Ein schöner Tag auf der Sambatrasse in Wuppertal

Wuppertal : Ein schöner Tag auf der Sambatrasse

Tiere, Villen und Mammutbäume — auf und an der ehemaligen Bahnstrecke, die jetzt ein Rad- und Wanderweg ist, gibt es viel zu entdecken.

Wer auf der Sambatrasse unterwegs ist, an vielen Stellen rundherum nur Bäume und Grün sieht, kann sich kaum vorstellen, dass er gerade auf einer ehemaligen Bahnstrecke radelt oder spaziert. 1891 erbaut, verband die Burgholz-Bahn, so der offizielle Name, Elberfeld und Cronenberg, die späteren Stadtteile von Wuppertal. Und weil die Waggons auf der recht kurvenreichen Strecke durch den heutigen Staatsforst Burgholz immer so schön schaukelten, hatte der Zug schnell seinen Spitznamen weg: Samba.

Doch 1988 war Schluss, der Bahnverkehr wurde eingestellt. Schon in den Jahren davor hatte es Überlegungen gegeben, die Strecke für Rad- und Fußverkehr „umzubauen“. Möglich machte das aber erst eine finanzielle Förderung im Rahmen der Regionale 2006. Seitdem können Besucher den Weg auf einem Großteil der insgesamt elf Kilometer mitten durch die Natur genießen.

„Sie steht so ein bisschen im Schatten der bekannteren Nordbahntrasse“, sagt Christian Hang. „Aber das zu Unrecht.“ Vielleicht liege das auch daran, dass die Sambatrasse im Gegensatz zur Nordbahntrasse nicht asphaltiert ist, sondern nur, wie es im Fachjargon heißt, eine „wassergebundene Decke“ aufweist. Dass die Sambatrasse ein kleines Schattendasein führe, habe aber auch Vorteile, so der Wuppertaler, der die Strecke als Arbeits- und Freizeitweg nutzt. Die Atmosphäre sei angenehmer als auf anderen Trassen. „Es ist einfach freundlicher, es gibt keine Aggressivität“, lobt er. Und der Weg durch den Wald sorge auch dafür, dass es gerade im Sommer doch etwas kühler ist. „Und landschaftlich“, kann sich Hang einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen, „ist die Sambatrasse schöner als die Nordbahntrasse. Ich finde sie einfach toll.“

Doch auch, wer nicht nur auf Ruhe und Natur steht, bekommt einiges auf und an der Strecke geboten. Starten kann man gut im Tal, also Elberfeld. Wer will, kann mit der S-Bahn anreisen (Haltepunkt Wuppertal Zoologischer Garten) — und sein Rad gleich mitbringen. Doch bevor es zum Beispiel an der Hindenburgstraße, dem ersten Zugang in Elberfeld, auf die Trasse geht, warten noch zwei schöne Ausflugsziele vorab.

Zooviertel: Ein Blick auf Wuppertals Pracht

Schöne Villen en masse bietet das Zooviertel. In den 1890er Jahren war mit dem Bau begonnen worden. Noch heute ist praktisch das komplette Viertel erhalten, da es die Kriegszeit unbeschadet überstand. Ein echter Hingucker ist der Märchenbrunnen mitten auf der Kreuzung Jaeger-, Wotan-, Donar- und Baldurstraße. Nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafes hatte der ansässige Bürgerverein Sonnborn-Zoo-Varresbeck das Denkmal restauriert und dafür gesorgt, dass es seit einigen Jahren auch wieder sprudelt.

Das etwas andere
Essen auf Rädern

Im Prinzip schließt sich, der Name verrät es, direkt der Zoologische Garten an die Villenkolonie an. Und die Burgholzbahn, man mag es kaum glauben, fuhr damals fast durch den Zoo — die Trasse bildete die Ostgrenze. Nach dem Aus der Eisenbahn wurde das Zoogelände erweitert.

Wer die jetzige Sambatrasse entlang läuft oder fährt, kann auf der neuen Brücke direkt den Sibirischen Tigern und Löwen ins Gehege schauen. Und auch, wenn ein nicht ganz ernst gemeintes und etwas verwittertes Schild auf „Essen auf Rädern“ verweist: Keine Angst, der Weg ist sicher. Ein Abstecher in den Grünen Zoo, wie sich die Einrichtung mittlerweile selbst bezeichnet, lohnt auf jeden Fall.

Wer Zoo und Villen hinter sich gelassen hat, taucht endgültig ab ins Grüne. Weiter schlängelt sich der Weg durch den Burgholz. Nur kurze Zeit wandern, radeln oder joggen die Samba-Nutzer parallel zu einer Schnellstraße, ansonsten geht es durch die Natur auf die Südhöhen Wuppertals.

200 verschiedene Baumarten
auf 100 Hektar

So schön die Strecke auch ist — Stopps lohnen. Etwa für das Arboretum, die spezielle Baumsammlung im Staatsforst. 100 verschiedene Baumarten wachsen dort auf gut 200 Hektar. Viele „Exoten“ sind dabei. Einen Besuch Wert ist zum Beispiel die Mammutbaumallee.

Einkehren im
Bahnhof ohne Zugverkehr

Mit vielen Angeboten wartet das benachbarte Waldpädagogische Zentrum (WPZ) auf. Die Einrichtung des Regionalforstamtes Bergisches Land hat sich der Umweltbildung verschrieben. Kräutersammeln gehört ebenso dazu wie Baumklettern für Kinder, aber auch „Wildnistraining“ für Erwachsene. In den Ferien gibt es für junge Besucher zum Beispiel einen Kurs „Hämmern wie ein richtiger Schmied“. Martin Barth, Leiter des WPZ, freut sich aber auch über Spaziergänger, „die einfach so vorbeikommen“. Das Gelände sei reizvoll, biete zum Beispiel einen schönen Kräutergarten. „Ein Besuch lohnt sich“, verspricht Barth.

Wandern in der Natur macht hungrig. Einkehrmöglichkeiten gibt es einige — zum Beispiel im Bahnhof Burgholz, „der gemütlichen Bahnhofsgaststätte ohne Zugverkehr“, wie er selbst wirbt. Bei schönem Wetter locke der Biergarten und sonst immer die gute Küche, sagt Samba-Fan Christian Hang. „Das ist mein kulinarisches Highlight.“

Zwar nicht immer direkt an der Strecke, aber in der Nähe gibt es zudem weitere Lokalitäten, worauf Michael Ludwig vom Bürgerverein Küllenhahn hinweist, etwa das Restaurant Satzball des Tennisclubs Küllenhahn, das Café Podzelny oder die Gastronomie im Bahnhof Cronenberg schon ganz am Ende der Trasse. Der Bürgerverein um Ludwig will in naher Zukunft auch noch für einen ganz besonderen Stopp in Nähe der Sambatrasse sorgen: einen Barfußpfad.

Mehr von Westdeutsche Zeitung