Ein WM-Song made in Wuppertal

Ein WM-Song made in Wuppertal

Erst war es eine bloße Idee, doch innerhalb kürzester Zeit haben drei Wuppertaler ein Fußball-Lied geschrieben — und ein Video dazu gedreht.

Andreas Bourani hatte einen, Herbert Grönemeyer ebenfalls. Dass sich allerdings drei Jungs aus Wuppertal einmal in die Riege der WM-Song-Interpreten einreihen würden, daran hätten Gianluca Alecci (22), Erwin Garweg (23) und David Reuter (21) vor ein paar Tagen wohl nicht gedacht.

Schließlich entstand die Idee zu ihrem Lied „Der Titel bleibt hier“ eher zufällig, wie Gianluca Alecci verrät: „Eine Woche vor dem WM-Start, haben wir uns beim Fußballspielen gefragt, was es denn eigentlich gerade so für WM-Songs gibt. Zu Hause habe ich dann nach ein paar Liedern im Internet gesucht, die haben mir aber nicht gefallen, so dass ich kurzerhand beschlossen habe, selber eins zu machen.“

Noch am selben Abend setzte er sich in sein eigenes kleines Heimstudio, produzierte eine Melodie sowie einen Beat und schrieb einen Text dazu. „Das Ergebnis habe ich dann Erwin und David geschickt. Die beiden waren direkt begeistert und haben dann auf dem Beat ihre eigenen Texte geschrieben“, erzählt Alecci.

Als Genre entschieden sie sich für Hip Hop, „weil das auch unseren gemeinsamen Musikgeschmack widerspiegelt“, erklärt Erwin Garweg. Bis der Song jedoch fertig war, musste das Trio noch einige Hürden überwinden. „Ursprünglich wollten wir das Lied Sonntag einrappen, das hat aber aus terminlichen Gründen nicht geklappt“, erzählt Alecci, „am Montag haben wir gemerkt, dass wir die Texte noch überarbeiten müssen, deswegen mussten wir die gesamte Produktion auf Dienstagmorgen verschieben.“

Dass die drei Kumpels dabei auch ein wenig unter Zeitdruck gerieten, lag nicht allein am WM-Start. In der Zwischenzeit hatte nämlich ein Arbeitskollege von Alecci angeboten, ein Musikvideo für den Song zu drehen. „Ab da wussten wir, dass aus Spaß Ernst wird“, sagt der 22-Jährige lachend.

Denn Aleccis Kumpel David Becker brachte zu den zwei Drehtagen professionelles Film-Equipment sowie zwei Kameraleute mit. Gedreht wurde der Clip unter anderem im Bouldercafé Bahnhof Blo sowie im Tanztunnel auf der Nordbahntrasse. Ein Riesenerlebnis für das Trio, das zum ersten Mal überhaupt einen Song vor der Kamera performte. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Das fertige Video veröffentlichten sie dann pünktlich zum ersten Deutschland-Spiel am 17. Juni auf der Video-Plattform „YouTube“. Innerhalb von drei Tagen wurde das Lied immerhin über 2000 Mal aufgerufen. „Wenn wir den Song zwei Wochen früher veröffentlicht hätten, hätten wir bestimmt einige Klicks mehr gehabt“, vermutet Alecci, der dennoch hofft, dass sich das Lied im Laufe des Turniers weiter verbreitet — vorausgesetzt natürlich, die Nationalmannschaft übersteht am heutigen Mittwoch gegen Südkorea die Vorrunde.

Doch um einen richtigen Hit zu landen, müsste der Song nicht nur bekannter sein, sondern auch viel öfter gespielt werden. Um das zu schaffen, haben sich die Jungs bereits einiges einfallen lassen.

So wurde das Lied zum Beispiel via Internet an die Verwandtschaft nach Italien, in die Schweiz und den Kongo geschickt. „Außerdem haben wir verschiedene Radiostationen angeschrieben“, verrät Alecci.

Zudem wurde „Der Titel bliebt hier“ auch schon beim Public Viewing in der Uni im Anschluss an das Schweden-Spiel gespielt. Doch selbst wenn aus dem Projekt kein Hit werden sollte, sind die Jungs stolz auf das, was zunächst ein bloßer Einfall war — wenn auch mit Nebenwirkungen verbunden. „Der Refrain geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf, ich träume bereits davon“, sagt Alecci schmunzelnd.

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