Ein Film über Peter Brötzmann: Die leisen Töne der Jazz-Ikone

Ein Film über Peter Brötzmann: Die leisen Töne der Jazz-Ikone

Drei Wuppertaler Filmemacher haben eine Dokumentation über Peter Brötzmann gedreht. Dabei kamen sie dem Star sehr nah.

Wuppertal. Er ist eine unbestrittene Jazz-Größe und hat sich in der Szene als Schwimmer gegen den Mainstream einen Namen gemacht. Unvergessen auch, dass Peter Brötzmann, der im März seinen 70. Geburtstag feierte, mit „Maschine Gun“ eine epochale Platte aufnahm. „Es macht noch immer Spaß. Das ist die Hauptsache dabei. Und mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, erklärte er anlässlich der Premiere eines neuen Dokumentarfilms über ihn seine Motivation, auch nach 50 Jahren weiter Musik zu machen.

Schlicht „Brötzmann“ heißt der von René Jeuckens, Thomas Mau und Grischa Windus gedrehte 80-Minüter, der am Mittwochabend in der Sparkasse am Islandufer erstmals zu sehen war. Nein, aufgeregt sei er nicht, so der Musiker. „Ich bin über die Menge der Gäste überrascht. Vielleicht hat der Film da der Musik etwas voraus.“ Mehr als 400 Gäste — darunter viel lokale Prominenz von Autorin Christiane Gibiec und Kino-Macher Mark Tykwer bis zum „Sommerloch“-Organisator Maik Ollhoff — erlebten einerseits Konzertszenen von Sessions zwischen März und Mai diesen Jahres im Londoner Cafe Oto und Wuppertaler Cafe Ada und andererseits überaus private Einblicke aus dem Leben des Künstlers.

„Zu Anfang“, erinnerte sich Ernst Dieter Fränzel, Herausgeber des Jazz-Buches „Sounds like Whoopataal“ und so etwas wie ein Weggefährte, „wurde Peter Brötzmann von den damals etablierten Kollegen total abgelehnt. ‚Die machen ja nur Krach.‘ Das wollte niemand hören.“ Brötzmann selbst stimmt zu: „Es gab schwierige Zeiten. Manchmal war ich schon ein bisschen verzweifelt. Ungeheueren Rückhalt hatte ich durch meine Frau“, erinnert sich der inzwischen international Gefeierte, dem es in seiner Musik immer darum geht, Geschichten zu erzählen. „Man offenbart sich auf der Bühne. Das ist, glaube ich, der Sinn der Sache.“

Der feinfühligen Ausfragekunst des Journalisten Thomas Mau ist es zu verdanken, dass nicht nur Mitmusiker viel über den Jazzer erzählen, sondern Brötzmann selbst ungewohnt über sich spricht. Natürlich über seine Arbeit („Als Musiker bist Du immer mittendrin. Auch in den alltäglichen Problemen. Du lernst viel. Zum Beispiel, dass Du nicht der Mittelpunkt der Welt bist.“), aber eben nicht nur.

So offenbart er, dass seine Frau Christa „bis zum Schluss die wichtigste Person in meinem Leben geblieben ist“ und worum sich sein Leben wirklich dreht: „Es geht um verschiedene Wege zum Glück.“ Doch auch Gedanken zum Tod haben Platz im Film: „Wenn Du 70 bist, denkst Du: Irgendwann ist Schluss. Irgendwann ist der Ofen aus.“ E-Mails hasst er („am liebsten würde ich die ganze Technik aus dem Fenster werfen“) und Kollegengespräche auf Augenhöhe vermisst er.

Aber am liebsten arbeitet er in seinem Atelier, wo er in der Stille Papier mit schwarzer Farbe bedruckt, oder spielt auf der Bühnen seinen energiegeladenen Free Jazz. Lang war nach Filmschluss der Applaus — und während DJ Charles Petersohn auflegte, nutzen Fans und Freunde wie Rainer Widmann von der Jazz AGe die Zeit, mit dem nun per eindrucksvollem Film Geehrten zu reden.

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