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Ein neues Dorf: Das erste Mehrgenerationen-Haus steht

Ein neues Dorf: Das erste Mehrgenerationen-Haus steht

Auf dem Caritas-Gelände am Kinderhaus soll eine Wohnanlage für Jung und Alt entstehen.

Wuppertal. Allein in der Wohnung, wenig Kontakt zu den Nachbarn, kein räumliches Angebot für Treffpunkte, keine Pflichten? Genau dieser Art zu wohnen, möchten sich die Menschen offenbar zunehmend entziehen. Jedenfalls sind in Wuppertal derzeit mehrere Projekte am Start, die etwas ganz anderes meinen, wenn es um das Thema Wohnen geht.

GWG und die Wuppertaler Caritas planen den Bau einer barrierefreien Mehrgenerationen-Wohnanlage. Auf dem Gelände am Kinderhaus St. Michael an der Uellendahler Straße, sollen auf 8275 Quadratmetern vier Wohngruppen für ältere, pflegebedürftige Menschen und etwa 50 Wohnungen in unterschiedlicher Größe für kinderreiche Familien und Familien mit behinderten Angehörigen entstehen.

Die Wohngruppen sollen dabei gerade nicht als typische Pflegeeinrichtung verstanden werden: "Es sind Wohngemeinschaften, in denen sich ältere Menschen selbständig verpflegen können, gleichzeitig aber eine Pflegekraft an die Seite gestellt bekommen", erklärt Eckhard Arens, Direktor der Wuppertaler Caritas.

Die Besonderheit an dem gemeinschaftlichen Wohnprojekt von GWG und Caritas: Die verschiedenen Baukörper sind so angeordnet, dass die gesamte Anlage "Dorfcharakter" erhält. "Den Mittelpunkt wird ein Dorfplatz bilden, an dem sich das Leben abspielt. Außerdem wird es einen Dorfmanager geben, der sich um die Belange der Bewohner kümmert", sagt Arens. Andere dorf-typische Einrichtungen wie ein Café als Treffpunkt, eine Kapelle und ein Kiosk sollen ebenfalls im "Quartier" angesiedelt werden.

Um die Idee bestmöglich umsetzen zu können, haben sich Caritas und GWG professionelle Hilfe besorgt und einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Sechs Architekturbüros aus ganz Deutschland wurden mit der Aufgabe betreut, die Mehrgenerationen-Anlage zu entwerfen. Das Siegermodell steht nun fest: "Dem Berliner Architekturbüro Feddersen gelang es am besten, die Baukörper so anzuordnen, dass sie sich auf dem stark abfallenden Gelände stimmig aneinanderfügen", erklärt Architekt und Jurymitglied Frank Monse die "Pluspunkte" des Siegermodells.

Ein Wuppertaler Büro schaffte es unter die letzten Drei. "Die Bauweise war allerdings zu kompakt ", erklärt Arens die Entscheidung der Jury. Die Gesamtkosten des Wettbewerbs, ca. 42 000 Euro, teilen sich GWG und Caritas. Dem Mehrgenerationen-Wohnmodell liegt die Idee zugrunde, junge und alte, gesunde und kranke Menschen zum Austausch zusammenzubringen.

"Wir möchten nicht nur architektonische Qualität schaffen, es geht uns um soziale Wohnqualität", fasst GWG-Geschäftsführer Harald Röllecke zusammen. Laut GWG ist der Baubeginn für 2009 geplant.