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"Eine ehrliche Stadt" - der neue Stadtdechant Kurth entdeckt Wuppertal

"Eine ehrliche Stadt" - der neue Stadtdechant Kurth entdeckt Wuppertal

Interview: Am Donnerstag kommt Kardinal Meisner, um den Stadtdechanten einzuführen. Die WZ sprach mit Neu-Wuppertaler Bruno Kurth.

Wuppertal. Herr Kurth, Sie sind seit September 2007 in Wuppertal und wurden am 15. Februar zum Stadtdechanten ernannt. Was schätzen Sie besonders an Wuppertal?

Kurth: Ich finde, die Stadt hat ihren Reiz mit schönen Ecken und Vierteln. Es ist wunderschön, direkt an der Laurentiuskirche zu wohnen. Auch das Lichterfest am Ostersbaum hat mir sehr gut gefallen. Wuppertal ist eine Stadt mit reicher Industrievergangenheit und -gegenwart. Aber: Die Stadt verbirgt auch nicht ihre soziale Problematik. Der Vergleich hinkt zwar etwas, aber mein erster Eindruck ist: Wuppertal ist eine ehrliche Stadt.

Als Katholik lebt man hier wie in einer Diaspora. Wie fühlen Sie sich?

Kurth: Das ist eine Herausforderung. Mit der evangelischen Kirche habe ich schon viele gute Begegnungen gehabt und gemerkt, dass hier ein sehr gutes ökumenisches Klima herrscht. Das ist mit der Verdienst meines Vorgängers Herrn Heidkamp und von Superintendent Rekowski. Ich hoffe, dass ich das fortsetzen und vertiefen kann. Ich hatte auch schon erste Kontakte zu Mitgliedern von Freikirchen. Ich erinnere mich an eine junge Frau, die konvertieren wollte. Sie musste einen langen Rock tragen und der Kontakt zu ihrem Freund wurde kritisch beäugt.

In welchem Bereich funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit denn besonders gut?

Kurth: Hier läuft vieles sehr gut. Die Telefonseelsorge in Wuppertal ist ein gelungenes ökumenisches Projekt oder die Hospizstiftung. Da spielt die Konfession keine Rolle, sondern es geht darum, dass geholfen wird.

Sie haben in Bonn als Hochschulpfarrer gearbeitet. Wird die Arbeit mit jungen Menschen Ihr Schwerpunkt sein?

Kurth: In Bonn habe ich überwiegend mit Studenten und jüngeren Menschen gearbeitet. Hier in den Gemeinden ist die Altersgruppe der 20 bis 40-Jährigen nicht so stark vertreten. In meinem ersten Jahr in Wuppertal genieße ich die Vielfalt von Alter und Lebenssituationen. Ich habe festgestellt, dass sich viele Menschen in der Stadt - auch jüngere - für Religion interessieren, das merke ich an Einzelkontakten. Es gibt zunehmend das Phänomen von Erwachsenen, die nach Kommunion oder Erwachsenentaufe und nach dem Glauben fragen. Das ist neu und eine schöne Herausforderung für uns. Wir müssen lernen, sie als Chance zu nutzen.

Wie reagiert die katholische Kirche auf schrumpfende Mitgliederzahlen?

Kurth: Ich kann - zumindest für meine Gemeinde - nicht sagen, dass die Zahl der Gemeindemitglieder zurückgeht. Aber: Glaube geschieht nicht mehr von selbst, ist nichts Selbstverständliches mehr. Was die Glaubensverkündigung angeht, müssen wir deshalb missionarischer vorgehen.

Was bedeutet das? Das Wort hat einen leicht negativen Beigeschmack.

Kurth: Ich muss deshalb keine aggressive Missionarstheorie verfolgen. Es geht darum, die Menschen in der Gemeinde offener, kontaktfreudiger zu empfangen. In Bonn haben wir an der Uni Plakate aufgehängt, plakativ gefragt "Noch nicht getauft?", "Schon gefirmt?" - daraufhin haben sich einige Leute bei uns gemeldet. Konkret für Wuppertal haben wir da noch nichts geplant.

Wird es in der Zukunft weitere Schließungen von Kindergärten oder Zusammenlegungen von Gemeinden geben?

Kurth: Hier müssen wir zwei Prozesse unterscheiden: In den vergangenen Jahren haben sich die katholischen Pfarrverbände mit Sparmaßnahmen auseinandergesetzt, um den Haushalt der Kirche zu sichern. Dabei mussten auch Kindergarten-Gruppen geschlossen und Versammlungsräume aufgegeben werden. Jetzt steht eine Reform der Pfarreistrukturen an: So werden in Barmen in diesem Jahr zwei Seelsorgebereiche zu einem zusammengeschlossen, Barmen Nord-Hatzfeld mit Oberbarmen. In Zukunft werden wir sieben katholische Seelsorgebereiche haben mit je einem leitenden Pfarrer. Zusätzlich müssen sich innerhalb eines Seelsorgebereiches die Pfarreien über die Form des Miteinanders entscheiden: Bilden sie eine Pfarreiengemeinschaft oder schließen sie sich zu einer Pfarrgemeinde zusammen, als Art Fusion. Das hält in Atem.

Stehen weitere Einsparungen an?

Kurth: Nein, für die nächsten Jahre nicht.

Die Laiengremien fürchten, dass sie durch die Strukturreform ihren Einfluss verlieren?

Kurth: Die Aufgabe, Ehrenamtliche zu motivieren, haben wir mit alten wie mit neuen Strukturen. Ich möchte diese Debatte etwas versachlichen. Wenn sich Ehrenamtliche engagieren, haben sie Einfluss - egal in welchen Strukturen.

Was ist Ihre Aufgabe?

Kurth: Zu repräsentieren, der Kirche in der Stadt ein Gesicht zu geben. Ich werde in dieser Funktion durch Gespräche im Hintergrund manches bewirken können. Meine Aufgabe ist auch, Fragen und Probleme, die Wuppertal beschäftigen, dem Bischof zu vermitteln.

Kommt da nicht die Seelsorge zu kurz?

Kurth: Das ist eine berechtigte Frage. Ich nehme auf alle Fälle weiter die Seelsorgeaufgabe wahr. Am heutigen Tag überwiegt zum Beispiel die Seelsorge. Natürlich kann ich nicht überall gleichzeitig sein. Als Dechant bekomme ich aber für die Arbeit in der Gemeinde Unterstützung.

Leben Der 45-Jährige Bruno Kurth wurde in Siegburg geboren. Nach dem Studium der katholischen Theologie und Philosophie in Bonn und Würzburg, wurde er 1989 in Köln zum Priester geweiht. 1998 promovierte er über das ethische Denken Romano Guardinis.

Stationen Kurth war Kaplan in Neuss und Subsidiar in Bonn. Bis 2007 arbeitete er als Hochschulpfarrer in Bonn. Seit September 2007 ist er Pfarrer im Pfarrverband Elberfeld-Mitte.

Termin Am 10. April, 19 Uhr, wird Kurth als Stadtdechant in einem Pontifikalamt von Joachim Kardinal Meisner in St. Antonius eingeführt.