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Einbrecher sind nicht zu fassen

Einbrecher sind nicht zu fassen

Auch in Wuppertal steigt die Zahl der Einbrüche dramatisch. Die Aufklärungsquote ist gering, die Polizei überfordert.

Wuppertal. Sieben Tatorte musste die Polizei am Dienstag sichten, drei waren es am Mittwoch und vier am Donnerstag. In mehreren weiteren Fällen blieb es beim Versuch, Türen oder Fenster aufzubrechen. Einbrüche in Wohn- und Geschäftshäuser gehören zum Alltag der Beamten. Mit einer Brechstange hebeln die Täter Fenster und Türen auf, suchen nach Schmuck, Laptops und Bargeld. Sie verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.

Die Zahl der Taten ist im vergangenen Jahr in Wuppertal um 52,3 Prozent auf 1182 Fälle gestiegen. „Das liest sich dramatisch und das ist es auch, da gibt es wenig schön zu reden“, sagt Polizeisprecher Stefan Weiand. Er fügt jedoch hinzu, dass es 2014 auch besonders wenige Einbrüche gegeben habe. Mit dieser negativen Statistik ist Wuppertal kein Sonderfall. In fast allen NRW-Großstädten haben die Täter sich im vergangenen Jahr vermehrt bedient. Bochum verzeichnete bei 361 000 Einwohnern 3210 Delikte (plus 39,4 Prozent); in Essen stieg die Quote um 24 Prozent, in Dortmund um 16,5 Prozent.

Seine verkehrsgünstige Lage und die dichte Besiedelung machen Wuppertal besonders für organisierte Gruppen attraktiv. „Sie sind auf eine gute Autobahnanbindung angewiesen und finden hier kurze Wege“, sagt Weiand. Seine Kollegen nehmen häufig vergeblich die Verfolgung auf. Die Aufklärungsrate von Einbruchsdelikten liegt bei gerade einmal 12,35 Prozent. „Wir arbeiten intensiv daran, doch die Täter sind sehr professionell und hinterlassen kaum Spuren.“ Die Strukturen hinter den Tätern seien daher nur sehr schwierig zu erfassen.

Organisierte Banden aus Südosteuropa mieteten häufig Wohnungen unter falschem Namen an, die Täter bekämen immer andere Fahrzeuge und verschwänden nach kurzer Zeit wieder. „Das ist für uns sehr schwer zu verfolgen“, sagt Weiand. Einige Einbrüche fielen aber auch unter Beschaffungskriminalität von Drogensüchtigen. Am Tatort haben die Diebe besonders kleine, leichte Gegenstände mit hohem Wert im Visier. „Dazu gehören Schmuck, Unterhaltungselektronik und Geld — alles, was sich leicht transportieren lässt.“

Die Polizei setzt bei der Verfolgung der Täter auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. „Wir hoffen auf Hinweise aus der Nachbarschaft, wenn jemand verdächtige Fahrzeuge oder Personen beobachtet oder etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Wir möchten die Bürger sensibilisieren“, sagt Weiand. Er rät Haus- und Wohnungsbesitzern, ihre vier Wände zu sichern und sich bei der Polizei über Maßnahmen beraten zu lassen.

Denn ein Einbruch richtet nicht nur materiellen Schaden an, er hinterlässt auch Spuren auf der Seele. „Viele Betroffene haben anschließend Angst, ihre Wohnung wieder zu betreten. Sie fühlen sich dort nicht mehr sicher“, sagt Haldis Hünting-Kiefer vom Weißen Ring Wuppertal. Den drastischen Eingriff in die Privatsphäre können viele nur sehr mühsam zu verarbeiten. Schlafstörungen, Alpträume oder Angstzustände sind häufige Folgen. „Wir raten daher, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, und vermitteln auch Kontakte zu Psychotherapeuten.“

Jedes Opfer kann sich an den Weißen Ring wenden. „Einigen Betroffenen hilft es schon, sich bei uns beraten zu lassen“, sagt Hünting-Kiefer. Bei finanzieller Bedürftigkeit unterstützt die Organisation sie bei der Reparatur beschädigter Türen und Fenster oder mit einem Anwalt, sofern die Täter gefasst wurden.

Den materiellen Schaden regeln Betroffene mit ihrer Hausratversicherung. „Sie ersetzt zum Beispiel bei einem Laptop den Wiederbeschaffungswert und übernimmt auch das aufgehebelte Fenster oder die beschädigte Tür“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungs-Expertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Diese Schäden sollten die Bewohner so schnell beseitigen, um eine Folgetat zu verhindern.

Bei der Aufstellung der entwendeten oder beschädigten Werte, können sie sich dagegen etwas Zeit lassen. „Diese sogenannte Stehlgutliste geht an die Polizei und den Versicherer. Der schickt manchmal einen Gutachter, um die Plausibilität zu prüfen“, sagt Elke Weidenbach. Sie rät, regelmäßig alle Wertgegenstände in der Wohnung, aber auch den Inhalt von Kleider- oder Geschirrschränken zu fotografieren und die Datei bei Familienmitgliedern oder Freunden zu deponieren. „Das hilft, um später nachvollziehen zu können, was vorher da war.“