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Stadtgeschichte: Engels, Bayer und Co. auf dem Werth

Stadtgeschichte : Engels, Bayer und Co. auf dem Werth

Figuren aus der Stadtgeschichte erzählten auf dem Weihnachtsmarkt aus ihrem Leben.

Helmut Klamra vom gegenüber liegenden Briefmarkenstand staunte nicht schlecht, als am Mittwochabend eine Gruppe von historischen, höchst ehrenwerten Herren vor dem „Kirchenbüdchen” auf dem Barmer Weihnachtsmarkt auftauchte. Den einstigen Oberbürgermeister von Barmen, Herrn Geheimrat Wilhelm August Bredt, bewunderte man da im eleganten Gehrock. Und Friedrich Bayer, den Gründer der Bayer-Werke stand da mit respekteinflößendem Zylinder zum noblen Gewand. Friedrich Engels mit Rauschebart schien ebenso von den Toten auferstanden zu sein wie Adolph Kolping, der „Vater“ der Handwerksgesellen, und sein katholischer Amtsbruder Peter Meisner, jeweils in schwarzer Soutane und dem Birett auf den edlen Häuptern. Während der ehemalige Sekretär der katholischen Arbeitervereine, Bernhard Letterhaus (er warnte schon weit vor der Machtergreifung mit deutlicher Sprache vor den Gefahren des Nationalsozialismus), ebenso unscheinbar daherkam wie eine der größten deutschen Dichterinnen, Else Lasker-Schüler.

Die historischen Figuren
waren beliebtes Foto-Motiv

Ein attraktiver Blickfang und ein begehrtes Foto-Objekt, wie die Ansammlung bedeutender Persönlichkeiten der Stadtgeschichte da würdig über den Weihnachtsmarkt schritten, hinauf zur Bühne, wo Weihnachtsmann Paul Decker Hof hielt und über den hohen Besuch sichtlich erfreut war.

Schon vorher hatten die prägenden Figuren im Tal der Wupper freundlich Fragen zu ihrer Vita beantwortet. So erfuhr man, dass Dechant und Pfarrer Peter Meisner im 19. Jahrhundert rund 40 Jahre nicht nur in seiner Gemeinde St. Antonius gewirkt hatte. „Als er begann, gab es in Barmen 4000 Katholiken, als er 1896 in den Ruhestand ging, waren es 20 000“, berichtet seine „Verkörperung“ Werner Zimmermann. „Der riesige Zuwachs ist allerdings mit dem damaligen starken Zuzug in die Industriestadt Barmen zu erklären.“ Peter Meisner gilt übrigens als der Gründer des Petrus-Krankenhauses und als ein Mensch, der stets versuchte, Menschen in Not zu helfen. „Schade, dass nichts mehr in dieser Stadt an diesen großartigen Mann erinnert.”

Aspirin gegen die Schmerzen durch die Engels-Theorien

Original Paul Decker erzählte im Beisein von Friedrich Engels (Geigenbaumeister und CDU-Ratsherr Erhard Buntrock) und Friedrich Bayer (Andreas Romano vom Lotsenpunkt der Gemeinde St. Antonius) die Anekdote des einstigen Bürgermeisters Kurt Drees. „Friedrich Bayer hat das Aspirin erfunden, damit man die Kopfschmerzen lindern konnte, die Friedrich Engels den Menschen mit seinen Lehren bereitet hat.“

Von Wilhelm August Bredt, mit Bravour und Grandezza verkörpert von Bernhard Lamprecht, erfuhr man, dass dessen Amtszeit von 1855 bis 1879 fast ein Vierteljahrhundert gedauert hat, und dass Adolph Kolping (auferstanden als Lothar Dröse, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie) in seinen Anfangsjahren als Geistlicher Kaplan in Elberfeld war.

Alles in allem eine prächtige Idee, ausgehend vom Vorsitzenden der Bredt-Gesellschaft, Bernhard Lamprecht, und der ISG Barmen-Werth, die politisch, kulturell und religiös hervorragenden Persönlichkeiten über den Weihnachtsmarkt bummeln und schließlich vom schmiedeeisernen Balkon der Gesellschaft huldvoll auf die Barmer herabwinken zu lassen. Ein (wieder) lebendiges Stück Stadtgeschichte.