Aktion: Else Lasker-Schülers Kindheit als Comic

Aktion : Else Lasker-Schülers Kindheit als Comic

Jugendliche probierten sich in der Zentralbibliothek in der Kunst des Manga-Zeichnens.

Im dritten Stock der Stadtbibliothek hört man leises Murmeln und raschelndes Papier. 16 Jugendliche sitzen zusammen an Tischen, konzentriert in ihre Arbeit vertieft. Vorlagen von skizzierten Händen, Füßen, Köpfen und Körpern bringen die Nachwuchs-Zeichner Schritt für Schritt selber aufs Papier, alle im Stil des japanischen Comics „Manga“.

Ein Manga-Camp stellt dieses Jahr in der ersten Sommerferienwoche das Highlight der Sommeraktion „4Teens“ in der städtischen Zentralbibliothek dar. Dabei wird Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein vielfältiges Programm zum Ausprobieren und selbst kreativ werden geboten.

Das fünftägige Manga-Camp ist das Ergebnis einer Kooperation der Stadt Wuppertal mit der Stadt Solingen und der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Das Thema „Else Lasker-Schülers Kindheit“ soll der jungen Generation in einem zeitgemäßen Rahmen nähergebracht werden. Die Jugendlichen erfahren dabei zunächst mehr über die Person Lasker-Schülers und können dann ihr Wissen bei einem Manga einsetzen.

Für den geschichtlichen Hintergrund wurde am Montag die Autorin Ulla Schenkel eingeladen, die in ihrem Kinderbilderbuch „Elsken“ ausdrucksvoll in das Thema einleitete. „Else war ziemlich cool für ihre Zeit. Ziemlich ausgeflippt und mutig.“ fasst Maybritt (10) die 5 Kurzgeschichten zusammen, die den Teilnehmern als Anregung dienen soll.

Die zeichnerischen Grundlagen für das Projekt erklärt die Künstlerin und Workshopleiterin Maya Wendler (25) mit handgezeichneten Vorlagen. Die freiberufliche Illustratorin arbeitet für die Mangaschule Düsseldorf und studiert selbst Kunst und Deutsch auf Lehramt. „Es gibt immer Berührungspunkte in Kunst und Literatur. Comics sind nicht aus dem Nichts entstanden, oft handelt es sich um eine Umsetzung von Literatur und Geschichte in Bilder“, erklärt sie die ordinäre Verbindung von Geschichte und Mangas. Bevor sie von der Gesellschaft angefragt wurde, habe sie Else Lasker-Schüler nicht gekannt. „Das ist sehr schade, da neben Kunst und Literatur besonders ihr Leben sehr interessant gewesen ist.“ Auch Isabella (13) und Joanna (14) wussten beide vor dem Projekt nichts von der gebürtigen Elberfelderin. „Es ist gut, dass das Thema nicht so trocken erklärt wird, sondern mit etwas verbunden wird, was wir gerne machen“ Beide zeichnen und lesen Mangas in ihrer Freizeit.

Das Ziel sei gewesen die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, indem man die Jugend mit den populären Mangas anspricht, bestätigt Koordinatorin Carolina Jung. Der Schirmherr Hajo Jahn, Vorsitzender dieser Gesellschaft, hatte das Projekt vor zwei Jahren mit eben diesem Ziel in die Wege geleitet. Dieses Jahr wird es nun im Rahmen des Programms der 150-Jahrfeier „Meinwärts“ zu Ehren der deutsch-jüdischen Künstlerin und Dichterin umgesetzt. Und das mehr als erfolgreich – das Interesse sei rege gewesen, die Gruppengröße viel zu klein für die Anzahl der Anmeldungen, so Jung.

Von Dienstag bis Freitag steht nun die Ausarbeitung der Mangas im Vordergrund. Mit Storyboard und Grafiktablet dürfen sich die Jugendlichen in der professionellen Gestaltung ausprobieren. Die Kunst ist dabei, die Kurzgeschichten aus dem Bilderbuch in die Form des Mangas zu überführen.

Am Freitag, 19. Juli, sollen die Ergebnisse in Form von einseitigen Comics in der Bibliothek ausgestellt werden. Danach werden sie nach Solingen verschickt, wo im August ebenfalls ein Manga-Camp unter der Leitung von Wendler stattfindet. Im Herbst wird das Gesamtkunstwerk beider Städte dann zum Abschluss des Projekts erneut in der Wuppertal Zentralbibliothek präsentiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung