Eine Kirche gegen das Vergessen: Wuppertaler helfen beim Bau

Eine Kirche gegen das Vergessen: Wuppertaler helfen beim Bau

Mit Hilfe aus Wuppertal wird in Weißrussland ein Gotteshaus wieder aufgebaut, in dem deutsche Soldaten im Jahr 1942 mehr als 300 Menschen töteten.

Wuppertal/Tonezsch. Angesichts der Geschichte ist an Wiedergutmachung kaum zu denken. Aber an ein Zeichen. Und genau das wurde mit Wuppertaler Unterstützung jetzt gesetzt: Im weißrussischen Dorf Tonezsch hat sich die Tschernobylhilfe am Wiederaufbau einer Kirche beteiligt, in der sich im Zweiten Weltkrieg bis heute Unfassbares ereignet hat.

Es war am 7. Januar 1942, am orthodoxen Weihnachtsabend, als deutsche Soldaten auf der Suche nach Partisanen etwa 300 Menschen aus Tonezsch in die Dorfkirche trieben, diese dann anzündeten und niederbrennen ließen. Unter den Toten: 120 Kinder. Nur eine Frau überlebte damals. „Ich war wie vom Donner gerührt, als wir diese Geschichte zum ersten Mal hörten“, sagt Angela Dicke, seit mehr als 20 Jahren Organisatorin der Hilfstransporte nach Weißrussland. Seit nunmehr drei Jahren steuern die Wuppertaler Lastwagen mit Sachspenden auch Tonezsch an.

In einer gesonderten Spendensammlung der Wuppertaler Tschernobylhilfe kamen 1500 Euro zusammen, mit denen der Wiederaufbau der Dorfkirche mitfinanziert wurde. Bezahlt wurde die Fertigung der abgerundeten Türen und Fenster und des Fußbodens, mit einer Bestellung der Bauelemente in Minsk. Ende des Jahres soll in der neuen Dorfkirche mit Glockenturm, an deren Standort immer an den Jahrestag des Feuers erinnert wird, die erste Messe gefeiert werden.

So liegt hinter dem ehrenamtlichen Team der Wuppertaler Hilfe für Kinder von Tschernobyl abermals ein bewegender Hilfstransport nach Weißrussland. Sieben Helferinnen und Helfer waren diesmal an Bord der vier Lastwagen — diese waren randvoll mit Sachspenden aus dem Bergischen Land. Angesteuert wurden unter anderem Heime, Krankenhäuser, Kindergärten, Praxen und Schulen, um sie auch mit Möbeln, Kleidung und Hygieneartikeln zu beliefern.

Eine komplette Klinik-Ausstattung war ebenso an Bord der Lkw wie Nachschub für die drei Nähschulen, die seit vielen Jahren und mit großem Erfolg unterstützt werden. Ausgeliefert wurden ebenfalls insgesamt 500 Lebensmittelpakete, die Familien in Not helfen. Eine Aktion, an der sich nach dem Aufruf im Frühjahr auch wieder viele WZ-Leser beteiligt haben. „Wir können uns nur bei allen Spendern bedanken“, sagt Dicke.

Und nach dem Transport ist vor dem Transport: „Wir haben jetzt schon die ersten Paletten für den nächsten Konvoi in unserer Halle stehen“, erläutert Angela Dicke. Am 2. Juni wird aber erst einmal die nächste Feriengruppe aus Weißrussland bei den Wuppertaler Gasteltern erwartet.

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