Wuppertal: Eine Krefelderin entdeckt Wuppertal

Wuppertal : Eine Krefelderin entdeckt Wuppertal

Nordbahntrasse, Schwebebahn und vieles mehr — Die Krefelderin Eveline Dohmann (48) erkundet Wuppertal mit den Augen einer Touristin. Da gibt es viel zu bestaunen.

Wuppertal. Wuppertal ist für Eveline Dohmann ein unbeschriebenes Blatt. Unbeschrieben und uninteressant. Die 48-Jährige sagt es ganz unverblümt: „Ich muss gestehen, ich dachte immer, dass Wuppertal so eine Stadt ist, die man nicht unbedingt gesehen haben muss.“ Dohmann ist die perfekte Kandidatin für einen Tagesausflug durchs Tal. Die WZ nahm die Krefelderin einen Tag an die Hand und zeigte ihr, was die Stadt so alles zu bieten hat.

Foto: Anna Schwartz

Das Kennenlernen beginnt auf einem Parkplatz an der Nordbahntrasse. Auf ihrer kurzen Fahrt durch ein Barmen unter grauen Wolken, sieht sich die Wuppertal-Touristin erst einmal in ihren Vorurteilen bestätigt. „So habe ich mir das vorgestellt. Hier gibt es ja so einige Bauten, die nicht so schön sind“, sagt Dohmann. Doch allzu viel konnte sich die Krefelderin gar nicht auf die Barmer Häuserfassaden konzentrieren, schließlich musste sie sich bei der Anfahrt erst einmal an die — für eine Autofahrerin vom Niederrhein — fremde Topographie gewöhnen. „Mein Auto musste hier ja gerade richtige Berge erklimmen“, sagt die Auswärtige.

Der Weg, der jetzt vor ihr liegt, ist jedoch ziemlich ebenerdig. Dohmann betritt die ihr völlig unbekannte Nordbahntrasse. Als sie die ersten Radler, Skater und Fußgänger sieht und versteht, dass sie gerade auf einer ehemaligen Bahnstrecke wandert, wächst die Begeisterung in ihr. „Das ist ja echt eine schöne Idee“, sagt Dohmann und versetzt die Trasse in Gedanken bereits in ihre Heimat. „Das wäre toll, ich habe mir immer schon so eine Strecke am Rhein gewünscht.“

Die ganze Schönheit der Trasse zeigt sich nach wenigen Metern, als Dohmann plötzlich auf dem 35 Meter hohen Viadukt über die Steinstraße steht. „Wow“, sagt sie und lässt den Blick über das Tal schweigen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Stadt so grün ist“, sagt sie und wird zum ersten Mal so richtig neugierig auf ihren Trip. Auf dem weiteren Weg über die Trasse bemerkt die Touristin noch, dass es richtig klasse wäre, wenn es an einem ehemaligen Bahnhof auch noch einen Biergarten... „Ach, das gibt es schon? Klasse.“

Die Stadt hat Dohmanns Aufmerksamkeit geweckt. Jetzt will sie’s wissen: Liegt Wuppertals Innenstadt in Barmen? Welche Stadtteile gibt es noch? Wie viele Einwohner hat Wuppertal? Welche Prominenten kommen von hier? Einer fällt ihr selbst ein: „Johannes Rau. Der war hier doch sogar Bürgermeister, oder?“ Nach langem Überlegen fällt ihr noch ein Kind des Tals ein: „Pina Bausch.“ Wobei dieses moderne Tanztheater nicht so ihres sei.

Die größte Berühmtheit Wuppertals ist natürlich auch Eveline Dohmann bekannt: die Schwebebahn. Voller Vorfreude spaziert sie auf die nächste Station zu. „Das ist für mich jetzt eine Attraktion wie eine Achterbahn“, sagt sie, als sie die Holztreppen der alten Station hochsteigt. Am Bahnsteig schaut sie fasziniert: „Das ist ja wirklich wie im Freizeitpark. Wo ist die Schlange?“ Mittlerweile kommt so richtiges Städtetrip-Feeling auf. Gerade weil die Schwebebahn so etwas Besonderes ist. „Ich habe fast das Gefühl, ich wäre in einem fremden Land“, sagt Dohmann.

Nur eine Minute dann schwebt schon eine blaue Bahn der neuen Generation ein. Ein wenig enttäuscht guckt die 48-Jährige schon, hatte sie doch mit einem orange-blauen Waggon gerechnet. So einer lässt sich erst auf dem Rückweg sehen. Aber jetzt wird genommen, was vor die Füße schwebt. Also steigt die Krefelderin ein — und läuft gegen eine Wand aus Menschen. Die Bahn ist proppevoll, ans Sitzen ist nicht zu denken. Verwundert schaut Dohmann auf die schweigenden und starrenden Menschen, von denen viele Stöpsel in den Ohren haben und Musik hören. „Klar, die sind so gelangweilt, weil die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind“, sagt die Krefelderin, die gar nicht richtig fassen kann, dass die Schwebebahn für die Wuppertaler eben keine Achterbahn ist, sondern ein alltägliches Verkehrsmittel. Während sie gebannt aus dem Fenster schaut, schlägt sie vor: „Ein Glasboden wäre doch schön.“ Viel zu schnell ist die Fahrt vorbei und die Türen öffnen sich. Hauptbahnhof. Eveline Dohmann ist in der Innenstadt angekommen. Beschwingt verlässt sie den Bahnhof und steht bald vor Wuppertals neuem Zentrum.

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