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Wuppertal: Einwohnermeldeamt: „Das ging ungewöhnlich schnell“

Wuppertal : Einwohnermeldeamt: „Das ging ungewöhnlich schnell“

Seit Montag werden Anliegen nur noch mit Termin bearbeitet — die Wartezeiten sollen dadurch sinken. Das neu eingeführte Computersystem, das die Vergabe regelt, führt zu Kritik.

„Was wollen sie machen?“, fragt ein Mitarbeiter der Stadt einen Mann, der vor einem der beiden Terminmarkendruckern im Erdgeschoss des Einwohnermeldeamts steht. Obaidullah Saied will den Kinderausweis seines Sohnes verlängern. Der Mitarbeiter führt Saied durch das Programm, das sich per Touchpad bedienen lässt.

Nachdem er sein Anliegen angeklickt hat, fragt der Automat einzeln ab, ob Saied alle erforderlichen Dokumente dabei hat. Ihm fehlt die Geburtsurkunde. Also zieht er einen Termin am späten Vormittag und holt derweil das fehlende Dokument.

So wie Saied geht es an dem ersten Tag vielen Menschen, die das neu gestaltete Einwohnermeldeamt am Steinweg 20 aufsuchen. Sie brauchen Hilfe bei der Bedienung des Terminmarkendruckers. Vor allem Menschen, die kein oder wenig Deutsch sprechen sind auf Hilfe der Mitarbeiter angewiesen.

Denn ohne Termin geht seit Montag nichts mehr: Anmeldungen, Ummeldungen oder Führungszeugnisse werden nur noch mit Termin bearbeitet. Online können Termine über das Internet vier Wochen im Voraus gebucht werden. Über das Service-Center kann man sie telefonisch vereinbaren. „Aber auch wer ohne Termin ins Einwohnermeldeamt kommt, bekommt am Terminmarkendrucker einen tagesaktuellen Termin“, sagt Yvonne Hartmann, Leiterin des Einwohnermeldeamtes.

Von dem neuen Terminvergabesystem verspricht sich Hartmann ein besseres Miteinander. „Wenn sie stundenlang warten müssen, ist es etwas anderes, als wenn sie direkt dran kommen“, sagt die Leiterin des Einwohnermeledeamtes. Zur Zeit gebe es viele freie Termine. Die heiße Phase beginne etwa drei Wochen vor den Sommerferien, wenn viele Menschen gleichzeitig einen Personalausweis oder Reisepass beantragten.

Jellena Matic hat mit ihrer Tochter am Montag15 Minuten warten müssen, um ein Führungszeugnis zu beantragen. „Das ging ungewöhnlich schnell. Da muss man nicht mehr einen ganzen Tag Urlaub nehmen“, sagt die Frau, die vor vier Wochen sie drei Stunden gewartet hat, um einen Personalausweis zu beantragen.

Im Zuge der Umstellung hat die Stadtverwaltung neun neue Serviceplätze eingerichtet und die Öffnungszeiten verlängert. „Wir haben 12 Stunden länger geöffnet“, sagt Hartmann. Das Einwohnermeldeamt öffnet seit Montag ab 7 Uhr. Dienstag und Donnerstags ist das Amt jeweils bis 18 Uhr geöffnet.

„Wir üben noch“, sagt Hartmann. Dabei sei es eine Herausforderung, das Amt auf zwei Etagen zu organisieren. Das merkt auch Zdenka Horvarth. Sie will eine Terminmarke ziehen. Ihr Ausweis liegt zur Abholung bereit. Doch am Automaten im Erdgeschoss hat sie kein Glück. „Furchtbar“ findet sie das neue System. Aber schon nach kurzer Zeit klärt sich alles auf: um ihren Ausweis abzuholen, muss sie eine Marke im ersten Stock ziehen. „Ich glaube, beim zweiten Mal ist es leichter“, lautet ihr Fazit.