Ein Musiker stellt sich Schülerfragen

Musik : Ein Musiker stellt sich Schülerfragen

Herbert Schuch berichtete an der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg von seiner Arbeit.

Locker steht Herbert Schuch in T-Shirt und Kapuzenjacke auf der Bühne und plaudert mit den Jugendlichen. Die Siebtklässler der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg bombardieren den Solisten des 3. Sinfoniekonzerts mit Fragen. Geduldig beantwortet der 40-Jährige alle, selbst wenn die gleiche Frage zum zweiten Mal gestellt wird. Er outet sich als Fan von Rap, erzählt von seiner zwei Monate alten Tochter und davon, wie heiß es auf der Bühne ist. Heike Henoch, Education Managerin des Sinfonieorchesters, ergänzt manches, verdeutlicht und erklärt Hintergründe.

Ob er Angst habe, wenn er auftritt, stellen die Siebtklässler gleich zu Beginn die Standard-Frage. „Ich bin auf jeden Fall aufgeregt. Man weiß ja nie, wie es auf der Bühne sein wird“, sagt Herbert Schuch. Und er erzählt, dass es ihn wenig störe, wenn die Schüler zwischen den Sätzen klatschen – „zu Mozarts Zeiten haben die Leute sogar während des Stücks geklatscht oder gejubelt, wenn ihnen eine Stelle besonders gut gefallen hat“ – während die Pfeifgeräusche mancher Hörgeräte während leiser Stellen wirklich nervig seien.

Als ein Schüler zugibt, dass es ihm einen Tag zuvor schwer gefallen sei, das ganze Konzert über konzentriert zuzuhören, beruhigt ihn der Pianist: Das gehe vielen Menschen so. Immer wieder erlebe er in seinen Konzerten Schnarchgeräusche erwachsener Zuhörer.

Dann wollen die Schüler Musik hören, „aber etwas Schnelles!“ Kurz überlegt Herbert Schuch, dann setzt er sich an das E-Piano und lässt die Finger flink über die Tasten hüpfen. „La Campanella“ von Franz Liszt ist ein munteres Stück, das auch auf dem E-Piano virtuos klingt. Manchen Schülern fällt es zwar schwer, ruhig zu lauschen, doch am Ende applaudieren alle begeistert.

„Haben Sie schon einmal ein Konzert abgebrochen?“, will jemand wissen. Als in einem Konzert mit vielen Schülern zwei Mädchen in der ersten Reihe ausdauernd geschwatzt haben, habe er diese während des Konzertes angesprochen, berichtet der Pianist. Aber sonst sei es nie nötig gewesen. Unterhaltungen der Zuhörer findet Herbert Schuch jedoch grundsätzlich unangenehm: „Das kommt bei mir an, als würden die sich über mich lustig machen.“

Fehler merke man
oftmals nur selber

Was denn das längste Stück gewesen sei, das er gespielt habe?, fragen die Schüler. Eigentlich eine Stunde, antwortet der Musiker. Einmal habe er jedoch im Wechsel mit anderen Pianisten bei „Vexations“ von Eric Satie mitgewirkt – dabei wird eine kurze Harmoniefolge 840 Mal wiederholt und dauert so rund 18 Stunden. Schuch sucht in seinem Smartphone, und findet schließlich die Noten dazu, um den Schülern einen Eindruck dieses ungewöhnlichen Stücks zu geben.

Dann erzählt der Musiker von seinem Werdegang: Dass er mit sechs Jahren seine Begeisterung für das Klavier entdeckte, mit acht Jahren aus Rumänien nach Deutschland kam und mit zwölf Jahren bereits an der Musikhochschule studierte. Während sein Bruder schnell wieder mit dem Üben aufhörte, habe ihm das Klavierspielen immer Spaß gemacht.

Später bekam er in der Schule sogar alle zwei Wochen einen Tag frei, um zu einem besonders guten Lehrer zu fahren. Heute lebt er von Konzerten und gastiere auf der ganzen Welt. Trotzdem sei es bis heute so, dass ihm bei Konzerten Fehler passieren – manchmal mehr, manchmal weniger. „Aber das merke meist nur ich, nicht die Zuhörer.“ Denn er selbst sei sein strengster Kritiker.

Filmsoundtracks spielt er hingegen zum Bedauern der Schüler nicht so gerne: „Die sind zwar schön, aber nicht herausfordernd.“ Ein Stück von Mozart hingegen werde immer interessanter, je häufiger man ihn höre. Damit die Schüler von solcher Qualität noch mehr Eindruck bekommen, verabschiedet sie der Pianist mit einer Bagatelle von Beethoven.

Mehr von Westdeutsche Zeitung