Engels darf nicht der Größte sein

Engels darf nicht der Größte sein

Eine Wuppertaler Delegation nimmt an der Eröffnung des Karl-Marx-Jahres in Trier teil. Es könnte Inspirationen für das Engelsjahr liefern.

Am 4. Mai wird das Karl-Marx-Jahr in der Trierer Konstantin-Basilika mit einem Festakt eröffnet. Neben dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer werden Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke und Lars Bluma, Leiter des Historischen Zentrums, Anfang Mai in die Geburtsstadt von Karl Marx reisen.

Die kleine Wuppertaler Delegation will sich ein Bild davon machen, wie Trier das Jubiläumsjahr organisiert und feiert. Unter anderem ist ein Gespräch zwischen Mucke und Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe geplant. Aus Wuppertaler Sicht ist es ein wichtiger Erfahrungsaustausch, denn 2020 steht der Stadt mit dem Engels-Jahr zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels eine vergleichbare Aufgabe bevor.

Der Festakt am 4. Mai ist Auftakt für rund 600 Veranstaltungen im Karl-Marx-Jahr. Am 5. Mai jährt sich der 200. Geburtstag des Philosophen und Denkers, in dessen Leben und Werk es vielfältige Verbindungen zu seinem Freund und Verleger Friedrich Engels gab. Am 5. Mai wird eine 4,40 Meter hohe Statue enthüllt, die mehr als einen Kopf größer ist als die 3,85 Meter hohe Engels-Statue im Engelsgarten. Beide Statuten sind Geschenke der Volksrepublik China. Inklusive des Unterbaus wird der Trierer Marx 5,50 Meter groß sein, wobei der chinesische Künstler Weishan Wu Wert drauf gelegt haben soll, dass sein Karl Marx den Wuppertaler Friedrich Engels überragt. Dessen Bronzestatue schuf der chinesischen Bildhauer Zeng Chenggang.

Eine Nummer kleiner als der Geburtstag von Karl Marx in Trier dürfte der Geburtstag von Friedrich Engels in zwei Jahren in Wuppertal ausfallen. Karl Marx überstrahlt seinen Weggefährten Friedrich Engels und polarisiert noch heute wie kaum ein anderer. In Zeiten der Globalisierung und des Turbo-Kapitalismus hat sein Hauptwerk „Das Kapital“ zudem für viele Menschen wieder an Aktualität gewonnen.

Wie der Geburtstag von Karl Marx vermarktet wird, ruft aber auch Kritiker auf den Plan, die die Sorge umtreibt, dass der Rauschebart auf seine alten Tage noch zum Opfer des Kapitalismus werden könnte. Die Stadt Trier ist jedenfalls fest entschlossen, das Jubiläumsjahr zu einem lohnenden Ereignis für die Region zu machen.

Etwa fünf Millionen Euro kostet die Marx-Ausstellung im Landesmuseum, die vom Land Rheinland-Pfalz mit 750 000 Euro, der Stadt Trier mit 250 000 Euro und dem Bund mit 1,5 Millionen Euro sowie über Sponsoren und Eintrittsgelder (2,5 Millionen Euro) finanziert wird. Die Schau soll Touristen aus dem In- und Ausland an die Mosel locken. Außerdem wollen die Trierer mit Souvenirs Kasse machen. Ein Null-Euro-Schein mit Marx-Porträt kostet drei Euro. Marx gibt es als Kaffeetasse, als Ampelmännchen und selbst als Plastik-Ente ist er käuflich zu erwerben.

„Friedrich Engels ist keine lahme Ente, bei uns schwimmen Quietsche-Entchen nur in der Wupper“, sagt Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke. Kommerz werde im Engels-Jahr nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr soll der 200. Geburtstag des Sohnes eines Barmer Fabrikanten den Blick auf Themen wie die Früh-Industriealisierung im Tal der Wupper, den Strukturwandel oder die Transformationsstadt Wuppertal lenken.

„Artikel mit dem Engels-Porträt haben wir schon lange im Angebot, bis zum Engels-Jahr werden einige hinzu kommen. Dabei werden wir aber sicherlich unsere Qualitätsstandards nicht aufgeben“, verspricht Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing. Als Witzfigur eigne sich der berühmte Sohn der Stadt nicht, meinen beide.

Lohnende Einnahmen aus dem Verkauf von Engels-Andenken werden die Organisatoren allerdings nicht ablehnen, denn auf Millionenzuschüsse wie die Trierer dürfen die Wuppertaler (noch) nicht hoffen. Bisher gibt es keinen gesicherten Etat für das Jubiläumsjahr. Oberbürgermeister Andreas Mucke will in dieser Woche Kontakt zum Kulturausschuss des Bundestags aufnehmen, dem der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) als stellvertretender Vorsitzender angehört.

Mehr von Westdeutsche Zeitung