Ein Mann mit scharfer Zunge

Ein Mann mit scharfer Zunge

Mathias Richling zeigte im Opernhaus politisches Kabarett vom Feinsten.

65 Lenze ist es her, als Mathias Richling das Licht der Welt erblickte. Dieses Alter merkte man ihm aber überhaupt nicht an, als er fit wie ein Turnschuh — die hatte er auch an — über die Bühne des Opernhauses wuselte und seine Sicht über die Weltpolitik und die Welt, wie sie im Jahr 2084 aussehen könnte, kundtat. Ja, der Mann weiß Bescheid. Er kennt sich ganz genau aus, was so alles in den Chefetagen der Politprominenz los ist.

Er erinnerte sich an die letzte Bundestagswahl und stellte fest, dass die SPD mit fünf Prozent in den Keller gerutscht ist. Richling: „Ich wusste gar nicht, dass die noch so viel haben“. Man lernt eben nie aus. Und Andrea Nahles wurde bekanntlich als Nachlassverwalterin dieser Partei gewählt.

Angela Merkel ist im Jahr 2084 immer noch Bundeskanzlerin und hält eine ihrer mittlerweile unzähligen Regierungserklärungen. Brüchiger, wesentlich seniler ist ihre Stimme geworden, als sie verkündet, wieder ein Hilfspaket für Griechenland, diesmal in Höhe von 1622 Milliarden Euro, zu verabschieden. Wie nicht anders zu erwarten, betont sie aber wie immer ganz entschieden: „Was bisher gegolten hat, gilt auch jetzt. Es wird kein weiteres Hilfspaket geben“.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will bei Horst Lichters Show „Bares für Rares“ die in der Bundeswehr zum Vorschein gekommenen NS-Devotionalien loswerden. Für Lichter ist der Zustand der Truppe gar nicht so schlimm. Die Soldaten würden ordentlich ihrem Beruf nachgehen. Härtetests bei der Aufnahme, Mobbing und sexuelle Übergriffe gehören halt dazu.

Christian Lindner, Chef der FDP, und der kläglich gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat kamen auch nicht ungeschoren davon. Für Lindner ist es ganz klar, warum Emmanuel Macron französischer Präsident ist: „Weil er fast so gut aussieht wie ich.“

Apropos Macron: Der große Stimmenimitator Richling kann mittlerweile auch ihn nachäffen. Während seines an Merkel gerichteten französischen Monologs wurden die Lachmuskeln arg beansprucht. Dann hielt auch noch die britische Queen eine Thronrede und ließ kein gutes Haar an David Cameron.

Fußballlegende Franz Beckenbauer, US-Präsident Donald Trump, Grünen-Politprofi Cem Özdemir, Ex-Innenminister Thomas de Maizière, Undercover-Journalist Günther Wallraff und, und, und. Alle bekamen ihr Fett weg.

Das war politisches Kabarett vom Allerfeinsten. Scharfzüngig, ironisch, sarkastisch, satirisch verpackte er viele Wahrheiten, wovon sich das leider nur überschaubare Publikum begeistert zeigte.

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