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Einigkeit an der Uni: Der Streik ist berechtigt

Einigkeit an der Uni: Der Streik ist berechtigt

Seit zwei Wochen besetzen Studenten den Hörsaal 21 der Bergischen Universität – die Unterstützung der Kommilitonen haben sie.

Wuppertal. Kira ist 21 Jahre alt und studiert Germanistik und Biologie an der Bergischen Universität. Wie unterschiedlich die Bedingungen eines Studiums in Wuppertal sein können, erfährt sie täglich: "Wenn ich Biologie habe, sehe ich, wohin unsere Studiengebühren fließen." Denkt sie an ihr Germanistikstudium, plagen sie dagegen große Sorgen. Alte Hörsäle in Germanistik, moderne Labore in Biologie, überfüllte Seminare in Germanistik, kleine Lerngruppen in Biologie - die Bedingungen in den beiden Fächern könnten kaum unterschiedlicher sein.

Deshalb unterstützt Kira auch den Bildungsstreik und die Besetzung des Hörsaals 21. Zum selber streiken hat sie allerdings keine Zeit, zu sehr nimmt sie ihr Studium in Anspruch. "Aber ich habe den Besetzern etwas zu Essen vorbei gebracht, um meine Solidarität auszudrücken", beschreibt die 21-Jährige ihren Beitrag zum Streik.

Auch aus anderen Fachbereichen der Universität bekommt die hauptsächlich aus Geisteswissenschaftlern bestehende Besetzergruppe Unterstützung: "Auch wenn ich im Maschinenbau von den Thema der Streikenden nicht betroffen bin, finde ich es gut, dass die Germanisten sich Gehör verschaffen", sagt Philipp. Der 23-Jährige profitiert von den guten Studienbedingungen durch die sehr kleine Studierendenzahlen im Maschinenbau.

Über die Solidaritätsbekundungen der Kommilitonen freuen sich die Besetzer im Hörsaal 21 natürlich. Trotzdem bleiben sie eine verschwindend geringe Minderheit, die wirklich aktiv ist. "Deshalb haben wir uns für eine kooperative Besetzung entschieden", sagt Philipp von den Besetzern.

Kooperative Besetzung bedeutet, dass die Besetzer eigenständig dafür sorgen, dass die im Hörsaal 21 geplanten Veranstaltungen woanders stattfinden können. "Wir protestieren für mehr und bessere Bildung, da können wir ja keine Bildungsveranstaltungen verhindern", begründet der 24-jährige Malte den Kompromiss.

Eine Lösung, die nicht alle Kommilitonen nachvollziehen können: "Entweder ganz oder gar nicht. So erreicht man gar nichts", findet Maschinenbaustudent Tobias.

Vereinzelte Kritik gibt es auch von anderen Studenten. Johannes studiert Druck- und Medientechnik, er kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Ich habe das Gefühl, da wird um des Protestierens Willen protestiert", sagt der 25-Jährige. Sein Kommilitone Philipp stimmt ihm zu: "Das ganze hat eher Eventcharakter."

Von dieser Kritik lassen sich die Streikenden nicht beirren. Sie wollen weiter machen, bis ihr Protest Erfolg hat - oder die Uni schließt. Informatikstudent und Besetzer Malte: "An Heiligabend gehen hier die Lichter aus. Dann gehen wir freiwillig."