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Ein Wuppertaler Bürgerverein saniert den „Pilz“ einfach selbst

Engagement : Bürgerverein Herbringhausen saniert den „Pilz“ einfach selbst

50 Jahre hat sich an der Sitzgelegenheit im Marscheider Wald nichts getan, jetzt krempelten engagierte Bürger die Ärmel hoch.

Er bot nach 50 Jahren ein trauriges Bild, der Pilz, den der Revierförster im Marscheider Wald 1970 aufstellen ließ, damit müde Wanderer sich dort niederlassen, ihre Beine ausstrecken und sich eine Stärkung einverleiben konnten, bevor es mit frischer Energie weiter ging.

„Der Pilz hatte inzwischen eine Schräglage eingenommen, der Stamm war verfault, das Dach war hin, und die Eichensparren hatten sich gelöst“, beschreibt Frank Rützenhoff, 2. Vorsitzender des Bürgervereins Herbringhausen, den jammervollen Anblick. Ein Zustand, mit dem man sich in Herbringhausen und Wefelpütt nicht abfinden wollte. „Wir wollen unter dem Pilz gern mal wieder ein zünftiges Pils trinken“, sagten sich die Vereinsmitglieder, die auch gleich auf Sponsoren- und Spendersuche gingen, denn die Gesamtkosten für die Restaurierung wurden auf 3900 Euro taxiert.

Vor einem Jahr bereits
einen Antrag eingereicht

 Nachher: Jetzt kann sich der Unterstand wieder sehen lassen. Geld dafür kam auch aus dem Programm „Heimat-Scheck“.
Nachher: Jetzt kann sich der Unterstand wieder sehen lassen. Geld dafür kam auch aus dem Programm „Heimat-Scheck“. Foto: Ritzenhoff

Doch bevor man im öffentlichen Raum etwas auf eigene Kosten, wohlgemerkt, verbessern will, sind nicht nur helfende Hände, sondern vor allem Beharrlichkeit beim Stellen von Anträgen und Ausfüllen von Formularen erforderlich. „Von wegen: einfach zupacken. Wir mussten vor rund einem Jahr erst einen Antrag auf einen Gestattungsvertrag einreichen“, berichtet Andreas Zawierucha, der Vorsitzende des Bürgervereins.

Doch dann ging es endlich los: In ehrenamtlicher Arbeit wurden nicht nur die maroden Schindeln auf den Dachbalken entfernt, sondern auch ein Kran bestellt, der den verfaulten Stamm aus dem Erdreich heraus hievte. Das verrottete Stück wurde abgesägt und durch eine feuerverzinkte Stahlkonstruktion ersetzt, die in ein 1,40 Meter tiefes Betonfundament eingelassen wurde.

Für das achteckige Dach wurden in Süddeutschland Eichenholzschindeln, wie beispielsweise im Allgäu beim Hausbau üblich, bestellt und auf die neue Dachverschalung aufgebracht. „Dachpappe ist im Wald verboten“, erklärt Frank Rützenhoff, und: „Das waren Materialkosten von 2300 Euro.“

Bürger unterstützten
die Helfer mit Glühwein

Die ehrenamtlichen Arbeiten der fleißigen Helfer wurden von den Bürgerinnen und Bürgern in Herbringhausen und Wefelpütt mit tätigem Wohlwollen begleitet. „Die kamen dann zum Pilz und brachten beispielweise Glühwein und sonstige Erfrischungen mit“, lobt Rützenhoff die Anteilnahme im Dorf, wo man natürlich mit Freude zur Kenntnis nahm, dass aus der Ruine wieder ein stattlicher Rastplatz entstand.

Die cleveren Herbringhauser nutzten zudem ihre Kenntnisse in Heimatgeschichte und stellten gegenüber dem restaurierten Unterstand eine Hinweistafel auf. Die weist auf das Bodendenkmal hin, nämlich, dass an dieser Stelle die Grenze zwischen Rheinland (Herzogtum Berg) und Westfalen (Herzogtum Mark) verlief, die durch die Landwehr geschützt wurde. Die erstreckte sich über Lichtscheid, Erbschlö, den Marscheider Wald nördlich von Herbringhausen über Sondern nach Beyenburg und weiter bis nach Halver.

Das hatte zur erfreulichen Folge, dass für die Baumaßnahmen durch das Förderprogramm „Heimat-Scheck“ ein Zuschuss von 2000 Euro gewährt wurde. Statt 3900 mussten also nur 1900 Euro aus eigenen Mitteln aufgebracht werden. Grund genug, sich „ein Pils unter dem Pilz“ zu genehmigen.