Einzelhandelsflächen gibt es im Überfluss

Einzelhandelsflächen gibt es im Überfluss

Leerstehende Geschäfte gehören zum Straßenbild. Der Handel im Zentrum ist auf dem Rückzug.

Zentrum. „30 Prozent der bestehenden Einzelhandelsflächen hierzulande sind nicht mehr erforderlich.“, sagt Marco Trienes, der bei der Wirtschaftsförderung Wuppertal für den Einzelhandel, Büroimmobilien und die Stadtentwicklung verantwortlich ist. Eine pessimistische Einschätzung? Wohl eher eine realistische, denn Ralf Engel, Geschäftsführer des Rheinischen Einzelhandelsverbandes in Wuppertal, beantwortet eine Frage der WZ zu Leerständen in der Elberfelder City mit dem gleichen Hinweis. „In Deutschland gibt es eindeutig zuviel Verkaufsfläche pro Kopf. Da liegen wir an zweiter Stelle in Europa“, sagt Ralf Engel.

Foto: Anna Schwartz/Stefan Fries

Es gebe vielfältige Gründe für leerstehende Geschäfte in der Fußgängerzone — auch in diesem Punkt sind sich die Experten einig. Ende November 2017 hat die Wirtschaftsförderung eine eigene Erfassung von Leerständen im Zentralen Versorgungsbereich Elberfeld vorgenommen und den Rahmen von der Hofaue bis zum Luisenviertel recht weit gesteckt. „Wir sind auf 49 Leerstände gestoßen. Wir beobachten aber, dass sich in einigen dieser Leerstände schon wieder neue Nutzungen ergeben haben“, sagt Marco Trienes. Die Shopping Center und der Bereich Döppersberg wurden dabei nicht einmal erfasst. „Insgesamt sehen wir nicht, dass der Einzelhandelsleerstand ein strukturelles Problem ist. Oft handelt es sich um Kleinst- und Kleinflächen, es gibt keine starken räumlichen Konzentrationen, abgesehen von der Sondersituation Rathaus Galerie. Oft sind die Flächen schnell wieder vermietet“, so Marco Trienes. Bei der Rathaus-Galerie hofft Trienes auf eine positive Entwicklung unter der neuen Geschäftsführung. Eine Chance sieht er darin, die Rathaus-Galerie stärker als bisher als Versorgungszentrum für den Elberfelder Norden zu sehen.

Die Umwandlung von Einzelhandelsflächen in gastronomische Flächen biete ebenfalls Chancen — so zum Beispiel im Bereich von Herzogstraße und Kasinokreisel. Dieses Schema lasse sich aber nicht auf den gesamten Innenbereich übertragen. „Diversität ist unser Ziel“, so der Wirtschaftsförderer. Zustimmung gibt es auch dafür vom Einzelhandelsverband, wobei Ralf Engel die Ausgangssituation skeptischer sieht. „Die ungeklärte Situation des Factory Outlet Centers in der Bahndirektion erschwert die Entwicklung und Neuansiedlung von Einzelhandel“, sagt Engel. So lange nicht bekannt sei, welche Geschäfte im FOC angesiedelt würden“, wirke sich das negativ auf die Entwicklung aus.

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