Der Erfolg gibt ihnen recht, in manchen Umfragen hat die Ökopartei sogar die CDU bereits überflügelt.

Dennoch ist der Kampf um drei Platanen in Wuppertal hoffnungslos übertrieben. Nicht nur, dass für die zu fällenden Bäume Ersatzpflanzungen in großer Zahl vorgesehen sind, die Grünen blockieren obendrein ein Projekt, das ihnen eigentlich ein Herzensanliegen ist. Nun lässt sich immer noch trefflich darüber streiten, ob ein Drogentreff direkt im neuen Zentrum von Elberfeld wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Aber er ist nach hitzigen, gleichwohl überwiegend niveauvollen Diskussionen vom Stadtrat so beschlossen worden. Dann sollte er jetzt auch entstehen. Doch der erste Spatenstich ist noch in weiter Ferne.

Das ist auch in sofern misslich, als Bauen immer teurer wird, vor allem, wenn das Ende hinausgezögert wird. Im Falle des Café Cosa geschieht das auch mit dem Anfang. Wenn von den gut vier Millionen Euro für den Wupperpark Ost nur die Hälfte auf das Café Cosa entfällt, macht das bei den üblichen sechs Prozent Kostensteigerung pro Jahr je nach Dauer der Verzögerung einen beträchtlichen sechsstelligen Betrag aus. Das bedeutet, dass die drei Platanen mit bis zu 120 000 Euro Mehrkosten zubuche schlagen könnten.

Wäre Wuppertal eine Stadt in der Wüste, wären die drei Schattenspender jeden der zwölf Millionen Cent wert. Aber Wuppertal ist eine Stadt im Bergischen Land, eine herrlich grüne noch dazu. Der Baumbestand ist in den vergangenen 15 Jahren glücklicherweise noch gestiegen. Diese Stadt verfügt finanziell über keinerlei Rücklagen, aber was die Zahl ihrer Bäume angeht, ist sie Krösus und kann sich den Verzicht auf drei Stück durchaus leisten, zumal diese Exemplare womöglich auch noch schwerkrank sind.

Vielleicht kommen die Grünen in der nächsten Sitzung der Baubegleitkommission ja auch zu dieser Erkenntnis. Falls nicht, laufen sie Gefahr, das Gegenteil von dem zu erreichen, was sie wollen. Wenn sie weiter grünen Beton anmischen, kann es mit der neuen Naturschutzlust bei vielen Wuppertalern nämlich schnell auch wieder vorbei sein. Das wäre schade.

Mehr von Westdeutsche Zeitung