Eine poetische Vision von Wuppertal

Eine poetische Vision von Wuppertal

Eine Ausstellung in Brüssel zeigt die Stadt aus der Sicht von vier jungen Belgiern - als Beispiel für eine unbekannte, aber interessante Stadt.

Über den Erfolg ihrer Ausstellung freuen sich die Macher von „Brik“: Die vier Freunde aus Brüssel zeigen noch bis Sonntag in der Belgischen Hauptstadt Bilder, Filme, Interviews und Fundstücke aus Wuppertal - als Beispiel für eine nicht besonders berühmte, aber interessante Stadt.

Foto: Guido Mengelberg

Christoph Grafe, Architektur-Professor

Die vier sind überzeugt, dass es sich lohnt, sich mit Städten zu beschäftigen, die nicht zur ersten Riege der Tourismusziele gehören. „Brik“ nennen sie ihr Projekt, weil sie hinter Mauern schauen wollen. Als erstes Beispiel wählten sie Wuppertal und beschäftigten sich mehrere Monate intensiv mit der Stadt.

Mehrfach reisten sie ins Bergische Land, luden Wuppertaler zu Workshops, sammelten Äußerungen der Bewohner zu ihrer Stadt, ließen wichtige Punkte auf Karten eintragen, und führten ein Interview mit Architektur-Professor Christoph Grafe. Das Material stellten sie zu einer Ausstellung zusammen, die derzeit im Kulturzentrum „Brass“ in Brüssel zu sehen ist. Da steht unter anderem der Pinguin zu den Städtepartnerschaften aus dem Rathaus, ein Vorwerk-Staubsauger, zu sehen sind viele Fotos und Ausschnitte aus Filmen, in denen Wuppertal eine Rolle spielt.

„Es geht einerseits darum, wie die Einwohner selbst Wuppertal sehen, andererseits allgemein um das Thema unbekannte Städte“, erklärt Antoine Bazantay, einer der Ausstellungsmacher. Dazu gibt es Workshops und Stadtrundgänge in Brüssel zu Deindustrialisierung und bürgerschaftlichem Engagement- Themen, die Brüssel und Wuppertal verbinden. Zu trinken gibt es Bier aus Utopiastadt.

Zur Eröffnung am vergangenen Samstag kamen rund 150 Besucher. Darunter auch Guido Mengelberg von den Wuppertaler Grünen, der unter anderem geholfen hat, Kontakte in Wuppertal zu finden. Er hat sich die Ausstellung angesehen und ist beeindruckt: „Das ist ein total alternativer Ansatz, aber sehr professionell.“ Auch Architektur-Professor Christoph Grafe lobt: „Eine sehr schöne, interessante Ausstellung. Wir müssen überlegen, ob Teile davon auch in Wuppertal zu sehen sein können.“

„Ich denke, es war wirklich ein Erfolg“, zog Antoine Bazantay eine erste Bilanz. „Wir haben viele Komplimente erhalten.“ Beliebt waren unter anderem die interaktiven Ausstellungsstücke, in denen die Besucher zum Beispiel Aufkleber auf Karten verteilen konnten. „Und natürlich war der Pinguin der eigentliche Star!“

Ihm selbst gefällt, dass die Ausstellung wie ein Reisetagebuch konzipiert ist und dadurch mehr über die subjektiven Eindrücke gesprochen werde als über die Stadt selbst. „Ich hoffe, es ist uns gelungen, eine poetische Vision unseres Besuchs in Wuppertal zu geben. Wir lieben Städte, wir lieben es, uns an unbekannten Orten zu verlieren.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung