Ein ganz neuer Blick auf jüdisches Leben im Tal

Ein ganz neuer Blick auf jüdisches Leben im Tal

Am 12. April eröffnet die Begegnungsstätte Alte Synagoge die neue Ausstellung „Tora und Textilien“.

Elberfeld. Schon vor mehr als 300 Jahren gab es Aufenthaltsgenehmigungen, nur hießen sie damals „Schutzbriefe“. Ein solcher Brief aus dem Jahr 1682 ist ab dem 12. April in der neuen Dauerausstellung „Tora und Textilien“ in der Begegnungsstätte Alte Synagoge zu sehen — Erinnerung an eine Zeit, als Juden solche Schutzbriefe brauchten, um im Bergischen leben zu dürfen. Das ging nur mit Zustimmung des Landesherren — und oft gegen viel Geld.

Der Brief ist das älteste Stück in der Ausstellung, die erstmals in Wuppertal einen Überblick über die jüdische Geschichte in der Region bietet. „Wir wollen jüdisches Leben nicht nur auf eine Leidens- und Opfergeschichte reduzieren, sondern vor allem auch als eine Geschichte von Emanzipation, Integration und aktiver Teilhabe am gesellschaftlichen Leben präsentieren“, sagt Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte.

Trockenen Museumsstoff gibt es ab nächsten Dienstag in der Elberfelder Genügsamkeitstraße nicht zu sehen: die Schau entfaltet ein hautnahes Panorama jüdischen Lebens in Wuppertal und im Bergischen Land. Die Schau soll auch für Kinder und Jugendliche interessant sein — so beziehen in der Ausstellung versteckte Illustrationen von Wolf Erlbruch die jüngsten Gäste mit ein.

Überhaupt können die Besucher jeden Alters die jüdische Kultur in der Alten Synagoge zum Anfassen und Ausprobieren erleben — über offen präsentierte Objekte, aber auch über insgesamt 30 Hörstationen. An diesen können sich die Besucher etwa Zeitzeugen-Interviews und jüdische Lieder anhören.

Sehr aktuell ist darunter eine von Schauspielern nachgedrehte Wuppertaler Ratsdiskussion aus den 80er-Jahren, die sich mit dem Kampf um die Erinnerungskultur zur jüdischen Geschichte beschäftigt — eine Gedenkstätte am Standort der einstigen Elberfelder Synagoge war nämlich lange umstritten. „Wir mussten mit den Kaufleuten hadern, da sie den Parkplatz für ihre Kunden nicht verlieren wollten“, erinnert sich die ehemalige Oberbürgermeisterin Ursula Kraus. Erst im Jahr 1986 endete die Auseinandersetzung mit dem Beschluss, eine Begegnungsstätte an der Genügsamkeitstraße einzurichten.

Die einstige Elberfelder Synagoge bekommt ebenfalls großen Raum in der Ausstellung — als Modell im Maßstab 1 zu 50, aber auch in Form vieler Informationen zu Lebensgeschichten und Bildern von Persönlichkeiten des damaligen Gemeindelebens. Sehr persönlich ist auch der Zugang zur NS-Zeit — unter anderem durch private Gegenstände ehemals in Wuppertal lebender Juden. Schrader: „Es ist sehr berührend, dass uns die Menschen die Sachen gegeben haben — denn sie bedeuten ihnen sehr viel“.

Auch zum gegenwärtigen jüdischen Leben in der Region schlägt die Ausstellung eine Brücke: Die Installation „Irgendwie jüdisch“ zeigt Portraits heutiger bergischer Juden.

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