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Ein Stadtteil ändert sein Gesicht

Ein Stadtteil ändert sein Gesicht

Was hat sich in zehn Jahren getan? Die WZ machte mit dem Bürgerverein einen virtuellen Spaziergang durch das Dorp in 2008.

Cronenberg. Vor zehn Jahren hatte die Hauptstraße noch ein ganz anderes Gesicht. Das ist nicht nur in der Erinnerung der Cronenberger gespeichert, sondern auch im digitalen Gedächtnis von Google Maps. Da der Kartendienst seine Bilddaten der Wuppertaler Straßenzüge seit 2008 nicht aktualisiert hat, lässt sich heute noch ein virtueller Spaziergang durch das Cronenberg von gestern unternehmen — und den hat die WZ mit Rolf Tesche und Manfred Stader vom Bürgerverein Cronenberg unternommen, um zu erfahren, was sich in den vergangenen zehn Jahren verändert hat.

Ein Stadtteil ändert sein Gesicht
Foto: Stefan Fries

Das Beispiel Hauptstraße ist extrem. Mehr als die Hälfte der Ladenlokale von damals sind ausgetauscht. Besonders wehmütig schaut Tesche auf den Akzenta-Markt mit Aldi nebenan — beides heute verschwunden. „Das war der Niedergang für unser Zentrum“, sagt der Bürgervereinsvor itzende. An dieser Stelle sei ein Ankerpunkt der Hauptstraße verschwunden.

Auch andere Anlaufstellen vermissen Rolf Tesche und Manfred Stader. Unter dem Gesichtspunkt Einzelhandel ist die Zeitreise ins Jahr 2008 schmerzhaft. Da erinnern etwa die jüngst geschlossenen Traditionsläden Buß und Dieter’s Ideenwelt nebenan an die verlorene Vielfalt. „Da hat man alles mögliche bekommen. Jetzt müssen wir nach Remscheid fahren“, sagt Stader. „Uns fehlt vor allem ein Schuhgeschäft“, sagt Tesche beim digitalen Vorbeispazieren am Schuhhaus Klauser. Auffällig: Zwar sind viele Immobilien, in denen 2008 noch munter Waren über die Ladentheke gingen, keine Leerstände — aber die Nachfolgenutzung zieht keine Käufer mehr ins Städtchen. Ehemalige Ladenlokale beherbergen heute etwa Versicherungen oder Pflegedienste. Was Tesche ebenso fehlt: Fachärzte. „Wir haben keinen Augenarzt oder Urologen mehr in Cronenberg. Auch das war 2008 anders.“

Doch es gibt auch Lichtblicke. So erwähnen die Bürgervereinsmitglieder etwa lobend, dass die Kaufhaus-Buß-Fassade, die sich nicht so richtig ins Straßenbild gefügt hat, mit dem Umbau durch Bäcker Dirk Pollick wieder ein etwas freundlicheres Bild ergibt.

Zudem fällt auf: Das Cronenberg von 2008 sah in Sachen Veranstaltungsstätten nicht so gut aus wie die 2018er Version. So ergänzen nun vor allem das Zentrum Emmaus an der Hauptstraße und die Kulturschmiede An der Hütte das Angebot.

An der Straße Eich steht das markante denkmalgeschützte Haus mit den roten Ziegeln ziemlich allein auf weiter Flur. Inzwischen ist hier das Altenzentrum Cronenberg entstanden. Auch eine erfreuliche Entwicklung, wie Rolf Tesche sagt. „Das Altenheim war für den Stadtteil wichtig. Das war sehr schnell belegt, obwohl es richtig viele Plätze gibt.“

Ein schneller Flug über die Hahnerberger Straße erinnert an eine Zeit ohne Baustellen. Auch mal wieder ein angenehmer Anblick.

Sprung nach Sudberg. „Da ist ja nicht mal mehr eine Kneipe übrig geblieben“, sagt Manfred Stader beim Rundgang durch das Örtchen. Das Hotel Haus Schee und das Odenwaldhaus erinnern an muntere Abende. Ein Gang in die Teschensudberger Straße macht auf die Bautätigkeit in Sudberg aufmerksam. Wo einst eine Wiese zu finden war, stehen heute mehrere Wohnhäuser. Ebenso können sich Freunde der Blutbuche noch einmal ihr liebstes Exemplar ohne die bei den Sudbürgern umstrittenen Wohnbebauung drumherum bewundern.

Unterm Strich sind sich Rolf Tesche und Manfred Stader einig: Es hat sich viel getan in Cronenberg — es muss aber noch einiges folgen.