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Eltern melden ihre Kinder von der Realschule Boltenheide ab

Eltern melden ihre Kinder von der Realschule Boltenheide ab

Die Privatschule sieht sich bedroht. Sie wird mit der Gülen-Bewegung in Verbindung gebracht.

Wuppertal. Es ist alles andere als ein normaler Start in den Schulbeginn. An der privaten Realschule Boltenheide in Vohwinkel herrscht derzeit eine gedrückte Stimmung. Ein Großteil der Schüler ist türkischstämmig, es gibt Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund. Der Trägerverein aus Solingen wird mit der islamischen Bewegung um Fethullah Gülen in Verbindung gebracht. Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei sind Institutionen, die mit dem geistlichen Führer sympathisieren, Repressalien ausgesetzt.

Auch in Deutschland gibt es Anfeindungen, die meist von Anhängern der türkischen Erdogan-Regierung ausgehen. Die Realschule Boltenheide ist vom Konflikt offenbar ebenfalls betroffen. „Es gibt unter anderem Drohungen und Schmähbriefe gegen unser Kollegium“, berichtet Schulleiterin Inge Sassin. Die Situation mache allen schwer zu schaffen. Bisher seien schon 25 der insgesamt 200 Schüler abgemeldet worden. „Die Eltern haben Angst um ihre Kinder“, erklärt Sassin.

Sie kann diese negative Entwicklung nicht nachvollziehen. „Wir sind nicht politisch und machen Unterricht wie jede andere Schule auch“, betont die Schulleiterin. Die Lehrpläne würden den staatlichen Vorgaben entsprechen. „Der Schulträger steht den Ideen von Gülen zwar nahe, aber nur insofern, dass Bildung für junge Menschen wichtig ist“, erklärt Inge Sassin. Bei den Inhalten des Unterrichts spiele die Lehre des Predigers keine Rolle. „Es gibt bisher bei uns noch nicht einmal das Fach Islamkunde“, betont Sassin.

Der größte Teil des Kollegiums bestehe aus deutschen Lehrern. Gesprochen werde ebenfalls ausschließlich Deutsch. „Da ist es doch ein Unding, dass wir so angefeindet werden“, betont die Schulleiterin. Die Realschule hat sich mittlerweile an die Polizei gewandt und befürchtet Übergriffe. „Wir fahren dort regelmäßig Streife und haben ein Auge darauf“, sagt Polizeisprecherin Anja Meis. Der Wuppertaler Stadtverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft verurteilt die Einschüchterungsversuch. „So darf nicht mit Bildungseinrichtungen umgegangen werden“, sagt Helga Krüger vom Leitungsteam. Zur Schule selbst möchte sie sich nicht äußern. „Wir sehen Privatschulen aber grundsätzlich kritisch“, sagt Krüger. Das Schulwesen müsse eine öffentliche Aufgabe bleiben. Schuldezernent Stefan Kühn (SPD) ist beunruhigt. „Wir sehen das natürlich mit großer Sorge“, sagt er. Zuständig sei die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung. Die Bezirksregierung Düsseldorf verweist hingegen darauf, dass sie keine Rechtsaufsicht, sondern ‚nur’ eine Fachaufsicht führe.