Stadtbienen: Emsige Sparkassen-Bienen trotzen der Kälte

Stadtbienen : Emsige Sparkassen-Bienen trotzen der Kälte

Zwei Völker summen auf dem Dach des Geld-Instituts - auch im Winter.

Seit Mai 2018 leben zwei Bienenvölker in sogenannten „Beuten“, den Bienenstöcken, auf dem Terrassendach der Sparkasse Elberfeld. Um dem Bienensterben etwas entgegenzusetzen, hatte die Sparkasse sie angesiedelt. Wie diese Bienen ihren ersten Winter über der Stadt überstehen können, weiß Andreas Reisinger. Der Hobby-Imker und Sparkassenmitarbeiter ist verantwortlich für die Fluginsekten.

„Grundsätzlich wird der Imker im Winter nicht so sehr gefordert“, sagt Reisinger. Längst haben dabei die langlebigen Winterbienen den Platz der kurzlebigen Sommerbienen eingenommen.

Die Winterbienen haben
ihre Sommerkollegen abgelöst

Sommerbienen schlüpfen im Frühjahr und Spätsommer und leben zwischen drei und fünf Wochen. Sie bringen und lagern Pollen und Nektar im Bienenstock ein. Die jetzt geschlüpften Winterbienen sammeln zwar auch noch, aber ihre Hauptaufgabe ist es, das Volk über den Winter zu bringen.

„Und dafür fressen sie sich ein Polster durch die fett- und eiweißreichen Pollen an“, sagt Reisinger. „Dadurch können sie auch acht bis zehn Monate überleben“, sagt er. Die Nahrung hat folglich einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensspanne. Und gibt den Winterbienen auch Kraft für ihre überlebenswichtige Wärmeproduktion.

„Auf der einen Seite schließen sich Bienen bei Kälte zu Wintertrauben zusammen“, sagt Reisinger. Je kälter es ist, desto enger rücken die Bienen um die Königin in der Mitte zusammen. „Das allein würde aber nicht zur Wärmeproduktion ausreichen, wenn die Bienen nicht auch gleichzeitig Abwärme durch Zittern ihrer Flügelmuskulatur erzeugen würden.“ Auf diese Weise kann es bei minus 20 Grad draußen im Inneren der Traube noch 20 Grad warm sein. Winterschlaf halten die Bienen also nicht.

Brutfrei sind die Bienenvölker auf dem Dach nach Andreas Reisingers Schätzung ab Dezember. Dann muss er sie noch einmal gegen die Varroamilbe behandeln. „Gegen die hat leider noch keine Biene ein Abwehrmittel gefunden“, sagt er.

Die Milbe ist ein Bienenparasit und entwickelt und vermehrt sich in der Brut in den Bienenstöcken. Eine Behandlung mit Oxalsäure hält die Milbe dabei in Schach. Auf die Bienen ist der Einfluss scheinbar gering, und bei der späteren Honigernte ist er nicht mehr feststellbar.

„Leider würden Bienenvölker ohne diese Imkerbehandlung tatsächlich durch die Varroamilbe sterben“, sagt Reisinger. Er kann aus Erfahrung sprechen, hat er doch zu Hause selbst 14 Bienenvölker. Und das seit mittlerweile acht Jahren. „Auslöser war, dass ich mich gefragt habe, wie ich selbst etwas für die Natur tun kann“, sagt er. Der Natur, genauer gesagt, den Bienen scheint es gut zu gehen. Reisinger kontrolliert sie regelmäßig. Ab Februar erwartet er dann das „Frühlingserwachen“ der Sparkassen-Bienen. Noch mehr „Beuten“ in Elberfeld sind zunächst nicht geplant. Zwei weitere Völker gibt es aber noch bei der Sparkasse Langerfeld.

Mehr von Westdeutsche Zeitung