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Ein Irrgarten für Wuppertal

Ein Irrgarten für Wuppertal

Kolumnist Uwe Becker blickt mit Sorge auf die Pläne für die Bundesgartenschau.

Hätte ich sämtliche Tränen aufgefangen, die meine Topfpflanzen vergossen haben, weil ich ständig vergaß, sie zu gießen, so hätte die Menge dieser Flüssigkeit bestimmt ausgereicht, um zumindest eine Pflanze zu retten. Aber nein, einen „grünen Daumen“ habe ich wirklich nicht. Jedes Mal, wenn mir zum Geburtstag eine Pflanze geschenkt wird, überkommt mich diese Traurigkeit, wohlwissend, dass dieses blühende, kleine Weltwunder bald traurig auf meiner Fensterbank verendet. Die Welt der Pflanzen- und Blumenpflege wird mir immer fremd bleiben.

Der ersten Rose, die ich als junger Mann verschenken wollte, fielen kurz vor der Übergabe an die Angebetete alle Blätter vom Stängel, weil ich den Rat des Rosenverkäufers (Rosen-Ali) ignorierte, die eng in Plastikfolie eingewickelte Blume nicht auszupacken. Ich liebe natürlich trotzdem die Natur, und freue mich mit jedem Menschen, der froh und gut gelaunt, mit Schaufel, Gießkanne und Gummistiefeln, in seinem Garten herumwerkelt, Unkraut jätet oder etwas einpflanzt. Ich selber möchte aber aktiv an solchen Beschäftigungen nicht teilhaben.

Sicher können Sie daher verstehen, dass mich die Nachricht nicht vom Hocker gerissen hat, der Rat der Stadt Wuppertal würde am 9. Juli darüber entscheiden, ob sich unsere liebreizende Stadt um die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2027 oder 2029 bewerben soll. Wir haben jetzt 2018, und reden hier über ein Event, dass erst in neun Jahren stattfinden wird. Ich persönlich plane immer nur kurzfristig, daher wäre ich auch nicht geeignet, eine Buga oder die Olympischen Spiele zu organisieren. Nun findet ja ab Mitte Juni zunächst die WM in Russland statt, danach die Buga 2019 in Heilbronn, 2021 in Erfurt, 2023 in Mannheim und voraussichtlich 2025 in Rostock. Nicht zu vergessen die WM 2022 in Katar und die WM 2026, die wohl in Marokko stattfindet, wenn die Korruption störungsfrei verläuft.

Aber bleiben wir mal im Tal: Bei Durchsicht der vorliegenden Machbarkeitsstudie des Landschaftsarchitekturbüros fiel mir auf, dass der Bau einer Seilbahn, die über den Zoo führen soll, und die Errichtung einer 700 Meter langen Fußgängerbrücke in freier Hängekonstruktion von der Königshöhe zur Kaiserhöhe in Erwägung gezogen wird. Wenn die Seilbahn zur Uni auch noch gebaut wird, dann hätten wir zwei Seilbahnen, was für eine Stadt mit einer Schwebebahn viel ist.

Ein bisschen Sorge bereitet mir die freischwebende Steilhängebrücke in durchaus beachtlicher Höhe. Da habe ich jetzt schon ein wenig Angst — wenn da einer runterfällt, dann gute Nacht! Scheitern die Buga-Pläne, sollten die Verantwortlichen im Rat aber einen Plan B in der Schublade haben.

Ich hatte dazu kürzlich einen schrillen Tagtraum: Wuppertal baut im Jahre 2020, passend zum 200. Geburtstag von Friedrich „Fritze“ Engels, den größten Irrgarten der Welt (Gesamtfläche von Wuppertal). Wenn man den einzigen Ausgang findet, steht man direkt im Einwohnermeldeamt zu Barmen, bekommt ohne Wartezeit seinen Personalausweis verlängert und eine Freikarte für den Zoo. Sollten Besucher den Ausgang auch nach Stunden nicht gefunden haben, wird aus einem Elektro-Hubschrauber (Pilot: Jörg Heynkes) eine große, teure Heckenschere abgeworfen, mit der sich jeder den Weg in die Freiheit (Remscheid und Solingen) schneiden kann. LOL!