Ein Ingenieur baut in Wuppertal-Cronenberg auf die Realschule

Gespräch : Schulleiter Marcus Dätig: Ein Ingenieur baut auf die Realschule

Der Pädagoge will das Fach Technik an die Cronenberger Friedrich-Bayer-Schule bringen.

Der neue Schulleiter Marcus Dätig ist mit einem Anliegen an der Friedrich-Bayer-Realschule in Cronenberg angekommen. Der 45-Jährige, der am 1. August die Nachfolge von Hartmut Eulner angetreten hat, sagt: „Was wir noch nicht haben, ist das Fach Technik.“ Das soll sich ändern. Für Dätig ist das unter anderem deswegen ein Anliegen, weil er den Realschülern so auch den Horizont für technische Berufe erweitern möchte. „Wir wollen mit diesem Bereich die Schüler vielleicht auch dazu bekommen, mehr in die berufliche Ausbildung zu gehen“, sagt Dätig mit Blick auf das Fachkräfteproblem in vielen Ausbildungsberufen.

65 bis 70 Prozent der Schüler verlassen die Bayer-Realschule mit einer Fachoberschulreife und orientieren sich dann häufig in Richtung Gymnasium – unter anderem auch deswegen, weil man sich mit dem Carl-Fuhlrott-Gymnasium ein gemeinsames Dach teilt. Dätig will diesen Weg seinen Schülern gar nicht ausreden, ihm ist es nur ein Anliegen, wie er sagt, den Blick der jungen Leute zu erweitern. Manchmal rechnet er den Schülern vor, wie viel Gehalt jemandem verloren geht, der noch drei Jahre länger die Schulbank drückt, danach studiert und gegebenenfalls in dieser Zeit noch einen Kredit aufnimmt. „Da sind die Schüler schon überrascht“, sagt Dätig. Zudem müsse die Schule aber auch auf die Eltern zugehen, die heute oftmals die feste Vorstellung haben, dass ihr Kind zwingend Abitur machen muss.

Dass der neue Rektor ein Verfechter der Ausbildung ist, kommt nicht von ungefähr. So begann sein beruflicher Werdegang nach dem Abitur nämlich mit einer Lehre zum Beton- und Stahlbetonbauer. Anschließend studierte er an der Bergischen Uni parallel Bauingenieurwesen auf Diplom sowie Bautechnik und Sport auf Lehramt. Zunächst entschied sich Dätig sogar dazu, das Ingenieurs-Studium zum Ende zu bringen, durch seine anschließende Lehrtätigkeit an der Uni verfestigte sich bei ihm allerdings der Wunsch, zu unterrichten. Sein Studium konnte er sich als Erstes Staatsexamen anrechnen lassen, so dass ihm 2006 dann nur noch ein zweijähriges Referendariat fehlte, um den Lehrerberuf an der Sekundarstufe I voll ausüben zu können.

Bewusst entschied sich Dätig nach seinen ersten Schritten an einer Düsseldorfer Gesamtschule für die Schulform Realschule: „Ich bin ein Freund des dreigliedrigen Schulsystems.“ Er habe für sich die Erfahrung gemacht, dass die schulische Arbeit in homogeneren Lerngruppen einfach zu einem höheren Erfolg führt. Zudem habe aus seiner Sicht die Schulform Realschule den Vorteil, dass nach seinem Empfinden das Zusammenspiel zwischen Eltern und Schule gerade hier besonders gut klappt.

Dätig war vorher Konrektor der Helmholtz-Realschule in der Mirke

2008 bis 2016 lehrte Dätig an einer Solinger Realschule, übernahm dort bereits als Lehrerratsvorsitzender Verantwortung und wurde schließlich Konrektor an der Hermann-von-Helmholtz-Realschule in der Mirke. Sein Wechsel nach Cronenberg sei für den Vohwinkeler keine Entscheidung gegen seine alte Schule gewesen, sondern einfach das Ergreifen einer einmaligen Gelegenheit. „Das Schulprofil hat mich gereizt“, sagt Dätig. Der Fokus auf das Fach Sport passt genau in seine Fächerwahl und auch der musische Unterricht mit der eigenen Bläserklasse begeistere ihn.

Jetzt fehlt ihm nur noch das Wahlfach Technik zum Glück. „Das scheiterte in der Vergangenheit auch einfach am Personal“, berichtet der Rektor. Doch die Lücke des Technik-Lehrers füllt er jetzt praktischerweise aus. Nur einen passenden Fachraum gibt es noch nicht. Marcus Dätig weiß, dass er auf die Stadt in dem Zusammenhang nicht setzen kann. „Die haben im Moment viel vor der Brust“, gibt er sich verständnisvoll. Der 1974 erbaute Schulkomplex sei ansonsten gut in Schuss, die Toiletten werden aktuell saniert.

Der Technik-Raum wird wohl ein schuleigenes Projekt werden. Dätig: „Wir werden versuchen, vielleicht bei den Firmen vor Ort Sponsoren zu finden.“ Schließlich profitiere gerade die regionale Wirtschaft davon, wenn an der Realschule junge Menschen durch den Technik-Unterricht auf den Geschmack gekommen sind - und vielleicht einmal vor Ort in die Lehre gehen.