Wuppertaler Arbeitsmarkt: Ein Rekordjahr für das Jobcenter

Wuppertaler Arbeitsmarkt : Ein Rekordjahr für das Jobcenter

Mehr als 7000 Wuppertaler fanden in 2018 einen neuen Job oder eine Ausbildung.

Eigentlich seien es gar nicht in erster Linie die Zahlen, an denen das Team des Jobcenters Wuppertal seinen Erfolg misst, sagt Sprecherin Irene zur Mühlen. „Wichtiger ist der soziale Aspekt“, erklärt sie. Jedes Lächeln, jedes wachsende Selbstbewusstsein, jeder glücklichere Kunde. „Solche Dinge sind für uns Erfolge, selbst wenn sie nicht am Ende in die Jahresstatistik einfließen.“ Von diesen kleinen Erfolgen gab es viele im vergangenen Jahr. Und auch, wenn man die nackten Zahlen betrachtet, war das Jahr 2018 ein überaus erfolgreiches für das Jobcenter Wuppertal. 7170 Menschen konnten in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung oder Ausbildung vermittelt werden.

„Zum sechsten Mal in Folge konnten wir die Integrationsquote gegenüber dem Vorjahr steigern“, sagt Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters. Die Vermittlungsquote lag bei 20,9 Prozent, es konnte also rund ein Fünftel aller knapp 34 000 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Von der positiven Entwicklung profitieren auch Menschen, die schon länger als zwei Jahre ohne Job sind. Hier stieg die Vermittlungsquote im Vergleich zum Vorjahr von 15,1 auf 17,6 Prozent.

„Die Integration von Langzeitarbeitslosen ist oft ein langer Weg“, sagt Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal. Der Weg lohne sich aber, ergänzt Andreas Kletzander, Vorstand Arbeitsmarkt und Kommunikation im Jobcenter. Natürlich für die betroffenen, die den Weg zurück in einen geregelten Tagesablauf finden und dadurch neue Perspektiven entwickeln können. Aber auch für deren Kinder. „Es ist wichtig, die Richtung zu ändern, damit sich Armut nicht immer wieder weiter vererbt“, betont Kletzander. Ganze 30 Prozent aller Kinder in Wuppertal beziehen Leistungen.

Mobile Beratung
weiter ausbauen

Um ihre 50 000 Kunden im gesamten Stadtgebiet besser zu erreichen, gehen Mitarbeiter des Jobcenters seit mehreren Jahren direkt in die einzelnen Stadtteile, um direkt vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Dieses Engagement soll in diesem Jahr weiter fortgesetzt werden. „Vielleicht schaffen wir uns sogar einen Beratungsbus an, mit dem wir dann noch mobiler wären“, kündigt Thomas Lenz an.

Auch dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit möchte sich das Jobcenter-Team in diesem Jahr verstärkt widmen. „Denn Langzeitarbeitslose haben viel häufiger gesundheitliche Probleme als andere Menschen“, weiß Thomas Lenz. Das Jobcenter hat sich bei einem Förderprojekt des Bundes um finanzielle Unterstützung beworben. Bei Zusage könnte man im Sommer eine Initiative dazu starten.

Als Erfolg wertet Lenz auch die Arbeit mit geflüchteten Menschen. 2018 wurden mehr als 1300 Menschen mit Fluchthintergrund in sozialversicherungspflichtige Arbeit und Ausbildung vermittelt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Das sei vor allem einer guten Sprachförderung zu verdanken, ist Andreas Kletzander überzeugt. Auch eine Begleitung der Menschen und ein gutes Netzwerk seien wichtig. Im Frühling 2018 haben Stadt und Jobcenter das „Haus der Integration“ an der Friedrich-Engels-Allee eröffnet, in dem Angebote gebündelt werden.

Gut 15 000 Maßnahmeplätze hat das Jobcenter Wuppertal, dazu gehören Qualifizierungen und Weiterbildungen, Schulabschlüsse, aber auch das Erlangen eines Führerscheins oder psychosoziale Beratungen. 35,5 Millionen Euro hat das Jobcenter in 2018 für solche Maßnahmen ausgegeben. „Von Wuppertalern werden diese Angebote rege angenommen“, sagt Thomas Lenz. Die Stadt habe eine bundesweit einmalige Quote von 31,5 Prozent. Im Bundesschnitt erhielten 9,5 Prozent der Leistungsberechtigten ein konkretes Förderangebot.

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