Theater: Eine Würstchenbude im Höhenflug

Theater : Eine Würstchenbude im Höhenflug

Der Unterbarmer Laienspielkreis Ulk bringt „Kaviar trifft Currywurst“ auf die Bühne am Röttgen.

Im Gemeindezentrum Röttgen gehen die Proben von Ulk auf die Zielgerade. „Kaviar trifft Currywurst“ heißt die Komödie von Winnie Abel. Die Bühne hat sich in den Schankraum der Kneipe „Zum warmen Würstchen“ verwandelt. „Wir spielen jetzt durch“, sagt Spielleiter Holger Heinzelmann. „Mit vollem Kostüm und allen Requisiten.“ Zu denen übrigens eine echte Zapfanlage gehört. „Mit Bierfass dran. Aber alles alkoholfrei.“ Also los! Erna Wutschke (Petra Adolphs) an der Zapfanlage, an den Gläsern der schweigsame Heinrich (Frank Adolphs), Uwe (Norbert Behr) im Bademantel - ein kurzer Gruß an Dittsche. Und Sandy (Stefanie Symanski), ihre pinke Metallic-Leggings und die silbernen Pailletten-Sneakers sind echter Augenpfeffer. Scheinbar ein Tag wie jeder andere. Aber dann schenkt das Schicksal Erna einen ein, an dem sie sich fast verschluckt: Cousin Harry (Jörg Klinkhammer) sagt sich an. Der ist stinkreich und hat Geld im „Würstchen“ stecken. Er glaubt allerdings, Erna sei in der gehobenen Gastronomie unterwegs. Erna kriegt Panik.

Aber Erna und ihre Stammgäste nehmen die Herausforderung an. „Du bist doch die Mutter Theresia der Kneipenszene“, sagt Sandy. Mit einer Energie, dass den Herren Rach oder Rosin die Spucke wegbleiben würde, geht man ans Werk. Sie haben nur eine Nacht Zeit. Und das „Würstchen“ wird zum „Gurmäh-Tempel Röttgen“. Laken und Schärpen verdecken die alten Möbel. „Das hab’ ich so im Fernsehen gesehen“, sagt Sandy, „das sieht voll reich aus, ey.“ Und auf der Tafel steht nicht mehr „Grünkohl mit Knackwurst, 5,50 Euro“, sondern „Lachs im Teichmantel, 39,50 Euro“. Es werden noch schnell ein paar Benimmregeln gegoogelt, ein Probelauf, der Cousin kann kommen. Der „Verkehrsschild“-Aufkleber „Highheels verboten“ ist dem Umbau zum Opfer gefallen. Sandy gibt einen reichen Gast - und versucht, mit Stöckelschuhen statt Sneakers klarzukommen. Ernas Flamme Gerd (Peter Schneider) gibt den Service im Edellokal.

Na, da hat sich die Würstchen-Truppe aber was eingebrockt. Tapfer trotzt sie Cousin, dem Bürgermeister (Björn Franzen) und seiner Mutter (Christa Becker), sowie der Konkurrenz aus „Wilmas Weinschlösschen“, deren Betreiberin Dominique Foltin spielt. Wilma geht so weit, Kakerlaken bei Erna auszusetzen. Die lässt nichts anbrennen und tritt die Flucht nach vorne an. Kakerlaken? Von wegen. Ein neuer Gastrotrend aus Südostasien! Insekten-Food mit fremdländischem Namen. Todesmutig schiebt sie Harry eine in den Mund. Und der kaut. Schluckt. Nickt. „Eigenartig. Aber nicht schlecht.“ Puh.

Ein Stück mit
schlagfertigen Dialogen

Das hat alle Zutaten zu einem köstlichen Theaterabend. Schlagfertig geht es bei den Dialogen hin und her. „Sie sehen aus wie eine Hungersnot“, sagt Erna zu Harrys Begleitung Jennifer (Linda van Hasselt). „Und Sie wie der Grund dazu“, kommt der schnelle Konter. Ach ja, und dann kommt noch die Testesserin vom Magazin „Der Feinschmecker“ ins Spiel (Heike Erdmann). Wo wird das alles enden?

Die beiden Regisseure Tanja Pupeter und Werner Lindenbeck greifen bei diesem Durchlauf nicht mehr ein. Das geht schon ziemlich glatt.

In der Pause zwischen zweitem und drittem Akt wird noch einiges besprochen. Der einzige Bühnenumbau dauert dann nur noch gestoppte zwei Zehntel Sekunden länger als geplant. Nicht schlecht. Vielleicht noch eine winzige Prise hier, ein paar Tropfen dort, und für den Crunch, den nötigen Biss, ist auch gesorgt. Dieser Gruß aus der „Theaterküche“ verspricht viel.

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