Ein Kunstkopf für den besten Klang

Ein Kunstkopf für den besten Klang

Toningenieur Ingo Schmidt-Lucas hat das siebte städtische Sinfoniekonzert auf Festplatte gebannt.

Wer beim siebten städtischen Sinfoniekonzert am 11. und 12. März anwesend war, dem fiel bestimmt ein menschenähnlicher Kopf auf, der im Großen Saal der Stadthalle über dem Publikum hing. In diesem Kunstkopf stecken links und rechts je ein Mikrofon. Wird er an die richtige Stelle positioniert, wobei viel Fingerspitzengefühl und gute Ohren gefragt sind, kann man damit schöne Stereoaufnahmen herstellen. Toningenieur Ingo Schmidt-Lucas hat sich auf solch eine Aufnahmetechnik spezialisiert. Die beiden Konzerte hat er so auf Festplatte gebannt.

Herausgekommen ist vor kurzem eine CD mit dem Titel „Sinfonieorchester Wuppertal Live Vol. 2“, die sich hören lassen kann. Wenn es um sinfonische Aufnahmen geht, dürfte bekannt sein, dass viele Stützmikrofone über und in Orchestern aufgebaut sind. Dann gibt es außerdem bei Stereoproduktionen zwei Hauptmikrofone in der Nähe des Dirigenten.

Geht es um dreidimensionale Einspielungen, ist der Aufwand noch größer. Ohne ein komplexes Mischpult, Computer und Regelverstärker wie ein Delay kommt man nicht aus, bis schließlich ein optimales Endprodukt herauskommt.

Schmidt-Lucas geht einen anderen Weg. Ihm reichen die beiden Mikrofone am Kunstkopf. „Binaural“ lautet das Fachwort für solch ein Verfahren, das er optimiert hat. Das bedeutet allgemein, dass beim Anhören von Schallsignalen über Kopfhörer ein natürlicher Eindruck inklusive exakter Richtungslokalisation entsteht. Bei Orchesteraufnahmen hört man also ganz genau, wo etwa die Blechbläser sitzen. Man ist mittendrin im Geschehen und bekommt außerdem den Klangcharakter des Saals mit. Über normale Lautsprecher klingen diese Aufnahmen zwar auch sehr gut, sind mit ihnen kompatibel.

Doch eine Kopfhöreroptimierung macht in der Smartphone-Ära durchaus Sinn. Denn Jung und Alt laufen allerorts mit Kopflautsprechern durch die Gegend. Oft handelt es sich aber um „Pfennigartikel“, die den mobilen Geräten beigefügt sind und gar nicht gut klingen. An billigen Wohnzimmerboxen hat man bekanntlich auch keinen Spaß. Etwa 300 Euro sollten mindestens einmalig investiert werden, damit schön-ausgewogene Klänge aus den Kopfhörern auf die Trommelfelle treffen. Lässt man diese auch noch von Schmidt-Lucas individuell optimieren, können sich sogar High-End-Enthusiasten wohlfühlen.

Unter der Leitung der Generalmusikdirektorin Julia Jones hat das Sinfonieorchester Wuppertal auf der Scheibe seine beiden 7. Sinfoniekonzerte dieser Spielzeit verewigt. Darauf enthalten sind die Ouvertüre und das Bacchanal im Venusberg aus Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ sowie die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz.

Ob zuhause oder unterwegs: Das Klangerlebnis ist beim Anhören über ordentliche Kopfhörer grandios. Man hat den Eindruck, live dabei zu sein. Dreidimensional präzise-durchhörbar kommen die Or-chestergruppen in die Ohren. Wer also die beiden Vorstellungen verpasst hat oder sie sich wieder in Erinnerung rufen will, ist mit diesem Produkt sehr gut aufgehoben.

Die SACD (Super Audio CD) kann bei den Konzerten des Sinfonieorchesters Wuppertal und andernorts erworben werden. Der Nachfolger der normalen CD kann über einen normalen CD-Player oder einen SACD-Abspielgerät angehört werden. Wer aber seine Regale mit solchen Scheiben nicht mehr vollpacken will, hat außerdem zwei andere Möglichkeiten. Im Internet stehen die Tracks in hochauflösender Qualität zum Download bereit. Oder man bestellt sich einen USB-Stick. Damit können etwa mobile Abspielgeräte gefüttert werden. Als extrem komprimierte MP3-Audiodaten — die Kompressionsrate beträgt bis zu 85 Prozent gegenüber dem Original — stehen die Aufnahmen selbstverständlich nicht zur Verfügung.

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