Ein Wuppertaler Weltmarktführer wird 110 Jahre alt

Wirtschaft : Ein Weltmarktführer wird 110 Jahre alt

Thielenhaus Technologies sind Experten auf dem Gebiet der Präzision.

. Bei dem Unternehmen Thielenhaus Technologies geht es in der Produktion um Genauigkeiten, die die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft herausfordern. Ein Zehntausendstel Millimeter - das ist ein 50stel des menschlichen Haares - kann darüber entscheiden, ob ein hochwertiges Werkstück den Anforderungen entspricht, nachbearbeitet oder gar eingestampft werden muss. Höchste Präzision und Belastbarkeit, geringste Reibung und Laufgeräusche sowie eine lange Lebensdauer sowie größtmögliche Energie- und Rohstoffeffizienz sind vor allem in der Automobil- und Wälzlagerindustrie, aber auch in der Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt gefragt. Ein prägnantes Beispiel sind künstliche Hüftgelenke, bei denen es neben absoluter Passgenauigkeit auf die Haltbarkeit ankommt, die Patienten zusätzliche Operationen ersparen hilft. Die Entwicklung des Microfinish-Verfahrens hat Thielenhaus Technologies zu einem Weltmarktführer auf diesem Gebiet gemacht. Auf diese Marktführerposition ist man stolz an der Schwesterstraße, wo das Unternehmen am 1. Mai seinen 110. Gründungstag feiert. Stolz ist man aber ganz besonders auch auf die rund 420 Patente, die Thielenhaus inzwischen angemeldet hat. Weitere sollen folgen, denn die Maschinen, die an der Schwesterstraße gebaut oder dort für Auftragsarbeiten genutzt werden, sind in der Regel Unikate, an denen unter anderem von einer sechsköpfigen Entwicklungsabteilung ständig weiter getüftelt wird.

Ursprünglich war Thielenhaus Zulieferer für die Textilindustrie

Seit 1964 hat das Unternehmen, das 1909 als Zulieferer für die Textilindustrie gegründet wurde, seinen Hauptsitz an der Schwesterstraße. Die Thielenhaus Technologies Gruppe beschäftigt weltweit rund 300 Mitarbeiter an acht Standorten in sechs Ländern. Die Geschicke des Familienunternehmens werden in dritter Generation von den Brüdern Peter Thielenhaus als Geschäftsführer und Dietrich W. Thielenhaus als Beiratsvorsitzenden gelenkt. Mit Maya Thielenhaus hat inzwischen die vierte Generation operative Verantwortung als Projekt-Managerin übernommen.

„Die Digitalisierung ist ein laufender Prozess, auf den wir in unterschiedlichster Form reagieren“, sagt Maya Thielenhaus. So auch im Kundenservice, dessen wachsende Bedeutung auf den internationalen Märkten sie hervorhebt. „Rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche ist eine Hotline geschaltet, über die Service-Ingenieure direkt vom Werk aus Störfälle beheben können“, sagt Torsten Brandt, Leiter Service & Werkzeugvertrieb. Wo es in der Herstellung um minimale Toleranzen geht, spielt natürlich auch der Einsatz spezieller Werkzeuge und Öle bei der Pflege der Maschinen zur Oberflächenfeinstbearbeitung eine entscheidende Rolle. Improvisationskünste werksfremder Techniker bei der Wartung oder Reparatur von High-Tech-Maschinen wie dem MicroStar sind daher keine Lösung.

An der Schwesterstraße werden nicht nur die Maschinen für spezielle Formen des Microfinishing hergestellt, sondern sie werden dort auch eingesetzt, um Lohnaufträge zu erfüllen. Das ist in der Regel erforderlich, wenn sich die Anschaffung einer Maschine aus Wuppertal aufgrund der erwarteten Stückzahlen (noch) nicht für den Kunden rentiert, oder wenn er das Produkt der Wuppertaler und das Verfahren erst einmal in der Praxis testen will. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren sind zwei Unternehmensstandorte in den USA entstanden. 2008 kamen Fertigungsstätten in China für den asiatischen Markt und 2011 ein Werk in der Schweiz sowie Niederlassungen in Indien und Brasilien hinzu. 2016 wurde im süddeutschen Triberg die Thielenhaus Automotive Innovation gegründet.

2018 wurde Thielenhaus Technologies von der Universität St. Gallen in den Index als Weltmarktführer aufgenommen. Auch in der Zukunft wird das Familienunternehmen auf Präzision und gute Ideen setzen. „Der Erfolg steht und fällt mit unseren hochqualifizierten Mitarbeitern. Wer Interesse hat, kann sich bei uns melden, Feinmechaniker werden bei uns immer gesucht“, sagt Maya Thielenhaus, die das Erbe ihres Urgroßvaters angetreten hat.

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