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Döppersberg: Empfangsgebäude: Bahn will Käufer im Sommer bestimmen

Döppersberg : Empfangsgebäude: Bahn will Käufer im Sommer bestimmen

In der Auswahljury sitzt auch die Stadt. Oberbürgermeister Andreas Mucke spricht sich gegen weitere Billigläden aus.

Die Deutsche Bahn will noch im Sommer dieses Jahres einen Käufer für das historische Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs und die zwei Nebengebäude gefunden haben. Derzeit sei man mit mehreren Investoren in Gesprächen, teilte die Bahn auf Anfrage mit. „In Absprache mit der Stadt gab es eine Vorauswahl an Investoren“, sagt Bahnsprecher Stefan Deffner. Wenn im Sommer der Käufer ausgewählt wird, darf die Stadt mitreden. Sie hat einen Sitz in der Auswahljury.

Oberbürgermeister Andreas Mucke: „Wir brauchen eine Lösung, die zum historischen Gebäude passt. Keine Billig-Bäckerei.“ Auf keinen Fall solle der Döppersberg mit weiteren Discount-Geschäften bestückt werden. Mucke zeigt sich enttäuscht darüber, dass diese auf der Geschäftsbrücke ihren Einzug gefunden haben. Aber hat die Stadt ein Veto-Recht? Mucke formuliert es so: „Das Gebäude gehört der Bahn, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie keine Rücksicht auf unsere Belange nimmt. Das ist unser Döppersberg.“ Nach vorläufigen Berechnungen hat der Umbaus des Döppersbergs 153,5 Millionen Euro gekostet, davon erhielt die Stadt Zuschüsse in Höhe von 65 Millionen Euro. 26 Millionen Euro hat die Stadt aus eigener Kasse allein für die Bahnhofs-Mall verbaut.

Mucke stellt sich im Erdgeschoss des stark sanierungsbedürftigen Empfangsgebäudes eine Nutzung vor, die den oberen Platz belebt und Tag und Nacht eine soziale Kontrolle gewährleistet. „Ich wünsche mir Gastronomie an dieser Stelle. Und damit meine ich kein Schnellrestaurant.“ Vorstellbar sei ein hochwertiges Café. Der Platz gewinne auch deswegen an Wichtigkeit, weil die Stadt die ehemalige Bahndirektion als drittes Rathaus nutzen will und ab Ende 2022 mehr Publikumsverkehr vor Ort zu erwarten ist.

IG1-Sprecher Matthias Zenker wünscht sich in dem historischen Bahngebäude erst einmal eine gute Anlaufstelle mit Informationen für die Fahrgäste. Zudem müsse eine neue Nutzung Aufenthaltsqualität schaffen. Ein Mehr an Gastronomie sehe er kritisch: „Da gibt es doch rund um den Bahnhof schon genug.“

Laut Bahn gibt es
Interessenten mit lokalem Bezug

Die Zukunft des Bahngebäudes steht und fällt mit den Plänen des Geldgebers. Unter den Interessenten für den Kauf sollen sich laut Bahn „Investoren mit lokalem Bezug“ befinden. Die WZ fragte bei der Unternehmensgruppe Clees nach, der bereits die das ehemalige Gebäude der Bundesbahndirektion gehört. Sprecher Marc Weisener teilte allerdings mit, dass man zu möglichen Plänen in Zusammenhang mit dem Empfangsgebäude derzeit keine Stellungnahme abgeben möchte.

Laut Bahn haben die Interessenten „allesamt vielfältige Erfahrungen mit denkmalgeschützten Gebäuden“. Das Investorenauswahlverfahren liegt in den Händen der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW (BEG), die jedoch zu dem laufenden Verfahren keine Auskunft gibt.

Das Bahnhofs-Empfangsgebäude hat die Rundumerneuerung am Döppersberg bisher nicht mitgemacht. Im Juli 2018 einigte sich Andreas Mucke mit der Deutschen Bahn AG, darauf, dass letztere einen Investor für den Bahnhof sucht oder das Gebäude saniert, falls die Suche scheitert.

Dazu schloss der Oberbürgermeister mit Ronald Pofalla, im Vorstand der Bahn zuständig für die Infrastruktur einen sogenannten Letter of Intent - eine Absichtserklärung - ab. Zeitweise ruhte das Verfahren, weil unklar war, ob eine mögliche Talstation der Seilbahn in die Pläne eingeflochten werden musste. Nachdem aber nach der Bürgerbefragung die Seilbahn-Pläne der Wuppertaler Stadtwerke beerdigt wurden, liefen die Gespräche weiter. Der Verwaltungschef lobt in diesem Zusammenhang die Bahn: „In dieser Frage hat sie Wort gehalten.“

Das 1849 fertiggestellte Empfangsgebäude ist einer der ältesten Großstadt-Bahnhöfe Deutschlands. Die Gesamtfläche beträgt 1650 Quadratmeter - ohne Dachgeschoss und Keller. Derzeit befinden sich in den Gebäuden unter anderem das Fundbüro der Bahn, der Versteigerungsraum, einige Bahn-Büros, die Bundespolizei und die Bahnhofsmission.

Das Innere des Gebäudes ist stark sanierungsbedürftig und kann auch aufgrund der aktuellen Raumaufteilung mit dem äußeren Erscheinungsbild nicht mithalten. Auf einen späteren Investor wartet viel Arbeit, denn das Gebäude müsste entkernt werden.