Ein Friedhof für drei Weltreligionen

Ein Friedhof für drei Weltreligionen

Wuppertal plant Ruhestätte für Christen, Juden und Muslime.

Wuppertal. „Die Ewigkeit ist ein großes Problem“, sagt Samir Bouaissa. Der 40-Jährige steht nachdenklich auf einem Friedhof in Wuppertal, zwischen schlichten Grabhügeln und großen Marmorplatten voller arabischer Schriftzeichen. Bouaissa ist der Generalsekretär der Wuppertaler Moscheen: „Im Islam ist es sehr wichtig, dass die Totenruhe niemals gestört wird.“

Die Vorstellung, dass nach 25 Jahren neu verhandelt werden muss, ob ein Grab erhalten bleibt, mache vielen Muslimen Angst. Vor fünf Jahren entstand eine Idee in Wuppertal, die jetzt umgesetzt werden soll — sie ist laut Stadt einmalig in Deutschland und ein großes Zeichen für die Versöhnung der Religionen.

Der Plan ist ein Friedhof, auf dem Juden, Muslime und Christen nebeneinander bestattet werden. Mit einer geplanten Gesetzesänderung wird das Projekt ab Januar 2014 möglich sein; muslimische Vereine sollen dann eigene Friedhöfe betreiben dürfen. Dieses Datum wollen die drei Religionsgemeinschaften nutzen, um einen gemeinsamen Friedhof für alle Religionen zu schaffen.

Regelmäßig kommt Samir Bouaissa mit Leonid Goldberg von der jüdischen Gemeinde und dem evangelischen Pfarrer Peter Eberlein zusammen. Sie sind Vorsitzende der drei großen religiösen Gemeinden in Wuppertal. „Der runde Tisch der Religionen hat in Wuppertal Tradition“, sagt der Integrationsbeauftragte der Stadt, Hans-Jürgen Lemmer. Seit dem Brandanschlag in Solingen 1993 treffen sich die Vorsitzenden der Kirchen und Vereine zum Gespräch.

Der gemeinsame Friedhof soll auf einem Friedhofsgelände der evangelischen Gemeinde im Stadtteil Varresbeck entstehen, wo auch die weltberühmte Choreographin Pina Bausch ist dort begraben. Dort sind bereits Christen und Juden bestattet, nun soll ein muslimisches Gräberfeld hinzukommen. Die Stadt Wuppertal freut sich auf die Erweiterung des Friedhofs an der Krummacher Straße: „Ein Symbol für ganz Deutschland“, nannte es Oberbürgermeister Peter Jung vor kurzem beim gemeinsamen Fastenbrechen.

Für die religiösen Gemeinschaften geht es bei dem Projekt weniger um Symbolik als um gelebten gemeinsamen Alltag. Der Entwurf sieht eine gemeinsame Friedhofsmauer vor, die drei nachbarschaftliche Felder umgrenzt. Weder auf dem muslimischen Grabfeld, noch auf dem jüdischen sollen die Gräber nach einer 25-jährigen Frist eingeebnet werden: Das Ewigkeitsgrab wird Wirklichkeit. Red

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