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Ein Drittel der Wuppertaler Gastro-Betriebe von Insolvenz bedroht

Corona-Krise : Dehoga schlägt Alarm: Ein Drittel der Wuppertaler Gastro-Betriebe von Insolvenz bedroht

Die Corona-Krise bedroht viele Gastronomiebetriebe in Wuppertal. Die Außengastronomie ist wichtiger denn je - doch wie geht es im Winter weiter?

Ein Drittel der Gastronomiebetriebe in Wuppertal ist von Insolvenz bedroht. Durchgehend durch die ganze Branche, sagt Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin der Dehoga Nordrhein. Ob Eckkneipe, Restaurant, Catering-, Veranstaltungsbetrieb - Corona trifft alle. Am ärgsten natürlich Clubs und Bars, die immer noch gar nicht öffnen dürfen, oder Hotels, die kaum Übernachtungsgäste haben. Aber auch für die Gastronomen sieht es alles andere als rosig aus. Die Sommerferien - sonst eigentlich Urlaubszeit und daher gar nicht so lukrativ - würden jetzt dringend gebraucht für den Umsatz.

Eine kürzliche NRW-weite Umfrage unter den Dehoga-Mitgliedern ergab ein trauriges Bild: Zwar haben 90 Prozent der Betriebe wieder offen. Wirtschaftliches Arbeiten sei aber nicht möglich, sagen wiederum 87,9 Prozent  der Befragten. Gut zwei Drittel gaben an, dass die Umsätze aktuell bei unter 50 Prozent von denen im Vergleichszeitraum des Vorjahres lagen. Zahlen, die erschrecken - und die so auch für Wuppertal gelten dürften, sagt Hausmann.

Ein prominentes Opfer hat Corona bereits gefunden. Jörg Heynkes war nach dem Aus der Villa Media selbst an die Öffentlichkeit gegangen. Konkrete Zahlen, wie viele Betriebe es bereits erwischt hat, gebe es noch nicht, sagt Hausmann. Vieles passiere auch im Verborgenen. Man merke es erst, wenn ein Mitglied sich zum Beispiel abmelde.

Abstandsregeln sorgen
für weniger Tische

Öffnen allein helfe nicht, sagen die Gastronomen. Die Auflagen machten es schwer, klagen viele. Zum einen ist der Platz eingeschränkt. Je nachdem wie die Räume geschnitten sind, können nur ein Bruchteil der Tische wie vorher aufgestellt und damit Gäste bewirtet werden. Die Betriebe müssen noch viel mehr als vorher auf Außengastronomie setzen. Und, was viele Restaurant- und Kneipenbetreiber im Gespräch mit der WZ bestätigen: „Die Leute wollen auch hauptsächlich nach draußen.“

Die Stadt Wuppertal, lobt Hausmann, helfe gerade bei diesem Thema, wo sie kann. Der Rat stimmte zuletzt noch dafür, dass die Gebühren für Außengastronomie bis zum Jahresende erlassen werden. „Das läuft gut, es gibt kurze Wege zur Verwaltung, auch zum OB“, sagt Hausmann. Sogar Parkplätze würden „geopfert“, um vor Läden Raum für Tische und Stühle zu schaffen. „Das war früher schwieriger, ist aber jetzt enorm wichtig für die Gastronomen.“

Beispiel Schimmerlos: Das mitten in der Coronakrise neu eröffnete Deli Café an der Friedrich-Ebert-Straße hat jetzt Sitzmöglichkeiten vor der Tür. Ohne die wäre es schwer geworden, sagt Mitbesitzerin Barbara Opitz.

Jörg Eckhardt Kuznik, Vorsitzender der IG Luisenstraße, hofft, dass es auch im Luisenviertel noch einmal eine Erweiterung der Außenflächen, vielleicht auch nur temporär, geben kann.

Dass andere Städte allerdings durchaus schneller gewesen seien mit der Erweiterung von Außenflächen, wirft Ilkay Cetinbas ein. Mit seinem Bruder Julian betreibt der Wuppertaler das Köhlerliesel im Luisenviertel, das gleichnamige Pendant  in der Düsseldorfer Altstadt und ein Restaurant in Köln. Insgesamt sei es eine „harte Zeit“ für die Gastro. Im „Köhler“ in Wuppertal stünden nur 40 Prozent der Tische wie vor der Krise zur Verfügung. Dementsprechend seien auch die Umsätze - bei gleichzeitig höheren Kosten für Mitarbeiter. Mehr Außengastronomie würde Cetinbas nur begrüßen. Das Jahr 2020 „habe ich aber schon abgehakt“.

Positiv sei aus Kuzniks Sicht, dass zumindest im Wuppertaler Kneipenviertel wieder mehr Betrieb ist. Auch wenn die Atmosphäre eine andere sei: „Die Gäste kommen.“ Er appelliert allerdings an die Besucher und deren Eigenverantwortung. Die Gastronomen könnten nicht auch noch bei jedem Einzelnen darauf achten, dass er den Abstand einhält oder sich sonst auch an die Auflagen hält. Kuznik warnt: Wenn neue Corona-Fälle auftreten, „ist der Spaß vorbei“. Einen neuen Lockdown überlebe die Branche nicht.

Lob für mutige Gastronomen: Eröffnung trotz Corona

Er denkt schon weiter. Herbst und Winter, wie wird es dann? Wenn „Draußensitzen“ nicht mehr immer eine Option ist? Wenn auf viele Gastronomen die Kostenlawine wartet, etwa durch gestundete Mieten. Auch die Dehoga macht sich bereits ihre Gedanken, sagt Isabel Hausmann. Doch wie lange die Auflagen noch andauern werden, das sei der Blick in die Glaskugel.

Wer es sich leisten könne in diesen Zeiten, könne die Gastronomie am besten unterstützen, „wenn er hingeht“, sagt OB Andreas Mucke. Die Stadt versuche, der Branche zu helfen. „Es hängen Arbeitsplätze dran, aber es ist auch ein Lebensgefühl in der Stadt.“ Auf bessere Zeiten zu warten, helfe nicht. „Denn später gibt es dann vielleicht keine Gastro mehr.“

Umso mehr lobt Hausmann auch die Gastronomen, die gerade jetzt aktiv sind, etwas auszuprobieren. Karen Graeber und Mareike Völker sind zum Beispiel seit gut einem Monat mit dem Café Himmelblau in der Schönen Gasse in Elberfeld am Start - und zufrieden. „Es ist natürlich ruhig. Aber wir haben mit weniger gerechnet.“ Was ihnen auffalle: „Die Leute achten sehr darauf, dass die Auflagen eingehalten werden - und fragen auch uns.“ Und was den Herbst angeht, bleiben die beiden optimistisch: „Wir lassen uns was einfallen.“