Springmann-Prozess: Enno Springmann war „ein gebrochener Mann“

Springmann-Prozess: Enno Springmann war „ein gebrochener Mann“

Am 20. Tag im Prozess um die Morde an den Springmanns spricht eine ehemalige Mitarbeiterin über Enno Springmann.

Sie ist eine Bewunderin von Enno Springmann — trotz seiner Fehler. Und Christa Springmann war ein Vorbild für sie. Im Unternehmen Hilgeland hat die Zeugin (67) ihre ersten beruflichen Schritte getan, danach losen Kontakt gehalten. Sie ist betroffen von dem schrecklichen Ende des Ehepaars und hat sich viele Gedanken, vor allem über Enno Springmann, gemacht. Davon erzählte sie am Mittwoch vor Gericht.

Foto: Andreas Fischer

Von 1968 bis 1974 war sie Enno Springmanns Sekretärin bei der Firma Hilgeland, sie habe aber auch später noch geschäftlichen Kontakt gehabt, als sie für eine andere Firma arbeitete, so die Zeugin. Als Ronsdorferin habe sie auch gehört, was im Stadtteil über das Ehepaar erzählt wurde. Das umfasste sowohl Klatsch über Enno Springmanns außereheliche Kontakte - „Fisternöllchen“ - als auch Gerede darüber, dass sein Enkel möglicherweise nicht studiert.

Zu Enno Springmanns 90. und 91. Geburtstag hatten sie telefoniert. Interessiert habe er gehört, dass sie ein Seniorenstudium absolvierte. Und dass Studenten Leistungsnachweise erbringen müssen. Er habe gesagt, dass nach Aussage seines Enkels so etwas heute nicht mehr nötig sei. Und sich gefragt, ob dieser ihn belüge. Dabei sei er richtig böse geworden und habe gesagt: „Wenn er mich belügt, werde ich mit ihm Schlitten fahren!“ Belogen zu werden, „vertrug er überhaupt nicht“, so die Zeugin. So ein Streit hätte zum Bruch führen können: „Wenn Enno Springmann die Tür zugeschlagen hat, dann war die Tür zu.“

Sie berichtete, wie andere Zeugen, von Enno Springmanns Enttäuschung über seinen Sohn. Dass es nach dessen Ausscheiden mit dem Unternehmen bergab ging, habe er dem Sohn zugeschrieben und ihm übelgenommen. Enno Springmann sei ein richtiger „Bergischer Unternehmer“ gewesen: „Die Firma war sein Lebenswerk“. Dass diese nicht wie andere Firmen in der nächsten Generation weiter blühte, habe ihn getroffen. „Er wurde immer verbitterter“, sagte sie. „Meiner Meinung nach war er ein gebrochener Mann.“

Nur die Hoffnung auf den Enkel habe ihn aufrecht gehalten, für ihn habe er Pläne gehabt, unter anderem als Vermögensverwalter. Aber erst habe der Enkel sein Studium beenden sollen, das sei ihm sehr wichtig gewesen.

Bei der Befragung der Zeugin entstand wie schon öfter ein Konflikt zwischen Verteidigung und Gericht. Die Zeugin hatte Enno Springmann auf die Möglichkeit hingewiesen, in der Universität nach den Leistungen des Enkels zu fragen. Ob das beim Telefonat zum 90. Geburtstag oder zum 91. war, hatten Prozessbeteiligte unterschiedlich gehört. Als der Vorsitzende bei einer Nachfrage einen Widerspruch aufzeigen wollte, beschwerte sich die Verteidigung über die Unterbrechung. Ein Wort gab das andere, die Verteidiger erhoben sich, verlangten eine Unterbrechung „für einen unaufschiebbaren Antrag“. Der Vorsitzende ordnete eine Pause an. Danach hatten sich die Gemüter etwas beruhigt, die Frage wurde geklärt: Beim ersten Telefonat hatte die Zeugin den Hinweis gegeben, beim zweiten hatten sie darüber nicht mehr gesprochen. „Das kann man auch als Desinteresse an dem Thema interpretieren“, so Verteidiger Rüdiger Deckers.

Die Zeugin war nicht als solche vorgesehen. Sie beobachtete einige Prozesstage, schrieb sogar eine Mail an Verteidiger Klaus Bernsmann, widersprach dessen Vorwurf, Enno Springmann habe kein Rückgrat gehabt. Als sie sich an einem der vorigen Verhandlungstage mit der Assistentin des Psychiatrischen Gutachteres im Zuschauerraum unterhielt, wies diese ihren Chef auf ihr Wissen hin. So wurde die Dame als Zeugin benannt.