Ein-Euro-Jobber: Immer weniger und heiß begehrt

Ein-Euro-Jobber: Immer weniger und heiß begehrt

Der Bund streicht die Mittel und stellt damit viele Träger vor schwere Aufgaben.

Wuppertal. Die Zahl der Ein-Euro-Jobber in Wuppertal hat sich halbiert. Gab es 2011 noch etwa 2200 Menschen, die eine Arbeitsgelegenheit, so die offizielle Bezeichnung, ausführten, sind es in diesem Jahr nur noch 1100. Die Bundesregierung hat die Mittel für die Ein-Euro-Jobber drastisch gekürzt — und stellt damit zahlreiche ehrenamtliche und caritative Träger vor nur sehr schwer lösbare Aufgaben.

Thomas Lenz, Leiter des Wuppertaler Jobcenters, moniert: „Die Maßnahmen werden auf Menschen reduziert, die für den ersten Arbeitsmarkt gebraucht werden.“ Das ist seiner Einschätzung nach der falsche Weg, denn: „Integration in die Gesellschaft funktioniert bei uns in Deutschland doch hauptsächlich über Arbeit.“ Den Menschen, die von Hartz IV leben, einfach nur einen Scheck in die Hand zu drücken, das hält er für falsch.

Hinzu komme, dass viele Ein-Euro-Jobber in Wuppertal wichtige Aufgaben erfüllt haben. Von der Hausaufgabenhilfe über die Betreuung alter Menschen im Pflegeheim bis zum Projekt Stadttauben haben Ein-Euro-Jobber geholfen. Das ist nun größtenteils Geschichte.

Allein bei der Tafel helfen derzeit etwa noch 50 Ein-Euro-Jobber. Die Tafel wird nach Auskunft von Lenz auch weiterhin die Arbeitskräfte zugeteilt bekommen, denn er weiß, dass die Tafel anderenfalls schließen müsste.

Ähnlich sieht es bei dem Projekt Nordbahntrasse aus. Etwa 100 der begehrten Ein-Euro-Jobber sind der Trasse zugeteilt, das Wichernhaus ist einer der Träger. Ohne die Hilfer des zweiten Arbeitsmarktes gäbe es keine Trasse. Die Arbeitsleistung der Frauen und Männer gilt als der nötige Eigenanteil (neben den Spenden), ohne die es keine Fördergelder der EU gibt.

Andere Träger haben da weit weniger Glück. Die Kirchen, Vereine und zahlreiche andere Verbände haben keine Ein-Euro-Jobber mehr. Das löst eine Kettenreaktion aus: Für die Anleitung und Betreuung der Jobber waren Menschen hauptberuflich eingestellt worden. Diese Jobs sind nun ebenfalls in Gefahr.

„Es trifft die großen Träger sehr hart“, weiß auch Lenz, der den Mangel verwalten muss. Bessere Zeiten sind nicht in Sicht: 2013 will der Bund die Mittel für die Ein-Euro-Jobber weiter kürzen, die exakte Höhe steht noch nicht fest. Dabei ist in diesem Segment schon kräftig gestrichen worden. 2009 betrug das Budegt noch 40,3 Millionen Euro, 2010 waren es sogar noch 44,4 Millionen Euro. bereits 2011 hatte der Bund die Förderung auf 36,7Millionen Euro zurückgefahren, und in diesem Jahr sind es nur noch 28 Millionen Euro.

Die Bundesregierung begründet dies mit den gesunkenen Arbeitslosenzahlen. Eine unredliche Begründung, wie Lenz anmerkt. Denn die guten Zahlen des ersten Arbeitsmarktes stünden auf einem anderen Blatt als die Menschen in Wuppertal, die keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt hätten. Durch Tricks in der Statistik würden diese nicht mehr offiziell als Arbeitslose gezählt.

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