Wuppertaler Bürgervereine: „Eine Gesellschaft ohne Engagement wäre kalt“

Wuppertaler Bürgervereine : „Eine Gesellschaft ohne Engagement wäre kalt“

Gastbeitrag Am 23. Mai 1957 gründeten die Vorstände von 24 Bürger-, Bezirks-und Heimatvereinen den ersten Stadtverband in Wuppertal.

Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Am 23. Mai 1957 gründeten die Vorstände von 24 Bürger-, Bezirks- und Heimatvereinen den ersten Stadtverband in Wuppertal. Der ausschlaggebende Punkt für diese Gründung war die durch die Politik gewollte Stärkung der Bezirksvertretungen zu Lasten der Bürgervereine. Die jeweiligen Vorsitzenden dieses Stadtverbandes waren Dr. Wilhelm Klugmann, Dr. Friedrich Hagemeyer, Lutz Röder, Ludwig Graf von Armansperg, Hugo Hauschild und 30 Jahre lang Prof. Dr. Wolfgang Baumann, dem ich folgen durfte.

Heute sind 30 Bürger- und Bezirksvereine Mitglied im Stadtverband. Diese große Zahl ist nur erklärbar aus der Entstehungsgeschichte der Stadt Wuppertal, die mit rund 360 000 Einwohnerinnen und Einwohnern die siebzehntgrößte Stadt der Bundesrepublik Deutschland ist und die siebtgrößte Nordrhein-Westfalens. Wuppertal ist das Ergebnis einer Verschmelzung aus ehemals selbstständigen Städten, Gemeinden und Ortsteilen mit den Oberzentren Elberfeld und Barmen und zahlreichen stadtteilorientierten Unterzentren. Diese heterogene Zusammensetzung Wuppertals hat nicht nur ein unterschiedliches Traditionsbewusstsein, sondern auch differente menschliche und städtebauliche Wesensmerkmale der jeweiligen Stadtteile begründet. Wuppertal war und ist Schmelztiegel zwischen rheinischer und westfälischer Mentalität. Und genau diesen Pluralismus spiegeln unsere Wuppertaler Bürgervereine wider.

Und was sind nun die Aufgaben des Stadtverbandes der Bürger- und Bezirksvereine? Der Stadtverband ist eine Interessengemeinschaft und ein freiwilliger Zusammenschluss der Wuppertaler Bürgervereine. Er ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Als reine Dachorganisation lässt der Stadtverband die Eigenständigkeit seiner Mitgliedsvereine unberührt. Der Stadtverband hat sich zur Klammer und zum notwendigen Hilfsorgan aller Wuppertaler Bürgervereine entwickelt. Die Mitglieder bilden ein Kommunikationsforum zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen den Vorständen der Bürgervereine.

Der Stadtverband verfolgt als wichtige Aufgabe das Ziel, das Ansehen der Wuppertaler Bürgervereine im politischem und gesellschaftlichem Raum zu mehren. Er stärkt durch das gemeinsame Auftreten im Verband die Wahrnehmung und Anerkennung aller Bürgervereine bei den Bürgern und bei öffentlichen Institutionen. Damit hat der Stadtverband mit seinen 30 Bürgervereinen, die berechtigte Stadtteilinteressen wahrnehmen, zur Förderung der Wuppertal-Identität beigetragen.

Zum 40-jährigen Jubiläum des Stadtverbandes 1997 wurde erstmals die „Goldene Schwebebahn“ verliehen. Bisherige Träger dieses Ehrenzeichens sind: Dr. h.c.mult. Johannes Rau, Dr. Dr.h.c. Jörg Mittelsten Scheid, Dr. Horst Jordan, Prof. Dr. Dr.h.c. Volker Ronge, Prof.Dr.h.c. Pina Bausch, Dr. Wilfried Penner, Prof.Dres.h.c.mult. Anthony Douglas Cragg, Dr. Ulrike Schrader, Prof.Dr. Dr.h.c. Lambert T. Koch, Prof.Dr.h.c. Ernst-Andreas Ziegler, Dr. Gerhard Finckh.

Zu den Sitzungen des Stadtverbandes werden immer wieder Referenten eingeladen, die Fragen der Bürgervereine beantworten und somit eine wertvolle Hilfe für die Mitglieder sind. Auch werden quartiersübergreifende Projekte unterstützt, die unser Wuppertal nach vorne bringen und die Lebensqualität verbessern. Die Nordbahntrasse und die Junior Uni seien nur beispielhaft erwähnt.

Derzeit unterstützt der Stadtverband die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2031 und hofft, dass der Rat der Stadt Wuppertal spätestens im Frühjahr 2020 entsprechende Beschlüsse fassen wird.

Auch fordert der Stadtverband seit Jahren die Einrichtung eines Altschuldenfonds für überschuldete Gemeinden und die bedarfsgerechte Ausstattung aller Gemeinden mit den notwendigen Finanzmitteln. Die derzeitige strukturelle Unterfinanzierung der Gemeinden betrachtet der Stadtverband als Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Recht der kommunalen Selbstverwaltung.

Wenn sich die Stadt auch derzeit in einer Konsolidierungsphase der Finanzen befindet, so muss zwingend die Phase der Stabilisierung folgen, damit nach einer Entschuldung die Zukunftsfähigkeit wiederhergestellt ist.

Der Stadtverband ist vertreten im Beirat für Bürgerbeteiligung und hat ein Vorschlagsrecht bei der Verleihung des WupperTalers.

Lassen Sie mich abschließend erwähnen, dass die vielfältigen Aktivitäten der Bürgervereine in verschiedenen Bereichen zum Wohle der Bürger unserer Stadt beitragen. Sich begeistern, sich einsetzen, für eine Sache brennen, das ist Ehrenamt. Ohne den freiwilligen Einsatz vieler Menschen wäre Deutschland ein bedauernswertes, ja ein farbloses Land. Denn eine Gesellschaft ohne freiwilliges Engagement wäre kalt, langweilig und egoistisch.

Das bürgerschaftliche Engagement bringt innere Zufriedenheit und ein tiefverwurzeltes Wohlbehagen. Soziales Engagement gibt Ausgleich, Sinn und Halt und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Und diese ehrenamtlichen Aktivitäten seiner Mitglieder wird der Stadtverband der Bürger- und Bezirksvereine Wuppertal e.V. weiterhin fördern und unterstützen.