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Ein hochkarätiges Programm

Ein hochkarätiges Programm

Erstmals wurden in der Stadthalle ein Chorkonzert und ein Orgelakzent zusammengelegt.

Wird das altbewährte Pro-grammkonzept des Sinfonieor-chesters infragegestellt, soll es Synergien geben? Jedenfalls wurden erstmals ein Chorkonzert und ein Orgel-Akzent zusammengelegt. Das städtische Orchester war zur Hälfte daran beteiligt. Dafür standen der Konzertchor der Volksbühne und zwei Organisten im Mittelpunkt. Hochkarätig war das Programm, das es verdient gehabt hätte, wenn mehr Plätze im Großen Saal der Stadthalle besetzt gewesen wären.

Musikhistoriker werden wahrscheinlich nicht fündig werden, wenn sie nach zwei Dirigenten suchen, die in Wuppertal eine Veranstaltung mit Orchesterbeteiligung geleitet haben. Dieses Mal war es zumindest der Fall. Johannes Pell machte den Anfang. Der erste Kapellmeister an der Wuppertaler Oper zeichnete für die Aufführungen des „Te Deums“ von Georges Bizet und des ersten Orgelkonzerts aus der Feder von Joseph Gabriel Rheinberger verantwortlich.

War es verletzte Eitelkeit, warum Bizet sein „Te Deum“ für Sopran, Tenor, Chor und Orchester aus dem Jahr 1858 in der Schublade verschwinden ließ, weil er mit diesem Werk nicht den begehrten „Prix Rodrigues“ für die beste geistliche Komposition bekam und das Preisgeld bereits für eine Reise nach Neapel verplant hatte? Erst 1970 wurde es uraufgeführt.

Verlässlich war Pells Dirigat bei der Darbietung dieses ambrosianischen Lobgesangs. Die Einsätze stimmten. Doch es haperte ein wenig am letzten Feinschliff. Etwa waren im zweiten Abschnitt die Blechbläser viel zu laut und somit der glänzend disponierte Volksbühnenchor kaum hörbar. Dabei ließ Ralitsa Ralinova vom Wuppertaler Opernensemble ihren tragfähigen Sopran wohlklingend erstrahlen.

Diesen Qualitäten stand Tenor Michael Pflumm, kurzfristig für den erkrankten Markus Brutscher eingesprungen, trotz kleiner Probleme in der Höhe in nichts nach. Auch Rheinbergers Orgelkonzert in F-Dur hörte sich eher rein professionell-routiniert gespielt an. Ein leidenschaftlicher Zugriff hätte dem Werk besser zu Gesicht gestanden, um eine ergreifende Atmosphäre im Auditorium zu erzeugen. Allerdings verstand es Alberto Brigandi ausgezeichnet, sich einerseits in den Orchester-klang zu integrieren, andererseits solistisch zu beeindrucken.

Ganz anders verhielt es sich nach der Pause, als nur noch der fahrbare Orgelspieltisch und ein Dirigentenpult auf der Bühne standen. Die Musikalität nahm erheblich zu. Drei Teile (Mars, Venus, Neptun) aus Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten“ hatte Brigandi für Orgel zu vier Händen und vier Füßen formvollendet um-gearbeitet. Gemeinsam mit Eunwoo Lee saß er an dem per Glasfaserkabel mit der Orgel verbundenen Spieltisch. Beide reizten zu an eine über der Bühne aufgehängten LED-Wand gebeamten feinen Videosequenzen von Celine Grimlowski die klanglichen Möglichkeiten dieser Königin der Instrumente voll aus. Auch die dazugehörenden sensiblen Vokalisen aus den Mündern der Chordamen am Schluss waren ein Genuss.

Louis Viernes „Messe solennelle“ für zwei Orgeln und Chor bildete den krönenden Abschluss. Unter der präzisen wie mitatmenden wie emotio-nalen Leitung von Thorsten Pech wurde wieder deutlich, wie gut der Chor in den letzten Jahren an sich selbst gewachsen ist. Zu den konzertanten Orgelklängen Brandis oben am mechanischen und der Chorbegleitung Lees unten am elektrischen Spieltisch gelangen den Choristen mitreißende, volltönende, differenzierte Gesänge. Das Publikum merkte wohl die Unterschiede der beiden Konzerthälften. Denn der Schlussapplaus dauerte zu Recht länger als der vor der Pause.