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Konzert: Ein Höhepunkt der Kammermusik

Konzert : Ein Höhepunkt der Kammermusik

Cellistin Tanja Tetzlaff und Geiger Florian Donderer beeindruckten mit ihrem Spiel im Zentrum Emmaus.

Wohl jeder Profimusiker mag die Kammermusik. Sie ist schlicht und einfach die Königsklasse auf dem Gebiet der klassischen Musik. Doch findet sie bei Musikkonsumenten nicht so großen Anklang wie etwa orchestrale Musik. Oft finden solche Konzerte vor kleinem, dafür fachkundigem Publikum statt. So waren leider auch einige Stühle im Zentrum Emmaus nicht besetzt, als im Rahmen der Reihe „Musik auf dem Cronenberg“ ein Highlight dieser Gattung hier zu erleben war.

In Kammermusikkreisen fragt man wohl nicht zweimal nach der Cellistin Tanja Tetzlaff und dem Geiger Florian Donderer. Denn sie sind bekannt für ihr feines und tief ausgelotetes Musizieren. Diesem ausgezeichneten Ruf wurden sie auf den Wuppertaler Südhöhen voll gerecht, als sie ein Programm präsentierten, an das sich nur wenige heranwagen.

Schlicht stellte sich Donderer auf die Bühne im Altarraum und spielte wie selbstverständlich eins der schwierigsten Stücke der Violinliteratur, die Ciaccona aus der zweiten Partita für Solovioline in d-Moll (BWV 2004) Johann Sebastian Bachs. Die Phrasierungs- und Grifftechniken (Doppel-, Tripel- und Quadrupelgriffe) sind enorm knifflig, die 32 freien Variationen über eine sich andauernd wiederholende Bassstimme außerordentlich vielschichtig. Selten zuvor hat man live dieses Werk derart perfekt gespielt und sehr tief ausgelotet gehört. Den ganzen Gehalt dieser mehrstimmig polyphonen Chaconne, die sich mit Tod und Auferstehung beschäftigt, brachte er klar und ergreifend zum Ausdruck.

Mustergültig mit
großer Tongebung

Abgesehen von ganz wenigen minimalen Unsauberkeiten führte Tetzlaff Bachs dritte Cellosolo-Suite in C-Dur (BWV 1009) genauso mustergültig mit einer großen Tongebung auf. Läufe, Dreiklangsbrechungen, Akkordgriffe, schneller Saitenwechsel (Bariolage-Effekt) beherrschte sie brillant. Auch die Aufführung der höchst anspruchsvollen, virtuosen Cellosolo-Sonate György Ligetis ließ keine Wünsche offen. Chapeau!

Außerdem harmonierten Tetzlaff und Donderer kongenial, als sie zwei bedeutende Werke für Geige und Cello präsentierten. In dem Duo Opus 7, entstanden kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, verarbeitete Zoltán Kodály seine Forschungen über die Pentatonik (Fünftönigkeit) in der ungarischen Volksmusik. Die Duosonate („Sonate en quatre parties“) von Maurice Ravel (1920/22), der Kodálys Duo kannte, ist harmonisch streng, bitonal und beinhaltet unter anderem ebenfalls Anklänge an die ungarische Volksmusik. Auch diese beiden Kompositionen sind spieltechnisch vertrackt und inhaltlich vielschichtig. Fein durchstrukturiert, versehen mit großen musikalischen Spannungsbögen kamen sie daher, dabei Kodálys folkloristischen Elan und Ravels linearen Aufbau mit seinen teils dissonanten Wirkungen nie außer Acht lassend.

Stehende Ovationen selbst nach mittelmäßigen Konzerten sind en vogue geworden. Dieses Mal jedoch waren sie in jeder Hinsicht gerechtfertigt.